Wer an Schönenwerd denkt, denkt an Bally. Der Name des Schuhherstellers ist omnipräsent: Der Bally-Park, die Carl-Franz-Bally-Strasse und natürlich das Bally-Areal, wo einst Millionen von Schuhe hergestellt wurden. Grosse Teile dieses Areals haben vor kurzem den Besitzer gewechselt. Konkret geht es um 17 Gebäude auf 13 Grundstücken mit einer Gesamtfläche von 72 627 m2 rund um den Bahnhof Schönenwerd. Neue Eigentümerin ist die Anlagestiftung Ecoreal mit Sitz in Zürich. Diese hat die Grundstücke per Anfang Juli von den bisherigen Besitzern, der SKW Immobilien AG und der Bareal Immobilien AG, übernommen.

Für die bisherigen Eigentümer war der Zeitpunkt für den Verkauf gekommen: «In den letzten 17 Jahren konnten die zum grössten Teil leerstehenden Gebäude renoviert, umgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt werden», erklärt Jonathan Bodmer, Verwaltungsratspräsident der Bareal Immobilien AG und weist daraufhin, dass in den ehemaligen Bally-Produktionsstätten heute über 200 Mieter für einen vielfältigen Betrieb sorgen. Über die Verkaufskonditionen haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Weiterhin im Besitz von SKW Immobilien bleibt das ehemalige Restaurant Central/Capriccio an der Oltnerstrasse. An dieser Stelle sei bereits ein Neubau geplant, gibt Bodmer bekannt.

Keine Umnutzung vorgesehen

Seitens der Käuferin heisst es, das Bally-Areal befinde sich in einer sehr guten Mikrolage mit diversen Wohnbau-Baulandreserven, welche in Zukunft die Arealnutzung wesentlich definieren können. Der Erwerb des Areals mit seiner grossen kulturellen und industriellen Bedeutung bedeute ein wichtiger Meilenstein im Ecoreal-Portfolio. In diesem Portfolio finden sich Wohn- und Gewerbeobjekte in der gesamten Schweiz, hauptsächlich im Mittelland, einige davon grösser als das Bally-Areal. Aktuelle Projekte sind etwa eine Überbauung in Roggwil BE mit 45 Wohnungen und ein Wohn- und Gewerbeobjekt in Romanshorn TG mit 54 Wohnungen.

Die Anleger von Ecoreal sind in erster Linie Pensionskassen. Das Gesamtvermögen der Stiftung hat Ende 2016 die Milliardengrenze überschritten, dies bei einem Wachstum von 20 Prozent. Nach eigenen Angaben ist die Anlagestiftung auf Entwicklung und Bauprojekte spezialisiert. Für die bestehenden Liegenschaften gibt es derzeit jedoch keine Pläne für eine Umnutzung. «Es handelt sich um eine ganz normale Akquisition», sagt Ecoreal-Geschäftsführer Hans Jürg Stucki auf Anfrage und bestätigt: «Es wird nicht abgebrochen. Alles bleibt, wie es ist.»

Schlüsselstück für Ortsplanrevision

Dass sich ein Verkauf abzeichnet, war den Gemeindebehörden in Schönenwerd bekannt. «Wir pflegen einen engen Kontakt zu den bisherigen Eigentümern. Dazu gehörte auch die transparente Information», sagt Schönenwerds Gemeindepräsident Peter Hodel auf Anfrage. «Ich bin zuversichtlich, dass das auch mit den neuen Besitzern so sein wird.» Das zentral gelegene Bally-Areal sei von grosser Bedeutung für Schönenwerd, betont der Gemeindepräsident. Schon alleine deshalb sei der gegenseitige Austausch wichtig. Gespräche zwischen Ecoreal und Gemeindebehörden habe es bis jetzt aber noch keine gegeben. Das dürfte sich bald ändern. Denn so oder so spielen die Grundstücke eine wichtige Rolle bei der anstehenden Ortsplanungsrevision in Schönenwerd. So steht bereits fest: Das Gebiet um den Bahnhof soll gefördert werden und das Bally-Areal als Arbeitszone erhalten bleiben. Diese Ziele hat die Niederämter Gemeinde bereits 2015 in einem Teilleitbild festgehalten. Insbesondere das Areal zwischen Bahnhof und Oltenstrasse biete viel Potenzial, findet der Gemeindepräsident. Nun gehe es darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Hodel ist überzeugt, dass die neuen Besitzer diesen Wunsch teilen.

Park und Kosthaus bleiben tabu

Nicht zum Verkauf steht das BallyHouse. Für das ehemalige Kosthaus der Fabrikarbeiter bestehen aber ebenfalls Optimierungspläne. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, dürften die Eingriffe aber minimal ausfallen. Gegenwärtig laufe dazu ein Gestaltungsplanverfahren, erklärt Peter Hodel. Ebenfalls unangetastet bleibt der Bally-Park. Dieser befindet sich im gemeinsamen Besitz der Einwohner- und Bürgergemeinden von Schönenwerd, Niedergösgen und Gretzenbach.