Roy Moser und seine Frau Claudia aus Lenzburg, beide 24 Jahre alt, eröffnen im Spätherbst in Schönenwerd einen Escape Room (englisch für Fluchtraum, siehe Kontext). Doch noch ist nichts davon erkennbar, ausser eine Menge Arbeit. Sie mieteten sich in die Räume des Gebäudes von Swiss Recycling Services (ehemals Veolia) im vierten Stock ein. An den Türen ist noch das Logo der Firma Aartec zu erkennen, die vor Jahren einer Fusion zum Opfer fiel.

Die beiden spachtelten zunächst acht Schichten Tapete von der Wand. Zudem machen sie sich daran, die Einbauschränke zu entfernen und die Lampen abzuhängen. Gearbeitet wird momentan im 64 m2 grossen Hauptraum, der später zum Spielraum, dem eigentlichen Escape Room, ausgebaut wird. In weiteren Räumen ist die Anmeldung sowie das Wartezimmer geplant. Doch bevor hier die ersten Besucher eintreffen, gibt es noch eine Menge zu tun: «Ich habe mir das ehrlich gesagt schon einfacher vorgestellt», gibt Roy Moser zu. Die vielen Vorschriften seien eindrücklich, aber: «Wir machen keine halben Sachen, wir wollen es von Anfang an perfekt machen.»

Die beiden wissen, wovon sie reden. Innerhalb eines Jahres besuchten sie rund 50 Escape Rooms in der Schweiz und Süddeutschland: «Es fehlte uns oft ein Leitfaden, um dem Spiel nahtlos folgen zu können», sind sie sich einig. Häufig sind die Räume schlecht ausgearbeitet oder die Themen zu weit her geholt. So kamen die beiden gar zum Schluss, dass es in der Schweiz nicht viele gute Escape Rooms gäbe. Um dies zu ändern, geht jede freie Minute für das Projekt drauf, auch Kollegen helfen am Wochenende mit. Was Anpacken heisst, weiss Roy Moser. Er konnte vor wenigen Jahren die Metallhandelsfirma seines Vaters übernehmen. Nützlich war auch der Job seiner Frau Claudia. Als Metallbauzeichnerin fiel es ihr leicht, Pläne für die öffentliche Auflage zu zeichnen.

Roy Moser zeigt sich sehr erfreut darüber: «Ich dachte, es könnte Einsprachen geben wegen Autolärm.» Unbegründet, wie sich herausstellte. Die Einsprachefrist der Bauausschreibung lief ohne Gegenwehr am 21. Juni ab. Sobald die Renovationsarbeiten abgeschlossen sind, beschäftigen sich Mosers mit dem eigentlichen Thema, dem Escape Room. Später wird es hier aussehen wie in einer Geisterbahn, mit Zombies, anderen Fantasy-Geschöpfen und schaurigen Lichteffekten. Claudia Moser wird als Gamemaster die ersten Besucher empfangen. Ganz nach Vorbild von Mosers Lieblingsserien «The Walking Death» und «Game of Thrones».