Dulliken
Bald gibt's Poulets aus guter Bergluft

Ein Bauernbetrieb auf dem Engelberg setzt auf Geflügelmast als zusätzliches Standbein. Zurzeit bewirtschaften Katharina Wittmer und ihr Sohn Lukas den Bauernhof mit Rinderaufzucht, Mutterkuhhaltung und Ackerbau. Die geplante Pouletmast soll das finanzielle Risiko verringern und für mehr Abwechslung sorgen.

Rahel Bühler
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Sohn Lukas und Mutter Katharina Wittmer mit Hund Tell am Standort ihrer geplanten Pouletmasthalle.

Sohn Lukas und Mutter Katharina Wittmer mit Hund Tell am Standort ihrer geplanten Pouletmasthalle.

BRUNO KISSLING

Gut sichtbar und trotzdem etwas versteckt hinter den Häusern des Engelbergs stehen Bauprofile. Wer vorbeifährt, mag sich fragen, was dort wohl gebaut werden soll. Eine Geflügelmasthalle ist des Rätsels Lösung. Realisiert wird das Vorhaben von Katharina Wittmer und ihrem Sohn Lukas, die auf dem Engelberg wohnen und einen Bauernhof bewirtschaften.

Bislang besteht der gemeinschaftliche Betrieb aus der Rinderaufzucht, der Mutterkuhhaltung und dem Ackerbau. Nun soll ein weiteres Standbein dazukommen: die Pouletmast. Lukas Wittmer, gelernter Landwirt, erklärt, wieso: «Auf der einen Seite gibt es eine gewisse Abwechslung in den Arbeitsalltag, auf der anderen Seite verteilt sich das finanzielle Risiko, das aufkommt, wenn es mal irgendwo nicht rund läuft, auf verschiedene Standbeine.»

Neben der Pouletmast hätte es auch noch andere Landwirtschaftszweige gegeben, die infrage gekommen wären, doch die Pouletmast habe am vielversprechendsten ausgesehen, so der 22-Jährige. Seine Mutter, auch sie gelernte Landwirtin, nickt zustimmend: «Die Schweizer Bevölkerung will Schweizer Poulets.» Ein weiterer mitentscheidender Punkt ist die Tatsache, dass der Selbstversorgungsgrad in der Schweiz mit etwa 50 bis 60 Prozent relativ tief ist. Schweizer Poulets sind also gefragt.

Migros als Abnehmer

Aus diesen Gründen machten sich Mutter und Sohn vor ungefähr zwei Jahren an die Planung des Projekts. Zuerst galt es, die Finanzlage zu überprüfen. Als diese sichergestellt war, musste ein Abnehmer gefunden werden. «Man kann nicht einfach eine Halle bauen und dann schauen, wer einem die Poulets abnimmt», erklärt Lukas Wittmer. Gebaut wird nur, was schon durch Vorverträge sichergestellt wurde. Wittmers waren in der glücklichen Lage, dass sich gleich alle drei grossen Abnehmer Migros, Bell und Kneuss an ihrem Projekt interessiert zeigten. «Bei der Migros hat schlussendlich das Gesamtpaket am besten gepasst», sagt Katharina Wittmer, «deshalb haben wir uns dafür entschieden.» Der offizielle Vertrag, datiert auf eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren, tritt in Kraft, wenn die Halle steht.

Platz für 9000 Tiere

Daraufhin musste ein geeigneter Standort für die Halle, die 600 Quadratmeter gross sein und Platz für 9000 Hühner bieten wird, gefunden werden. Nach diversen Gesprächen mit Kanton und Gemeinde wurde der aktuelle Standort für optimal befunden. Er liegt südlich der Häuser auf dem Engelberg. Das Land gehörte der Bürgergemeinde Dulliken, bis es im Rahmen dieses Bauvorhabens abgetauscht werden konnte. Familie Wittmer gibt einen Teil ihres Landes ab und erhält dafür dieses 70 Aren grosse Stück Land, davon bebaut werden 10 Aren.

Das ganze Bauvorhaben umfasst neben der Masthalle auch den Auslauf für die Tiere, einen Technik- und einen Aufenthaltsraum sowie einen Verladeplatz für die Lastwagen, die alle acht Wochen vorfahren werden. Geheizt wird mit Schnitzeln aus dem familieneigenen Wald, für die Stromproduktion werden auf dem Dach Solarzellen montiert.

Dass die Tiere gut gehalten werden, ist den Wittmers besonders wichtig: «Ich will, dass es meinen Tieren gut geht», sagt Lukas Wittmer. Dass dem auch so ist, wird durch regelmässige Kontrollen der Migros und des Bundes überprüft. Damit die Halle überhaupt gebaut werden kann, sind strenge Vorschriften einzuhalten: Die Hühner brauchen genügend Auslauf – «Zugang zum Wintergarten», wie es Katharina Wittmer nennt –, erhöhte Sitzflächen, ein gutes Lüftungssystem, Einstreu und genügend Platz in der Halle.

Ball liegt beim Kanton

Vom 31. März bis zum 14. April dauerte die Einsprachefrist für die Bauausschreibung. «Eingegangen ist jedoch keine einzige», erklärt Katharina Wittmer freudig, hatte sie doch Bedenken, dass jemand etwas gegen ihr Projekt haben könnte. «Einsprachen von Tierschutzorganisationen oder Dorfbewohnern sind immer möglich. Nicht weil sie den Standort schlecht finden, sondern die Sache an sich», erläutert Sohn Lukas.

Noch ist allerdings nichts unter Dach und Fach. Nachdem die Einsprachefrist abgelaufen ist, ist nun der Kanton am Zug: Da der Bauplatz in der Landwirtschafts- und nicht in der Bauzone liegt, muss das Bau- und Justizdepartement in Solothurn das Bauvorhaben bewilligen. Mit einem Entscheid rechnen Wittmers im Frühsommer. «Es ist schwer zu sagen, wie das Votum ausfallen wird, aber wir sind zuversichtlich», meint die 52-jährige Landwirtin.

Ziel: Start in einem Jahr

Wenn der Kanton das Okay gibt, so der Plan, soll im Herbst mit dem Bau angefangen werden. «Unser Ziel ist es, dass wir in ungefähr einem Jahr mit der Produktion anfangen können», blickt Katharina Wittmer in die Zukunft. Dass die Bauzeit länger als üblich dauert, liegt daran, dass Lukas Wittmer, der auch Zimmermann gelernt hat, vieles selber machen wird. «So wissen wir, dass es funktioniert.» Vorerst ist jedoch erst einmal Warten angesagt.

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