Schönenwerd

Badi Schönenwerd: Sogar Kassenhäuschen muss beheizt werden

Wunderschön an der Aare gelegen: Badi Schönenwerd (links Schönenwerd mit Sportplatz Feld, rechts Niedergösgen – Aufnahme am letzten Samstag). Patrick Lüthy

Wunderschön an der Aare gelegen: Badi Schönenwerd (links Schönenwerd mit Sportplatz Feld, rechts Niedergösgen – Aufnahme am letzten Samstag). Patrick Lüthy

Im Freibad kann Badmeister Phithak Schmassmann nur noch auf die zweite Saisonhälfte hoffen. Die erste war katastrophal.

16 Grad kalt ist die Luft am Freitag kurz nach Mittag beim Besuch in der Badi Schönenwerd. Spürbar wärmer ist im Kassenhäuschen: «Hier haben wir geheizt», bestätigt Badmeister Phithak Schmassmann, «die Kassierin muss stundenlang hier drin sein, für sie wäre es sonst zu kalt.» Heizen in der Badi, Mitte Juli: Der Sommer 2016 ist ein Witz.

Wer in der Badi friert, muss schnellstens ins Bassin. «Das Wasser ist 23 Grad warm», sagt Schmassmann stolz. Dabei ist die Badi Schönenwerd doch gar nicht geheizt. Wie ist das möglich? «Ein Vorteil des Betonbades», erklärt der Badmeister. «Beton nimmt sehr viel Wärme auf und speichert sie lange.» Ein zweiter Grund trägt zur angenehmen Wassertemperatur bei: «Je mehr Badegäste wir haben, umso häufiger müssen wir Frischwasser zuführen.» Diese Woche waren es sehr wenig Gäste, also kam auch wenig kaltes Wasser hinzu.

Offen halten für die Eisernen

«Wenig Gäste» ist noch diplomatisch ausgedrückt. Um genau zu sein: Bei unserem Besuch ist buchstäblich … keine einzige Badehose in den fünf Wasserbecken zu entdecken. «Wahrscheinlich kommen nach Feierabend noch ein paar vorbei», sagt Schmassmann. Das ist nicht nur Hoffnung, sondern ein Erfahrungswert. Denn es gibt sie, die Frauen und Männer, die ungerührt ihre Längen ziehen, auch wenn Normalsterbliche schon vom Zuschauen den Schnupfen kriegen. «10 bis 15 Leute pro Tag sind auch bei ganz schlechtem Wetter gekommen.»

Das ist auch der Grund, weshalb die Badi seit dem Saisonstart am 14. Mai keinen Tag geschlossen hatte, wie schlecht das Wetter auch war. Und Schmassmann hebt das Positive hervor: «Kaum wars mal schön und warm, sind die Leute sofort gekommen und haben sich aufs Baden gefreut.» Leider war das in den letzten zwei Monaten wirklich die Ausnahme.

Schlottern am Schwimmkurs

Zu den «harten Kerlen» dürfen sich auch die 12 bis 15 Kinder im Alter von 5 bis 8 Jahren zählen, die diese Woche in der Badi Schönenwerd jeden Morgen den Schwimmkurs besucht haben. Klar seien es andere Jahre mehr Teilnehmer gewesen, gibt der Badmeister zu. Andererseits habe er in früheren Jahren bei ganz schlechten Wetterprognosen den Kurs auch schon abgesagt. Diesmal nicht, weil er noch auf Besserung hoffte. «Und die Kinder haben gut mitgemacht, obwohl sie schon manchmal schlottern mussten», lobt der Badi-Chef. Der jährliche Kinder-Schwimmkurs in der ersten Woche der Sommerferien sei ihm wichtig, weil er die Kinder, die regelmässig die Badi besuchen, kennen lernen und ihre Schwimmfähigkeiten einschätzen können möchte.

Phithak Schmassmanns Mutter ist Thailänderin, sein Vater Deutschschweizer, und aufgewachsen ist er im Tessin. Darum spricht er Italienisch, Deutsch und Thai. Ursprünglich hatte er Zahntechniker gelernt wie sein Vater, dann machte er die Ausbildung zum Tennislehrer. In beiden Berufen hat er mehrere Jahre gearbeitet, bevor er das Diplom als Badmeister machte. Seit elf Jahren arbeitet er jetzt im Hallen- und im Freibad Schönenwerd, die ersten Jahre als Assistent von Kurt Graber, dann als Badmeister.

Schmassmann strahlt etwas Friedliches aus und braucht im Gespräch nicht gern harte Worte. Auf die Frage, ob die Freibad-Saison 2016 eine Katastrophensaison sei, stutzt er kurz und sagt dann trocken: «Bis jetzt ja.» In der Badi arbeite er doch für die Leute, und für ihn sei es auch schöner, wenn mehr Gäste da seien.

Immerhin: Die Saison ist erst zur Hälfte vorbei. Noch bleiben zwei Monate bis zum Saisonschluss am 18. September. Und vielleicht ist dieses Wochenende ja der Auftakt zu einem tollen Badisommer.

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