Schönenwerd
Automobile Exklusivität aus dem Bally-Besitz wird versteigert

Sotheby’s versteigert in den USA ein Mercedes-Cabriolet, das Bandfabrikant Curt Alexander Bally gehörte.

Lucien Fluri
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Kommt in Monterey (Kalifornien) unter den Hammer: Der Mercedes-Benz 500 K Cabriolet A von Curt Alexander Bally, produziert 1934 in Sindelfingen bei Stuttgart.Tim Scott/Courtesy of RM Sotheby’s

Kommt in Monterey (Kalifornien) unter den Hammer: Der Mercedes-Benz 500 K Cabriolet A von Curt Alexander Bally, produziert 1934 in Sindelfingen bei Stuttgart.Tim Scott/Courtesy of RM Sotheby’s

Tim Scott ©2016 Courtesy of RM S

Er soll bis zu 2,5 Millionen Dollar einbringen: Das Auktionshaus RM Sotheby’s versteigert dieses Wochenende im kalifornischen Monterey ein besonderes Auto, ein Mercedes-Cabriolet mit Solothurner Geschichte. Ausgeliefert wurde der rote Zweisitzer im September 1934 von der Zürcher Mercedes-Benz-Niederlassung an seinen Erstbesitzer Curt Alexander Bally (1904–1979) in Schönenwerd.

Der erst 30-jährige Spross der bekannten Industriedynastie gönnte sich eines der teuersten und stärksten Autos seiner Zeit. Der 5-Liter-Reihenachtzylinder leistet dank Kompressor kurzzeitig 160 PS und erreicht bei Bedarf 160 Stundenkilometer. Gerade einmal 33 Stück wurden vom zweitürigen, zweisitzigen Cabriolet gebaut.

Wie lange der Mercedes im Besitz der Familie Bally blieb, ist nicht überliefert. 1951 wurde das Auto, möglicherweise noch von Bally selbst, an einen Amerikaner verkauft, der das Fahrzeug in die USA brachte. Schliesslich stand der Wagen zwei Jahrzehnte in einem Museum.

Seit 1990 ist er wieder in Privatbesitz. Über den aktuellen Eigentümer macht das Auktionshaus keine Angaben. Noch immer befindet sich das blecherne weisse CH-Schild am Heck des Autos und weist so auf den einstigen Einsatz auf Schweizer Strassen hin.

Erstbesitzer Curt Alexander Bally war ein Grossneffe des Schuhfabrik-Gründers Carl Franz Bally und Enkel von dessen Bruder Alexander Bally. «Dieser Stamm der Schönenwerder Bally war Eigentümer der Bally-Band-Fabrik», erklärt Pernille Valentin von der Stiftung Ballyana, die das historische Erbe der Schönenwerder Industriedynastie aufarbeitet. «Bally Band fabrizierte bis zur siebten Generation 2005 in Schönenwerd Bänder.»

1934 für 22 000 Reichsmark

Wer den Oldtimer kaufen will, braucht ein dickes Bankkonto: Das Auktionshaus gibt einen Schätzpreis von 2 bis 2,5 Mio. US-Dollar an. Damit liegt der Bally-Mercedes im oberen Segment der gut 100 Autos, für die das Auktionshaus an diesem Freitag und Samstag neue Besitzer sucht. Das Cabriolet ist aber längst nicht das teuerste Auto der Auktion.

Auf 20 bis 25 Mio. Dollar werden ein Jaguar Rennwagen aus dem Jahr 1955 und ein Achtzylinder-Alfa-Roadster aus den 30er-Jahren geschätzt. Das Auktionshaus ist auf die exklusivsten Oldtimer weltweit spezialisiert, die in den vergangenen Jahren zu Investmentanlagen wurden. Die Preise sind entsprechend in die Höhe geschossen.

Schon als Neuwagen war der Bally-Mercedes jedoch ein Traum, den sich kaum jemand leisten konnte. Das Cabriolet stand mit 22 000 Reichsmark in den Preislisten der deutschen Mercedes-Händler. Der durchschnittliche Monatslohn eines Arbeiters betrug 134 Reichsmark.

Das Auto hat – zumindest unter Autonarren – in der Region für Aufsehen gesorgt. So enthält noch 2011 der Nachruf auf ein Mitglied des Schweizer Mercedes-Veteranen-Clubs den Hinweis, dass der Oensinger als Jugendlicher den Bally-Mercedes bestaunt habe. Und seinen Kollegen offenbar noch Jahrzehnte später davon berichtete.