Johannes Georg Fuchs

Ausstellung erinnert an den letzten Schlossherrn von Wartenfels

Peter André Bloch hat die Gedenkausstellung zusammengestellt

Peter André Bloch hat die Gedenkausstellung zusammengestellt

Am Sonntagmorgen wird auf Schloss Wartenfels ob Lostorf eine Gedenkausstellung über das Leben von Johannes Georg Fuchs (1925-1990) eröffnet.

Dreissig Jahre sind vergangen, seitdem Johannes Georg Fuchs von dieser Welt gegangen ist. Ohne Anzeichen einer Krankheit verstarb er an einem Schlaganfall am 13. März 1990 in Basel, wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag. Sein Leben war eng mit dem Schloss Wartenfels verbunden, 1983 wurde er Ehrenbürger von Lostorf.

Peter André Bloch (83) hat Fuchs noch persönlich gekannt. Der Präsident der Stiftung Wartenfels war mit vier Jahren erstmals auf dem Schloss, als er seinen älteren Bruder auf einer Schulreise begleiten durfte: «Im Bischofszimmer sass eine ältere Dame auf einem Fauteuil, einen Stickrahmen in den Händen.» Bloch war sich sicher: «Das ist die Schlossprinzessin!» Jahre später, auf der Maturreise nach Rom, traf er auf dem Petersplatz die «Schlossprinzessin» wieder (es handelte sich um Hermine Meidinger) sowie ihre Tochter und ihren Grosssohn, Johannes Georg Fuchs. Dieser war Professor für römisches Recht und Kirchenrecht an der Universität Basel. «Weil wir einige Mitschüler aus Lostorf unter uns hatten, lud uns Professor Fuchs spontan zu einem Glas Veltliner in die Kneipe der Schweizer Gardisten ein.» Er wollte wissen, für welche Studienrichtungen sich die jungen Leute interessierten. Als sich Bloch unentschlossen zeigte, meinte er: «Studieren Sie doch etwas rechtes und kommen Sie an die Alma Mater Basiliensis zu mir in die Vorlesung über römisches Recht.» Gesagt, getan, jedenfalls zwei Semester lang, wobei sich Bloch «für alle Fälle» zuvor noch für Literatur und Sprachen, Theologie und Philosophie einschrieb.

Fuchs verbrachte sein Leben mehrheitlich in Basel und auf Schloss Wartenfels, das er erbte. Früh schon schlug er die Gelehrtenlaufbahn ein. Bereits mit 24 Jahren wurde an der Universität Basel promoviert und nach seiner Habilitation 1954 als Nachfolger von Professor August Simonius auf den Lehrstuhl für römisches Recht und Kirchenrecht berufen. Besonders setzte sich der Reformierte für die Ökumene ein. Als Präsident der Basler Synode wurde er beim zweiten Vatikanischen Konzil zum «päpstlichen Berater mit Stimmrecht» ernannt.

Im Sommer residierte Fuchs im Schloss, im Winter lebte er in seinem «Höfchen» auf der Mahrenhöhe. Gerne habe er das «Pintli» in Mahren besucht oder sei mit einem Esel vom Schloss ins Dorf hinunter marschiert. «Er war der Mensch, der zuhören, der nachfragen, der beherzt lachen konnte, der Anteil nahm an den Fragen und Sorgen der Bauern, der Gewerbler, der alten und jungen Leute», heisst es in einem Nachruf.

Dass das Schloss Wartenfels heute öffentlich zugänglich ist, dafür hat der zeitlebens ledige und kinderlose Junggeselle gesorgt: «Fuchs fand die Lösung, indem er das Schloss in eine öffentlich rechtliche Stiftung überführte», erklärt Bloch. Religion war für Fuchs mehr als nur berufliche Materie: «Er stellte die Schlosskapelle in den Dienst der christlichen Ökumene, in friedlichem Zusammenleben mit anderen Glaubensgemeinschaften. Er wollte, dass sie als Ort gemeinsamen Gebetes für alle Bekenntnisse offen stehe.»


Die von Bloch sorgfältig kuratierte Gedenkausstellung erinnert mit zahlreichen Fotos, und persönlichen Dokumenten an diesen besonderen Menschen, der der älteren Einwohnerschaft von Lostorf noch immer im Gedächtnis präsent ist.

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