Aus Niederämter Sicht
Die Sache mit dem *_/-x

Thomas Vogt
Thomas Vogt
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Sascha Steinach

Vor einer Woche publizierte meine Kolumnen-Kollegin Adriana Marti-Gubler einen Beitrag zum Thema Gender. Um es vorwegzunehmen, ich bin da ganz ihrer Meinung. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war mein Text schon beinahe fertiggestellt und er handelt – wie könnte es anders sein - von derselben Thematik. Deshalb lesen sie heute nicht vom EHCO, der mittlerweile mit 46 Punkten die Rangliste der Swiss League anführt, oder dem hartnäckigen Nebel im Niederamt in der Herbstzeit, sondern bekommen nochmals etwas Gender-Kost vorgesetzt.

Als ich vor einigen Wochen von CH Media den Leitfaden für geschlechtergerechte Sprache in CH Media-Publikationen erhielt, war ich zuerst einmal erstaunt und habe mich gefragt, warum diese 5-seitige Anleitung gerade dann in meinem Mail-Ordner landete; just 2 Tage nach der Abstimmung über die Ehe für alle. Ein Zufall? Wie auch immer! Als durch und durch liberal erzogener und lebender Mensch spielt es mir keine Rolle, wer mit wem verheiratet ist, unter einem Dach das Zuhause teilt oder gemeinsam Kinder grosszieht. Das trifft auch auf Menschen zu, die sich keinem Geschlecht zuordnen. Mit Gender habe ich mich allerdings kaum befasst, da bin ich ganz ehrlich.

Es interessiert mich eigentlich auch nicht. Wie sieht das bei ihnen aus? Erachten Sie das als einen momentan aktuellen Trend oder als ein ernst zu nehmendes Thema für unsere Gesellschaft? Mich persönlich juckt es da durchaus, dass ich wegen einer verschwindend kleinen Minderheit, meine Schreibweise anpassen soll. Diese Forderung steht in den gedruckten Medien (noch) nicht im Raum. Im digitalen Bereich sieht das schon etwas anders aus. Denn die gendergerechte Sprache hat zum Ziel, alle biologischen und sozialen Geschlechtsidentitäten in gesprochener und geschriebener Sprache sichtbar zu machen und gleich zu behandeln. Oje, denn trotz grosser Toleranz stelle ich mir die Frage, ob es auf unserem Planeten keine wichtigeren Probleme zu lösen gibt als diese Genderschreib- und Ausdrucksweise.

Folglich bin ich mir nicht sicher, ob dies der Sache auch dienlich ist. Denn in der gesprochenen Sprache ist ein menschliches Wesen, welches sich keinem Geschlecht zuordnet, in unseren Breitengraden, ein Hermaphrodit oder Zwitter. Das hört sich neben Frau und Mann irgendwie wenig prickelnd an. In der geschriebenen Sprache sollen uns Ausdrucksweisen auferlegt werden, die zum Beispiel auch für Betriebe relevant sind. Durch den Gebrauch gendergerechter Formulierungen – aber auch durch das bewusste Weglassen – positioniert sie sich eine Firma und sendet Botschaften nach innen an das Team sowie nach aussen an die Kundschaft sowie an Stellensuchende aus.

Das heisst also, dass ich in Zukunft nicht mehr von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spreche, sondern von der Belegschaft (weiblich), oder von Menschen (männlich), die ihre Arbeitskraft (weiblich) gegen Bezahlung (weiblich) dem Unternehmen (neutral) / der Unternehmung (weiblich) zur Verfügung stellen. Oder sieht es besser aus, wenn ich Mitarbeiter*innen schreibe oder gar Angestelltx? Unser_e Auszubildende_r wird im Betrieb (männlich) rasch integriert und für die freie Wohnung suchen wir eine:n Mieter:in Was meinen Sie, liebe LeserInnen oder doch Leser/-innen? Möglicherweise fühlen Sie sich als Leserschaft direkter angesprochen.

Wie auch immer, da tue ich mich echt schwer. Warum gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten bei der Verwendung von Sonderzeichen? Langer Rede kurzer Sinn! Ich werde auch in Zukunft meine Schreibweise beibehalten, werte Leserinnen und Leser.

Wenn sich Menschen nicht einem Geschlecht zuordnen können oder wollen, dann soll in den offiziellen Papieren statt W für weiblich oder M für männlich, N für neutral oder auch gar nichts stehen und die Anrede kann in Dokumenten weggelassen werden. So einfach wäre das. Es stellt sich aber die Frage, ob die Schreib- und Ausdrucksweise allein der Akzeptanz von Gender-Anliegen wirklich die gewünschte Wahrnehmung verleihen.

Thomas Vogt lebt in Stüsslingen und ist Geschäftsführer der Vogt AG für Verbindungstechnik in Lostorf.

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