Martin Staub scheint in die Dinge einfach rein zu rutschen. Der 63-Jährige ist leitender Redaktor des «Wochenblatts für das Schwarzbubenland und das Laufental». Und Künstler. Beides war so eigentlich nicht geplant. Ab Sonntag sind seine Fotoarbeiten in der Galerie am Bach in Erlinsbach SO zu sehen. Auch dies: eine günstige Fügung.

Aber fangen wir etwas weiter vorne an. Staub, der im solothurnischen Kleinlützel zu Hause ist und immer schon in der Region gewohnt hat, war 23 Jahre lang Primar- und Sekundarschullehrer. Und das gerne. Anno 2000 erhielt er einen Anruf von der damaligen leitenden Redaktorin des «Wochenblatts».

Ob er nicht für ihre Zeitung schreiben wolle, in Festanstellung? Staub, der bereits als freier Mitarbeiter für das Blatt unterwegs gewesen war, nahm Urlaub vom Unterrichten. Und konnte sich nach einem halben Jahr bereits leitender Redaktor nennen. Ins Lehrerleben kehrte er nicht mehr zurück.

Zuerst das Foto, dann der Text

Journalistisch tätig wurde er ursprünglich, weil er gerne fotografierte. Weil es halt dazugehörte, schrieb er zu den Bildern auch die Texte. «Ich schreibe heute viel lieber als früher», lacht Staub. Die Fotografie hingegen hatte es ihm angetan, seit er 18 war. Damals kaufte er sich seine erste Kamera.

22-jährig, richtete er sich zu Hause seine erste Dunkelkammer ein. «Ich konnte die Abzüge beim Entwickeln gestalterisch selbst beeinflussen, das gefiel mir», erinnert er sich.
Die analogen Zeiten waren jedoch bereits passé, als er seine Stelle beim Wochenblatt antrat. Und Staub entdeckte, dass sich digitale Fotos am Computer bearbeiten lassen.

2005, erzählt er, habe ihn ein befreundeter Goldschmied angefragt: Man könne gemeinsam was machen, Fotos von Staub per Airbrushtechnik auf einen Blechuntergrund spritzen. Staub war inspiriert, machte anschliessend eigene Arbeiten.

Er liess Fotos, die er mit Photoshop bearbeitet hatte, auf Plexiglas drucken. Teile des Bildes wurden auf die Vorderseite, andere auf die Hinterseite des Plexiglases gedruckt.

Mehrere Plexiglasschichten

An seiner ersten Ausstellung, die 2005 in Laufen im Atelier des befreundeten Goldschmieds stattfand, verkaufter er bereits einige Bilder. «Das war die Motivation zum Weitermachen», sagt Staub. Seither zeigt er seine Kunst jährlich einmal an einer Ausstellung in der Region. Mit einer Ausnahme: «2009 habe ich in Berlin ausgestellt», erzählt er. Eine Gelegenheit, die ihm ein Freund vermittelt habe.

Ab Sonntag nun sind seine Bilder in der Erlinsbacher Galerie am Bach zu sehen. Damit präsentiert er – vom Berlin-Ausflug einmal abgesehen – seine Arbeiten erstmals ausserhalb seiner Heimatregion. Angefragt wurde er von der Galeristin Brigitte Wittwer selbst.
Seine Arbeiten nun: Häufig tauchen darin Menschen, Natur, Architektur auf.

«Ich versuche immer, einen Bezug zur Aktualität herzustellen. Und zur Stimmung der Leute», erklärt Staub. Jedes Werk bestehe aus drei bis zehn Fotos, die er selber geschossen und anschliessend in Photoshop bearbeitet und übereinandergelegt habe. Eine gewisse Grösse haben sie auch, sein Standardformat ist 1,20 auf 0,5 Meter. Weil schon die Herstellung – das Zuschneiden- und Bedruckenlassen des Plexiglases – zwischen 500 und 1000 Franken koste, komme ein Bild schon auf zwischen 1000 und 3000 Franken zu stehen.

«Es fasziniert die Leute jeweils, dass die Bilder mehrschichtig sind», sagt Staub. Oft kommt zum doppelseitig bedruckten Plexiglas noch eine zweite, verschiebbare Plexiglasschicht. Dadurch lässt sich das Kunstwerk je nach Laune verändern. «Damit es nicht immer gleich bleibt», erklärt Staub. Auch er selbst sei ständig in Veränderung.

«Ich bin kein Routinemensch», sagt er. Ihm ist wichtig, nicht einfach etwas nachzumachen. Sondern sich in seiner Kunst – und wohl auch als Mensch – von anderen zu unterscheiden.

In der Galerie am Bach stellen vom 28. August bis 18. September Gianni Poretti und Martin Staub aus. Die Vernissage ist am Sonntag, 28. August, um 11 Uhr. Die Finissage wird am Sonntag, 18. September, um 11 Uhr stattfinden.