Erlinsbach AG
Aus Eventlokal werden Wohnungen – vielleicht

In der alten Trotte Erlinsbach kann schon seit einigen Jahren gefeiert werden. Und nun soll sie bald auch als Wohnraum dienen: Der Gemeinderat beantragt bei der Gemeindeversammlung einen Kredit von 1,1 Millionen Franken, um das Dachgeschoss zu Wohnungen ausbauen zu können.

Nadja Rohner
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Ohne Hier sollen vier kleine Not-Wohnungen entstehen.

Ohne Hier sollen vier kleine Not-Wohnungen entstehen.

AAR

Das Gebäude nahe der Kirche wurde um 1830 erbaut. Es handelt sich um eine ehemalige Weintrotte, die seit ihrer Entstehung mehrmals erweitert und umgenutzt wurde. «Bei der letzten Sanierung im Jahr 2000 wurden die nicht ursprünglichen Anbauten entfernt, die Fassaden und das Erdgeschoss zu einem Eventlokal umgenutzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht», erläutert der Gemeinderat im Traktandenbericht. So kann man das Lokal mit kleiner Küche und Platz für 60 Personen rund ums Jahr mieten. «Der Raum erfreut sich grosser Beliebtheit für jegliche Ablässe und Festivitäten», so der Gemeinderat weiter. Das 2-geschossige Haus mit Satteldach und Holzlaube füge sich nahtlos ins Ortsbild ein und werde als Bestandteil der gesamten Kirchenanlage mit Rebberg verstanden.

Einwohnergemeindeversammlung

Freitag, 15. Juni, 19 Uhr, Mehrzweckhalle Kretz

Im Obergeschoss befinden sich zwei heute unbewohnbare Wohnungen. Der Gemeinderat plant nun, dieses Geschoss zusammen mit dem bisher ungenutzten Dachstock zu vier Kleinwohnungen auszubauen. «Das Konzept weist eine hohe Flexibilität für zukünftige Nutzer auf. So können jeweils zwei Wohnungen mittels Verbindungstür zu einer grösseren Wohneinheit zusammengelegt werden.» Erschlossen werden die Wohnungen, so sieht es das Konzept vor, über die nordseitig bestehende Holzlaube. Sie müsse lediglich wieder instand gestellt und aufgefrischt werden, so der Gemeinderat. Neben einer kleinen Küche und einer Nasszelle sollen die vier Wohnungen einen Treppenaufgang ins Dachgeschoss erhalten, wo die Schlafbereiche untergebracht sind. Dort braucht es zusätzliche Dachlukarnen. Diese seien auf das Gebäude abgestimmt und würden «zugunsten eines ausgewogenen Erscheinungsbildes subtil in die Dachfläche integriert», so der Gemeinderat. «Obwohl das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, hat ein sanfter Umgang mit der historischen Bausubstanz eine hohe Priorität.»

Wohnungen mit flexibler Grösse

Die entstehende Wohnfläche soll in erster Line durch «den Sozialbereich» genutzt werden, heisst es weiter im Traktandenbericht. Und zwar nicht in erster Linie für Asylbewerber, sondern für Personen, die vom Sozialdienst betreut werden und für die rasch eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit gefunden werden muss. «Bis zum Um- und Ausbau der Liegenschaft Wygärtli stand dort solcher Wohnraum zur Verfügung. Seit dessen Wegfall gestaltet sich die Suche äusserst schwierig.» Es könne sich sowohl um Einzelpersonen als auch um Familien handeln – deshalb sei der Wohnraum so flexibel konzipiert. «Die Wohnungen werden bewusst in einem einfachen Standard erstellt und eingerichtet. Es ist in der Regel auch nicht vorgesehen, dass der Wohnraum von einer Person oder Familie langfristig belegt wird.»
Mit dem Projekt wurde das Aarauer Architekturbüro Thut Architekten beauftragt. Dieses rechnet mit Kosten von etwa 1,1 Millionen Franken und einer Bauzeit von rund sechs Monaten.

Deutlicher Ertragsüberschuss

An der Gemeindeversammlung ist auch die Rechnung 2017 traktandiert. Sie dürfte keinen Grund zur Beanstandung bieten: Mit einem Ertragsüberschuss von gut 1,337 Millionen Franken fällt sie um rund 1,2 Millionen Franken besser aus als budgetiert. «Zurückzuführen ist die Verbesserung hauptsächlich auf einen höheren Steuerertrag, tieferen Aufwand für Schulgelder und höhere Rückerstattungen bei der Sozialhilfe und Alimenten», so der Gemeinderat. Die getätigten Investitionen konnten ohne Fremdkapital finanziert werden.