Weltreise
«Auf einer Reise wie dieser muss man spontan sein»: Mit dem Drahtesel um die Welt

Monika Estermann und Robert Spengeler reisten mit ihren Gretzenbacher Velos 100'000 Kilometer um die Welt. Nun sind sie von ihrem Abenteuer zurückgekehrt.

Kelly Spielmann
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Monika und Robi auf Weltreise mit Aarios-Velos
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 Sie sind über 100'000 Kilometer geradelt.
 Ihre Velotour haben sie mit den in Gretzenbach hergestellten Fahrrädern zurückgelegt.
 Bei ihrer Rückkehr haben sie sich in der Fahrradfabrik Aarios für die tollen Reiseräder beim Team und Firmenpatron Arnold Ramel bedankt.
 Sie waren in Kalifornien...
 Tibet...
 ...und Lesotho.
 Bolivien
 Simbabwe
 Indien
 Indien
 Pakistan
 Sambia
 China
 Botswana
 Tansania
 Sudan
 Äthiopien

Monika und Robi auf Weltreise mit Aarios-Velos

Bruno Kissling

Am 16. Mai 2004 begann ihr Abenteuer: Mit ihren Aarios-Velos aus Gretzenbach, die sie zwei Jahre zuvor gekauft hatten, machten sich Monika Estermann und Robert Spengeler auf ihre Weltreise. Gestern fuhren sie nach ihrer langen Reise – ohne Zwischenstopp zu Hause – in Gretzenbach bei Arnold Ramel, Inhaber der Aarios AG, ein.

Mit voll beladenen Velos werden die beiden von Familie und Freunden in Empfang genommen. Kleber aus diversen Ländern sind an den Drahteseln angebracht, an jeder Seite baumeln Taschen, die Gepäckträger sind mit Kisten beladen und überall sind Wasserflaschen befestigt.

Doch eines ist an den Velos nicht auffindbar: Rost oder sonstige Schäden. Lediglich die Ständer mussten unter der Reise leiden und entfernt werden: «Die sind nach zwei Wochen wegen des Gewichts abgefallen», lacht Estermann. Doch ansonsten haben die Zweiräder Estermann und Spengeler während der gesamten Reise treue Dienste geleistet.

Aus Indien wird eine Weltreise

«Eigentlich war ja Indien unser Ziel», erzählt Monika Estermann. In einem Reisemagazin liest die damals 23-Jährige von einer Frau, die vier Jahre mit dem Velo um die Welt reiste. «Das habe ich dann nicht mehr aus dem Kopf gekriegt.» Als sie Robert Spengeler kennenlernt, schlägt sie ihm eine Weltreise mit dem Velo vor. «Er dachte, ich sei verrückt», lacht sie. Doch schon bald beginnen sie, gemeinsam für die Reise zu sparen.

Nach einigen Jahren sind sie finanziell in der Lage, die Reise zu starten. Die Velotour führt das Paar in elf Monaten durch Osteuropa, die Türkei, den Iran, Pakistan und schliesslich nach Indien. Das Ziel ist eigentlich erreicht – doch das Reisefieber hat die beiden gepackt und eine scheinbar grenzenlose Tour beginnt.

Diese führt sie ins Himalaja-Gebiet, wo sie auf über 5000 Höhenmetern vier Monate durchhalten, und anschliessend zurück nach Indien, wo sie im Süden des Landes mit einem Segelschiff nach Malaysia reisen. «Auf dem Schiff konnten wir bei der Crew mitarbeiten und dadurch gratis reisen», erklären sie.

Gelassenheit und Spontanität

Dem ersten Problem begegnen die Velofahrer in China. Sie stecken wegen eines abgelaufenen Visums fest – und das bei -20 Grad. Die Zeit in Ihren Zelten ausharrend lösen sie aber das Problem und radeln weiter durch Südostasien, China und Japan nach Südkorea. Erneut kommt ein Schiff zum Einsatz. «Wir wollten nie fliegen, denn es sollte eine langsame Reise sein», erklären sie. Auf einem Containerschiff gelangen die beiden nach Mexiko, bevor sie von dort nach Norden fahren.

Das Unausweichbare geschieht in Kanada: Estermann und Spengeler geht das Geld aus. Auf Farmen müssen sie Obst und Gemüse ernten, um die Reise durch Nordamerika weiterführen zu können – die Reise, die sie nach einem kurzen Unterbruch nach Alaska und schliesslich nach Patagonien ins südlichste Dorf der Welt führt.

«Auf einer Reise wie dieser muss man spontan sein. Die Dinge nehmen, wie sie kommen, und Probleme irgendwie zu lösen versuchen», erklärt die 45-Jährige gelassen. Sei dies eine finanzielle Notlage, ein Raubüberfall oder die Mühe, die die schwer beladenen Velos den Reisenden immer wieder bereiten. «Im Sudan mussten wir 40 Liter Wasser mitnehmen, in Bolivien mussten wir Essen für eine ganze Woche dabei haben», so Spengeler. Zu Spitzenzeiten haben die Velos je rund 80 Kilogramm gewogen.

Ein eigenes Guest House

2015, nach einer weiteren Schiffsreise von Brasilien nach Südafrika und der Velodurchquerung des Kontinents von Süden nach Norden, ist erneut kein Geld übrig. Für acht Monate müssen sie zurück in die Schweiz, um danach weiterreisen zu können. «Ich war drei Monate wie in Trance», beschreibt Estermann das damalige Erlebnis. So, wie sie sich wohl auch jetzt fühlt, nachdem die Tour sie noch zwei Jahre durch den Balkan geführt hat.

«Es ist schon seltsam, wieder hier zu sein», geben die beiden zu. Ihr neues Heim in Walterswil haben sie noch nicht gesehen. Nach dem Apéro bei Arnold Ramel in Gretzenbach fahren die Zürcher zum ersten Mal in die Niederämter Gemeinde – natürlich mit dem Velo.

Wie geht das Leben weiter, wenn man 13 Jahre in 60 Ländern unterwegs war? Das wissen Estermann und Spengeler noch nicht genau. Aber ihr Plan ist es, ein Guest House oder einen Campingplatz zu eröffnen. «Dann bringen die Reisenden uns ihre Geschichten mit», schmunzelt Estermann.