Wer sich am Sonntag aus dem Haus traute, brauchte wahrlich ein dickes Fell. Wind, Regen und Kälte liessen viele Menschen zu Hause in der warmen Stube bleiben. Dennoch haben sich rund 50 Personen in Däniken zum zweiten interreligiösen Spaziergang durchs Niederamt eingefunden. Nach der erfolgreichen Premiere vor einem Jahr war schon lange klar, dass die Veranstaltung anlässlich der Woche der Religionen erneut stattfinden sollte. An fünf Stationen in den Dörfern Däniken und Gretzenbach konnten die Besucher Beiträge zu fünf verschiedenen Religionen hören: Christentum, Judentum, Sikhismus, Buddhismus und Islam. Das übergreifende Thema des Spaziergangs war die Frage nach dem grössten Ereignis der jeweiligen Religion. Dadurch war es sehr gut möglich, gleichzeitig Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen zu erfahren. Beispielsweise, dass im Buddhismus an einem einzigen Tag die drei wichtigsten Ereignisse gefeiert werden: Die Geburt, die Erleuchtung und der Tod Buddhas, die gemäss der Überlieferung alle am gleichen Tag stattgefunden haben.

Verschiedene «Sitzkulturen»

Was vielen Schweizern neben inhaltlichen Unterschieden zudem besonders auffiel: Sowohl im Sikh- als auch im Buddhistenzentrum durften keine Schuhe getragen werden, sitzen konnte man lediglich auf dem Boden. Im buddhistischen Tempel musste zusätzlich darauf geachtet werden, nicht mit ausgestreckten Beinen dazusitzen, da so die Fusssohlen in Richtung der Buddhastatue zeigten, was als Beleidigung Buddhas aufgefasst wird. So gab es doch einige, die froh waren zum Schluss des Spaziergangs in der katholischen Kirche in Gretzenbach wieder auf Bänken sitzen zu können. Anders als man erwarten konnte, wurde dort nicht etwa das Christentum präsentiert, sondern es war ein Beitrag zum Islam zu hören. Ebenso war früher am Morgen auch der Beitrag zum Judentum in einer Kirche abgehalten worden. Dies war so, weil weder eine Moschee noch eine Synagoge in Laufdistanz der anderen Zentren steht. Der Islam und das Judentum sollten aber auch im Spaziergang vertreten sein, weshalb auf andere Gotteshäuser ausgewichen werden musste. Das machte den Spaziergang auf mehreren Ebenen interreligiös und zu einem besonderen Erlebnis.

Sich ein Bild von diesem Spaziergang machen, wollte auch Katja Joho. Sie ist Geschäftsführerin von Iras Cotis, der interreligiösen Arbeitsgemeinschaft der Schweiz, die sich als Vertreterin der verschiedenen Religionen versteht. Zusammen mit ihrem Team koordiniert sie die rund 120 Veranstaltungen, die in der ganzen Schweiz während der Woche der Religionen stattfinden.

Eine Motivation für viele der Spaziergänger war gerade der Punkt, dass sie etwas Neues sehen konnten. Der Spaziergang ist eine sehr niederschwellige Möglichkeit, Zugang zu anderen Religionen als der eigenen zu finden und Vorurteile abzubauen. So gab es viele, die aus Neugierde gekommen sind, andere waren dabei, weil ihnen der Spaziergang von Verwandten oder Bekannten empfohlen worden ist oder weil sie schon letztes Jahr dabei gewesen sind.

Nächstes Jahr wieder

Trotz dem schlechten Wetter, das einigen Schirmen das Leben gekostet hat, blickte man beim anschliessenden Apéro neben der Kirche in Gretzenbach in viele zufriedene Gesichter. Zufrieden war auch Pfarrer Wieslaw Reglinski, einer der Organisatoren: «Wir werden das auf jeden Fall nächstes Jahr wieder machen.» Auch wenn er einräumen muss, dass das Wetter wohl nie sehr toll sein wird, da die Woche der Religionen immer die erste im November ist. An Ideen mangelt es ihm jedoch nicht: «Man könnte nächstes Jahr zum Beispiel die wichtigsten Personen zum Hauptthema machen», meint er enthusiastisch.