Noch sind Sarah, Oskar oder Nico einfach nur Kinder. Noch sind Proben angesagt im aktuellen Lager des Zirkus Balloni. Bald schon aber heisst es «Vorhang auf!». Und dann schlüpfen Sarah, Oskar und Co. in die Rollen von Clowns, Akrobaten und Zauberern.
Seit Montagmorgen sind insgesamt 66 Buben und Mädchen im Alter von sechs bis elf Jahren dabei, verschiedene Zirkusnummern einzustudieren. Das Ziel: die beiden Vorführungen von Freitagabend.

Die Zirkuswoche wurde vom Schönenwerder Ferienpass organisiert, der heuer seine 25. Ausgabe feiert. «Zu diesem Anlass wollten wir den Kindern eine spezielle Woche anbieten», erzählt Conny Bieri vor dem Zirkuszelt, das extra für die Aufführungen auf der Wiese beim Sälischulhaus aufgestellt wurde. Gemeinsam mit sechs weiteren Frauen gehört sie zum Organisationskomitee des diesjährigen Ferienpasses.

Durchgeführt wird die Spezialwoche von Zirkus Balloni aus dem thurgauischen Sirnach, der sich auf Kinderevents spezialisiert hat. Vertreten ist er durch Zirkusanimator Tommy Müller: «Am Meisten gefällt mir der Moment, wenn man den Kindern ihre Begeisterung ansieht.» Müller zeigt den Kids die Nummern und steht ihnen mit Tipps und Tricks zur Seite. Vom Zirkus ist er der einzige Mitarbeiter, der in Schönenwerd anwesend ist. Unterstützung erhält er vom Ferienpass-OK und von einem halben Dutzend Helfern, die je eine Kindergruppe übernommen haben und die Nummern einstudieren: Es gibt zwei Akrobatikgruppen, die Clowns, die Zauberer, die Jongleure und die Fakire. Jeden Morgen um zehn beginnt das Programm.

Mit Ehrgeiz und Elan dabei

«Es ist nicht so schlimm, wenn noch nicht alles klappt», sagt Tommy Müller vor versammelter Mannschaft am Donnerstagmorgen. Es ist der letzte Tag, an dem die jungen Künstler Zeit haben, ihre Vorführungen einzustudieren. «Wichtig ist einfach, dass ihr wisst, wie die Nummer funktionieren müsste.» Nach einer spielerischen Darstellung des Zirkusanimators werden die anwesenden Kinder durchgezählt. Es sind alle da. Also ab ins Training.

In den Räumlichkeiten des Sälischulhauses wird denn auch fleissig geprobt. In der ersten Turnhalle trainieren die beiden Akrobatik-Gruppen (die Einen üben am Trapez, die Anderen am Boden), in der Zweiten wird mit allem möglichen jongliert. Farbige Tücher, selbst gebastelte Stäbe, kleine Diabolos und natürlich die typischen Bälle kommen zum Einsatz.

Mit einer mühelosen Leichtigkeit klettern die Mädchen der Akrobatik-Gruppe das Trapez hoch und führen Kunstwerke mit bis zu sechs Teilnehmerinnen auf. Mit dabei sind auch Paula und Lily. Die beiden Unterstufenschülerinnen zeigen, dass sie seit Montagmorgen schon vieles gelernt haben. Passend zu den akrobatischen Einlagen: Piraten-Musik aus den berühmten Kinofilmen «Fluch der Karibik».

Schmerzen sind vergessen

Finanziert wird die Zirkuswoche von Beiträgen der Kinder, Sponsoren und dem Ticketverkauf. Eigens für die beiden Vorstellungen am Abend haben die Ferienpass-Teilnehmer Eintrittskarten hergestellt. Seit Mittwoch werden sie verkauft. «Der Vorverkauf läuft sehr gut», freut sich Conny Bieri.

Die verschiedenen Vorführungssequenzen, die das Publikum am Abend präsentiert erhält, wurden einerseits vom Zirkus Balloni mitgebracht. «Wir wissen mittlerweile, welche Nummern sich bewährt haben», weiss Tommy Müller. Andererseits sei auch stets Raum für Spontanes vorhanden.

Durch das Treppenhaus schallen orientalische Klänge empor. Im Untergeschoss trainieren die Fakire für ihren Auftritt. Dabei laufen die jungen Künstler über Scherben oder stehen auf ein Nagelbrett. Zur Fakir-Gruppe gehören auch Florian und John. Die beiden führen eine Nummer auf, bei welcher John auf einem Nagelbrett steht, während es auf dem Bauch von Florian liegt. «Nein, das tut nicht so weh», meint Letzterer. Und auch wenn, spätestens beim Auftritt ist der Schmerz vergessen.