Obergösgen
Auch die Gemeinden wollen kein Militärspital

Seit fünf Monaten steht das Militärspital in Obergösgen zum Verkauf. Bisher konnte kein Käufer gefunden werden. Nun wurde es elf Gemeinden angeboten. Doch auch hier hat keiner Bedarf.

Kelly Spielmann
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Ein Blick ins Innere des alten Militärspitals Mittelgösgen.

Ein Blick ins Innere des alten Militärspitals Mittelgösgen.

zvg

Seit August des letzten Jahres steht das ehemalige Militärspital unter der Kreisschule Mittelgösgen zum Verkauf ausgeschrieben. Die Schweizer Armee habe laut Armasuisse, dem Bundesamt für Rüstung, keine Verwendung mehr dafür. Doch für das ehemalige Spital, welches über eine Fläche von 5014 m2 verfügt und rund 3,65 Millionen Franken kosten soll, scheint nicht allzu begehrt zu sein, denn auch nach fünf Monaten ist das Gebäude noch ausgeschrieben.

Wie einem Niedergösger Gemeinderatbericht zu entnehmen ist, wurde das ehemalige Militärspital der Gemeinde nun zum Kauf angeboten. So steht dort: «Auf eine Anfrage zum Kauf des Militärspitals Mittelgösgen ist der Gemeinderat nicht eingetreten. Es war nicht nachvollziehbar, für welche Verwendungszwecke das Militärspital gekauft werden sollte. Die Unterhalts- und Investitionskosten sind zudem nicht abschätzbar.»

Das zum Verkauf stehende Militärspital befindet sich in den Untergeschossen unter der Kreisschule Mittelgösgen; rechts im Bild der Eingang.

Das zum Verkauf stehende Militärspital befindet sich in den Untergeschossen unter der Kreisschule Mittelgösgen; rechts im Bild der Eingang.

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Auch die Standortgemeinde Obergösgen hat das Angebot erhalten. «An einer Gemeinderatsitzung haben wir das Thema kurz angeschnitten, es aber nicht weiterverfolgt. Die Gemeinde hat dafür keinen Bedarf», so Gemeindepräsident Christoph Kunz.

Kein Kaufantrag

Philipp Graber, Stabschef des Regionalen Führungsstabs Niederamt (RFSN), stimmt der Aussage, man habe den Gemeinden ein Kaufangebot unterbreitet, nicht zu: «Das stimmt so nicht ganz. Das Angebot, welches die Gemeinden von uns erhielten, war kein Kaufantrag», erklärt er.

Dem RFSN sei es lediglich wichtig, dass das ehemalige Militärspital nicht an einen Privateigentümer ginge, daher die Kontaktaufnahme mit den Gemeinden. «Wir haben aus der Zeitung davon erfahren, dass die Anlage verkauft wird, allenfalls auch an eine Privatperson. Wir sind der Meinung, dass eine solche Anlage nicht aus der öffentlichen Hand gegeben werden sollte», so Graber. Deshalb habe der RFSN Berechnungen zum Unterhalt und andere Schätzungen gestartet.

Zukunft noch ungewiss

Bevor in das Projekt jedoch zu viel Zeit investiert würde, habe man abklären wollen, ob überhaupt jemand interessiert sei. Daher hat sich der RFSN in der regionalen Bevölkerungsschutzkommission eingebracht und abgeklärt, wie die verschiedenen Gemeinden die Lage sehen.

Nicht nur Niedergösgen, sondern auch die neun anderen Vertragsgemeinden des RFSN – Däniken, Eppenberg-Wöschnau, Gretzenbach, Lostorf, Rohr, Schönenwerd., Stüsslingen, Walterswil und Winznau – seien angefragt worden. Die Anfrage sollte laut Graber lediglich dazu dienen, herauszufinden, ob der RFSN das Projekt weiterverfolgen und ausarbeiten soll, oder ob die Gemeinderäte daran kein Interesse haben. Ein Kaufantrag sei hingegen noch kein Thema gewesen.

Eine Präsentation der RFSN, welche dieser Zeitung vorliegt, zeigt auf, wie bei den Gemeinden für das Militärspital geworben wurde. «Militärspital KSMG – Eine Überlegung wert?!» steht gross auf der ersten Folie geschrieben, darüber ist das Logo des RFSN zu sehen. Und tatsächlich steht in der Präsentation nichts von einem Kaufantrag. Auch hier geht es lediglich darum, zu «prüfen, ob Interesse für die Bildung einer Trägerschaft besteht.»

Weiter wird aufgezeigt, wofür das alte Militärspital genutzt werden könnte. Ein Gemeindearchiv, Lagerräume, Schulungsräume und ein unterirdisches Übungsgelände sind nur einige der Ideen, die der RFSN den Gemeinden unterbreitet. Es wird erklärt, dass eine «Trägerschaft, bei der die öffentliche Hand die Mehrheit hält», ihre Vision sei und dass es sich bei der Anlage um eine «einmalige Chance» handelt, welche man nicht verpassen sollte. Alles in allem präsentiert der RFSN das Militärspital Mittelgösgen in einem guten Licht.

Doch wie reagierten die Gemeinden auf die Anfrage der RFSN? «Durchs Band negativ», antwortet Philipp Graber. Keine der angefragten Gemeinden habe sich für eine allfällige Trägerschaft interessiert, zur Weiterführung des Projekts durch den RFSN sei kein Auftrag eingegangen.

Die Gründe dafür sieht der Stabschef vor allem in den Kosten: «Es sind wahrscheinlich finanzielle Gründe, weshalb sich niemand für die Anlage interessiert. Ausserdem weiss man nicht, wie teuer der Unterhalt ausfallen würde.» Wie die Zukunft des Militärspitals Mittelgösgen aussieht, ist momentan noch unklar.