Dulliken

«Art of Dance»: Kostendruck der Coronakrise zwingt erste Tanzschule in der Region zu schliessen

Hier wurde noch getanzt – Kinder an einer Aufführung der von Tina Hauri gegründeten Tanzschule Art of Dance.

Hier wurde noch getanzt – Kinder an einer Aufführung der von Tina Hauri gegründeten Tanzschule Art of Dance.

Im Jahr 2006 gründete Tina Hauri «Art of Dance». Nach dem Lockdown öffnet die Tanzschule in Dulliken nicht mehr.

«Wir bleiben leider für immer geschlossen!» Dieser Satz ist aktuell auf der Website der Tanzschule Art of Dance in Dulliken zu lesen. Und weiter: «Leider hat die Tanzschule die Coronakrise nicht überstanden. Die Schule kann den Betrieb am 8. Juni 2020 nicht wieder wie geplant aufnehmen.» Auch auf Facebook bringen ehemalige Schüler und Schülerinnen ihr Bedauern zum Ausdruck. So schreibt eine Userin: «Das tut mir wirklich leid für das gesamte Team. Alles Liebe und Gute allen», und eine andere Person schreibt: «Durch euch habe ich die Leidenschaft zum Tanzen entdeckt. Dankeschön.»

Auf Anfrage sagt Inhaberin Tina Hauri: «Dieser Schritt fällt mir sehr schwer, doch der finanzielle Druck wurde zu gross.» Während Hauri für alle neun angestellten Lehrerinnen während des Lockdown Kurzarbeit beantragen konnte, blieben alle anderen Einnahmen aus Kursen und Aufführungen gänzlich aus. Fast drei Monate lang. In dieser Zeit fielen Miet-, Heiz- und andere Nebenkosten wie Versicherungen an. «Wir haben die Situation im kleinen Team gedreht und gewendet, aber am Schluss gab es keine andere Lösung, als die Schule zu schliessen», sagt Hauri. Sie muss für «Art of Dance» Konkurs anmelden.

In normalen Zeiten knapp über Runden gekommen

Hauri führt aus: «Mit der Schule bin ich jeweils am Ende des Monats knapp über die Runden gekommen.» Eine Tanzschule zu führen eigne sich nicht, um Geld zu sparen. Vielmehr sei es ein Engagement aus Leidenschaft. Die Nachricht vom Ende der Schule hat Hauri den Mitgliedern und Kunden diese Woche mitgeteilt: «Ich habe rund 400 E-Mails verschickt. Darunter befinden sich auch viele Paare, die zusammen zu unseren Kunden zählten.» Inklusive Kinderklassen rechnet Hauri mit rund 600 von der Schliessung betroffenen Tänzerinnen und Tänzern.

Vor 14 Jahren startete Hauri ihr Projekt in einem Raum in Olten. Damals mietete sie sich wöchentlich für eine Stunde ein. Sie baute die Tanzschule weiter aus. Nach zwei Wechseln konnte sich die Schule zuletzt im grossen Gebäude einer ehemaligen Schreinerei mit drei Tanzsälen einmieten, dem Pfulggebäude an der Niederämterstrasse 20 in Dulliken.

Recherchen dieser Zeitung zeigen, dass die Firma Rogasa AG mit Sitz in Aarau Besitzerin der Liegenschaft ist. Das Unternehmen gibt auf Anfrage bekannt: «Wir zeigten uns gegenüber der Mieterin zu Beginn des Lockdowns bezüglich der Mietkosten gesprächsbereit. Diese ist in der Folge nicht darauf eingegangen. Dass die Schule schliessen muss, war uns nicht bekannt. Hauri sagt dazu: «Es bestanden zu viele Unsicherheiten. Die Vermieterin hat erst in einem zweiten Schritt Hand zum Gespräch geboten.» Ein blosser Aufschub der Mietkosten wäre für Hauri keine Entlastung gewesen, sondern lediglich ein Hinauszögern. Zudem häuften sich die zusätzlichen monatlichen Fixkosten. Das Ende der Coronakrise und deren Folgen war nicht absehbar. So fiel «schweren Herzens» der Entscheid, einen Schlussstrich zu ziehen.

Viele Tanzschulen nah an der Schwelle zum Konkurs

Titus Capaul ist Präsident vom Verband swissdance mit rund 300 Einzelmitgliedern von 100 Tanzschulen in der Schweiz. Capaul sagt: «Die Tanzschule Art of Dance ist die erste mir bekannte, die aufgrund der Folgen von Corona schliessen muss.» Andere Schulen befinden sich aber an der Schwelle eines Konkurses. Die meisten davon sind Einzelfirmen, die nicht auf ein solches Szenario vorbereitet waren. «Nur wenige sind als AG oder GmbH organisiert. Für diese war es leichter, die Folgen abzufedern.» Der Frühling ist für die Schulen zudem entscheidend: «In diesen Monaten müssen die Tanzschulen eigentlich das Einkommen für die Ferienmonate Juli und August generieren.» Capaul befürchtet weitere Schliessungen. «Die Saalmieten sind teuer. Wenn Vermieter nicht darauf verzichten, ist es fast unmöglich, die Kosten über drei Monate ohne Einkommen zu stemmen.» Capaul wünscht sich von Vermietern etwas mehr Weitsicht: «In einer Zeit wie dieser wird es für die Eigentümer schwierig, teils langjährige Mieter wie Tanzschulen einfach zu ersetzen.» Auch Capaul betont: «Eine Tanzschule zu führen ist eine Herzensangelegenheit. Man tanzt nicht wegen des Geldes.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1