Solothurner Förderpreis

Animationsfilmerin aus Kienberg: «Das Zeichnen ist meine Sprache»

Marion Nyffenegger erschafft aus ihren Zeichnungen Filme. Dafür erhält sie nun den Solothurner Förderpreis. Bereits jetzt hat sie schon nächste Projekte im Kopf.

Tausende Bilder hat Marion Nyffenegger gezeichnet. Schwarze Kohle auf weisses Papier. War ein Bild fertig, hat sie es abgelichtet, ausradiert und mit dem nächsten begonnen. Stück für Stück, Bild für Bild entstand so in den vergangenen neun Monaten das Material für ihre Bachelorarbeit: ein Animationsfilm – mit dem Titel «Das Leben ist eines der leichtesten».

Insgesamt 5 200 Bilder hat die 23-Jährige dann am PC aneinandergehängt, ein Film über rund 7,5 Minuten entstand — im Rahmen ihres Studiums in Animationsfilm an der Hochschule Luzern. «Das Zeichnen wird mir nie langweilig», erzählt die Kienbergerin. Die administrativen Arbeiten und das digitale Nachbessern hingegen schon. «Dazu fehlt mir die Geduld.» Das Projekt habe sie zudem langsam aber sicher durchgekaut. «Es ist jetzt an der Zeit, dass es weiter geht.» Da trifft es sich gut, dass sie ihre Arbeit in zwei Wochen abgeben muss.

«Eine schöne Anerkennung»

Bevor die Studentin jedoch in den Abschluss-Feierlichkeiten versinkt, macht sie noch einen Ausflug nach Dornach. Dort bekommt sie den diesjährigen Förderpreis Film des Kantons Solothurn. Was ihre dieser bringe, das wisse sie noch nicht so genau. Das werde sich wohl noch zeigen. «Aber es ist sicher eine schöne Anerkennung und eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.»

Eines von Nyffeneggers früheren Werken: ihre Maturaarbeit.

Darüber hinaus bringt der Preis stolze 15'000 Franken. Etwas Kleines gönne sie sich damit schon. Etwa Ferien vielleicht. Den Grossteil werde sie aber auf die Seite legen. Und einsetzen, sobald sie ein passendes Projekt vor Augen hat.

3D oder «Virtual Reality»

Denn Projektideen hat die junge Frau viele. Sie sprudelt nur so davon. Vielleicht wird sie nach dem Studium einen weiteren Animationsfilm erschaffen. Vielleicht wird es etwas im Bereich 3D oder «Virtual Reality» sein. «Ich habe richtig Lust, alles was ich gelernt habe, jetzt einzusetzen», erzählt sie. Auf welche Art auch immer, für Nyffenegger wird es auf alle Fälle im Film-Business weitergehen.

Dass sie diesen Weg beschreiten würde, das habe sich aber keineswegs abgezeichnet. Aufgewachsen ist sie in Kienberg. Eine kleine, ja beschauliche Gemeinde. Oder «ein Ort, an dem man Zeit hat, seine eigenen Kämpfe auszufechten», wie sie es selber ausdrückt. Auf Film getrimmt wurde sie nie. Dafür liebte sie es schon immer, zu zeichnen.

«Witzig, dass ich hier gelandet bin»

In der Kanti ging es einmal mit der Klasse nach Basel ins Cartoon-Museum. Ein erstes Mal mit dem Thema Animation konfrontiert, schlug sie ihrem Lehrer vor, dass sie mit ihren Zeichnungen doch so etwas machen könnte. Erst im Nachhinein hat sie dann erfahren, dass ihr Kunstlehrer sich selber einst zwischen einem Animationsstudium und dem Lehrerberuf entscheiden musste. Seither hat er sie immer in diese Richtung gepusht. «Eigentlich ist es witzig, dass ich hier gelandet bin», sagte sie heute.

«Hier», das ist für Nyffenegger momentan noch ein winziges Studio an der Hochschule in Luzern. Eine Kamera, zwei Lampen, stapelweise Papier und Kohle. Und eine Computertastatur, von ihren Kohle-Händen mehr schwarz als weiss. Die IT-Abteilung sei «mega hässig» gewesen, als sie das gesehen habe, sagt Nyffenegger lachend. Aber die Kunst ist nun mal ihres. «Ich liebe es, die Kohle in den Händen zu halten. Zu hören, wie das Papier raschelt. Das ist so schön. Ich liebe das Zeichnen. Es ist meine Sprache, in der ich mich ausdrücken kann.»

Wer bin ich?

Und was will sie in dieser Sprache ausdrücken? Über diese Fragen denkt Nyffenegger lange nach, bevor sie antwortet: «Keine Ahnung. Ich glaube, ich möchte kreativ meine Gedanken ausdrücken. Die sind so komplex und verschwimmen ineinander, dass ich selber nicht so recht weiss, was richtig und was falsch ist. Ich hoffe, mit dem Film wird mir das etwas klarer.» Oder vielleicht mit dem Feedback von Zuschauern zu ihrem Werk. Als wäre der Film ein Teil ihres Hirns, den sie anderen zeigen würde. «Hier. Schau mal. Und nun sage mir, wie ich funktioniere.»

Und was für Antworten hat sie auf diese Frage bisher bekommen? «Überraschenderweise verstehen die Leute meine komischen, verstrickten Sachen.» Das sei ein «mega schönes» Gefühl. «Als wäre ich mit allem verbunden. Das macht richtig selig. Aber vielleicht bin ich auch einfach in einer euphorischen Phase. Weil ich am Ende meines Studiums bin.»

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