Brav trotten die drei Kleinen ihrer Mutter hinterher. Der Lostorfer Roman Guldimann lotst die kleine Familie in die Pausenhalle des Schulhauses Niedergösgen. Die Mutter führt er an einem Strick. Beim Nachwuchs ist das nicht nötig, er vertraut darauf, dass sie ihrer Mutter bedingungslos folgen. Kaum haben die vier die Halle betreten, stürmen die ersten Kinder heran. «Oh lueg, Mami. Drei Baby-Geissli», ruft ein Junge verzückt.

Guldimann bringt die Geissen-Familie im kleinen Gehege in einer Ecke der Halle unter. Um ihn herum hat sich eine Kinderschar versammelt: «Dürfen wir rein zu den Geissli? Bitte, bitte!» Augenblicke später tollen die Kinder und die kleinen Geissen vergnügt durch das ausgelegte Stroh.

«Aussterbendes Hobby»

Gerade für die kleinen Besucher ist die 28. Jungtierschau in Niedergösgen voller Überraschungen. Organisiert wird der Anlass vom Verein für Tier- und Naturfreunde Niedergösgen (VTN). Thomas Peier, der Lostorfer ist Aktuar beim VTN, erklärt den Anlass: «Ursprünglich lag der Sinn darin, dass der Verein so Geld verdienen konnte. Heute wollen wir einzig Werbung für uns machen.» Denn – wie viele andere Vereine in der Region auch – ist der VTN überaltert.

Peier ist schon lange Mitglied im Verein, «seit ich etwa 13 Jahre alt war». «Es ist sehr schade, aber die Kaninchenzucht oder auch Haltung sind aussterbende Hobbys», so Peier.

Pfadi sorgt für leibliches Wohl

Unterstützung bekommt der Niedergösger Verein von der Pfadi Gösgen. Diese übernimmt das Beizli in der einen Hallenhälfte und sorgt so für das leibliche Wohl der Jungtierschaugäste. OK-Präsidentin Larissa Morger sagt: «Wir sind nun das dritte Mal dabei und es lohnt sich.» Denn neben den Jahresbeiträgen der Pfadi-Mitglieder sei dieser Anlass im Frühling die Haupteinnahmequelle.

Während die Pfadi-Leiter Würste braten und Kaffee servieren, treffen die letzten Ausstellungstiere in der Halle ein. Roger Steger aus Erlinsbach SO kann auf die Hilfe seiner Kinder zählen: Zusammen schleppen sie drei grosse Holzkisten rein.

Zwischen sechs und acht Kilogramm schwer

Darin verstecken sich sechs kleine Kaninchen und ihre Mutter. «Weisse Riesen» heisst diese Rasse. Steger züchtet sie seit 30 Jahren. Bei der Jungtierschau in Niedergösgen ist er aber zum ersten Mal dabei. «Ich möchte den Besuchern diese seltene Rasse zeigen», erklärt der Erlinsbacher.

Gerade mit ihrer Grösse, ein ausgewachsenes Kaninchen dieser Rasse wiegt zwischen sechs und acht Kilogramm, und dem weissen Fell kämen die Tiere gut an. Zu Hause hat die Familie Steger insgesamt 33 «weisse Riesen». Ihre Kaninchen bringen sie regelmässig an Ausstellungen, an denen die Tiere bewertet werden.

Steger selbst ist Mitglied im Verein für Tier- und Naturfreunde Erlinsbach. Er sei an die Ausstellung in Niedergösgen gekommen, um dem Verein hier auszuhelfen. Denn: «Als ich vor 30 Jahren angefangen habe, waren wir 25 aktive Züchter. Heute sind wir noch zu dritt», so Steger. Und zwei davon seien bereits über 90 Jahre alt.

Was passiert mit dem Nachwuchs?

VTN-Mitglied Peier stellt selbst gleich mehrere Kaninchen in Niedergösgen aus. Seine Rasse heisst: «Tschechische Schecke». Die schwarzen Tupfen auf dem sonst weissen Fell sind ihr Markenzeichen. Noch ist der Nachwuchs zu klein, um verkauft zu werden. Trotzdem weiss Peier jetzt schon: «Ich kann nie alle behalten. Wenn ich keinen Käufer finde, dem ich die Tiere mit gutem Gewissen geben kann, dann metzge ich sie.»

Eine Lösung, die für Peiers Tochter nicht infrage kommt: Flavia Peier stellt nämlich ebenfalls einige Kaninchen der Rasse «Kleinrex» aus. Auch sie haben zahlreichen Nachwuchs geworfen: «Sie möchte sie aber alle verkaufen können. Das Metzgen bringt sie nicht übers Herz», sagt Peier.

Immer wieder ertönt ein aufgeregtes «Lueg» in der Halle. Während die Eltern an den Festbänken sitzen und Kaffee trinken, können die Kinder gar nicht genug bekommen von den Schildkröten, den Brieftauben, den Kaninchen, den Geissen oder den Seidenhühnern. Die Werbung für die Kleintiere und für den Verein schien gelungen. Peier vom VTN zeigt sich zufrieden: «Es kamen über das ganze Wochenende hinweg zwischen 800 und 1000 Besucher.»