Gretzenbach
Am Regierungsratspodium ging es ums Niederamt, USR III – und Gemüse

Acht Kandidierende traten am Montagabend zum Regierungsratspodium an – die drei Bisherigen Remo Ankli, Roland Heim und Roland Fürst sowie die fünf Neukandidierenden Susanne Schaffner, Brigit Wyss, Nicole Hirt, Manfred Küng und Marianne Meister.

Kelly Spielmann
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Die Kandidierenden (v.l.) Roland Heim, Brigit Wyss, Nicole Hirt, Manfred Küng, Remo Ankli, Marianne Meister, Susanne Schaffner, Roland Fürst und Moderator Philipp Felber.

Die Kandidierenden (v.l.) Roland Heim, Brigit Wyss, Nicole Hirt, Manfred Küng, Remo Ankli, Marianne Meister, Susanne Schaffner, Roland Fürst und Moderator Philipp Felber.

Bruno Kissling

Die Vorteile eines Kohlrabi? Seine Vielfältigkeit zeichnet ihn besonders aus, roh oder gekocht ist er geniessbar. Womit punktet der Rettich? Auch wenn er etwas hartnäckig ist, ist er vielseitig einsetzbar, und weist dabei eine gewisse Schärfe auf.

Man könnte meinen, es handle sich beim Event, welcher am Montagabend in der Aula des Schulhauses in Gretzenbach stattfand, um eine Gemüsemesse. Dies war jedoch nicht der Fall: Acht Kandidierende traten an diesem Abend zum Regierungsratspodium an – die drei Bisherigen Remo Ankli, Roland Heim und Roland Fürst sowie die fünf Neukandidierenden Susanne Schaffner, Brigit Wyss, Nicole Hirt, Manfred Küng und Marianne Meister.

Zu Beginn der Veranstaltung erteilte Moderator Philipp Felber den Kandidaten den Auftrag, sich symbolisch durch eine Gemüsesorte vorzustellen. Eine Gemeinsamkeit hatten Randen, Karotten und Co.: Fast alle Kandidierenden betrachteten sich selber als bodenständiges und vielseitiges Gemüse.

Remo Ankli war mit der Wahl seiner Parteikollegin Marianne Meister sichtlich unzufrieden – die Kartoffel öffne die Augen schliesslich erst, wenn sie im Dreck liegt – und pries sich selber kurzerhand humorvoll als Kohlkopf an.

Zeit für Frauen?

Das Gemüse beiseitegelegt, konnte es mit den politisierenden Themen beginnen. Zur Diskussion über die Vertretung der Regionen in der Regierung äusserten sich die Kandidaten zum Niederamt. Denn dadurch, dass Esther Gasslers Sitz frei wird, ist das Niederamt nicht mehr im Regierungsrat vertreten.

Nicole Hirt, welche Gretzenbach zum ersten Mal besuchte, erklärte beispielsweise, dass das Niederamt als «Randregion des Kantons» in Grenchen kaum wahrgenommen werde.

Dass im Regierungsrat alle Regionen vertreten sind, sei für sie eher unbedeutend. Auch Remo Ankli betonte dies: «Es kann nicht immer jede Region in der Regierung vertreten sein», so Ankli. Ebenfalls als Quotengegner äusserte sich Roland Fürst in Bezug auf das Thema der Geschlechterverteilung im Regierungsrat: «Ich hätte gerne zwei Frauen in der Regierung, von mir aus auch drei. Aber es geht darum, gute Kandidaten zu wählen, und nicht darum, nach Geschlecht zu wählen», erklärte Fürst seine Meinung.

Neben der Vertretung der Gesellschaft im Regierungsrat wurde bezüglich des Niederamts auch der aktuellen Situation rund um den Kernkraftwerk-Steuerverteiler viel Aufmerksamkeit gewidmet. Manfred Küng, Gemeindepräsident in Kriegstetten, kann die Konsequenzen, die man in Däniken getroffen hat, in Anbetracht des neuen Finanzausgleichs nachvollziehen: «Wenn ich in dieser Situation gesteckt hätte, hätte ich mir auch überlegt, wie ich meiner Gemeinde helfen kann», äusserte er sich.

Solothurn First?

Doch nicht nur die Region kam am Regierungsratspodium zum Zug, auch überregionale und internationale Themen wurden behandelt. Für viel Diskussionsstoff sorgte die Unternehmenssteuerreform III auch noch eine Woche nach der Abstimmung.

Die Kandidierenden waren sich in einem Punkt einig: Obwohl der Ball jetzt beim Bund liege, dürfe man die Hände nicht in den Schoss legen und nichts tun. Gespräche mit dem Bund und den Kantonen seien wichtig, einheitliche Lösungsvorschläge konnten an diesem Abend jedoch keine gefunden werden.

Zum Schluss wurde eine Thematik behandelt, um welche man momentan nicht herumkommt: Vertrauen in die Regierung in Zeiten von Figuren wie Trump. «Die Geschichte mit Trump darf nicht überbewertet werden», äusserte sich Manfred Küng und verteidigte sogleich Silvio Jeker, Parteipräsident der SVP Solothurn, welcher mit seinem Slogan «Solothurn First» auf Trumps «America First» anzuspielen scheint: «Es ist seine Zielsetzung, Solothurn voranzubringen», so Küng. Gegensätzlich dazu äusserte sich Susanne Schaffner: «Ich setze mich für die Menschen ein, die schauen müssen, wie sie mit ihrem Budget durchkommen. Das ist das Gegenteil der Trump-Politik», so die SP-Kandidatin.