«Hopp Chappu, hopp Chappu», rufen die Männer des MTV Kappel über das Spielfeld. Das Anfeuern treibt uns, den D/FTV Kappel, zu Höchstleistungen an. Nach jedem geworfenen Korb zollen sie Applaus, jeder gefangene Ball wird mit einem freudigen «Ooh» kommentiert. Meine Kameradinnen und ich geben unser Bestes, rennen, so schnell wir können und versuchen, in der Disziplin «Fit+Fun» am Kantonalturnfest in Gösgen möglichst viele Punkte zu sammeln.
Sechs Spiele absolvieren wir. Sie erfordern nicht nur sportliches Geschick, sondern auch etwas Köpfchen.

So sind die Abläufe streng vorgegeben: In exakt vorgezeichneten Feldern findet die Ballübergabe statt. Weder mit Haut noch Haar darf man die Pfosten berühren, um die man herumlaufen muss. Nur gerade mal zwei beziehungsweise drei Minuten dauern die verschiedenen Spiele. Da gerät die ein oder andere Turnerin schnell einmal unter Zeitdruck. Die vielen Zuschauer machen nervös, keine will einen Fehler begehen. Bei so viel Druck vergisst einer schnell das monatelang Einstudierte, schon fliegt ein Ball weit über das Feld hinaus oder der Moosgummi-Ring landet nicht über dem Stecken, sondern irgendwo daneben.

Aber auch wenn nicht alles genau nach Plan läuft und auch wenn wir an diesem Samstag wohl keine neuen Rekorde aufstellen: Jede Spielerin feuert die andere an. Nach Ablauf der vorgegebenen Zeit wird abgeklatscht, ein «Gut gemacht» geht an jede Turnerin. Denn schliesslich sind wir mit dabei, weil wir vor allem Spass haben wollen.

Kantonalturnfest, 23.6.2018

Kantonalturnfest in Obergösgen

Reges Treiben im Sanitätszelt

Frühmorgens bereits mit dem Shuttle-Bus angereist sichern wir uns zuerst einen der Bänke auf dem Festgelände, das zu dieser Zeit noch relativ leer ist. Andere Turner tun es uns gleich und trinken gemütlich einen Kaffee, einzelne sind bereits beim Bier angelangt, fast alle streichen sich noch mit Sonnencreme ein. Die ersten haben bereits mit den Wettkämpfen gestartet, Schiedsrichter und Helfer sind schon im Einsatz. Nach einem kurzen «Zmorge» drehen wir eine Runde über das Gelände.

Auf einem der hinteren Felder übt sich der TV Gunzgen im Weitwurf, im einen Zelt gibt der STV Laupersdorf unter tosendem Applaus seine Aerobic-Performance zum Besten. Wo immer wir auch hingehen, sehen wir motivierte Sportler und deren Freunde und Familien, die jeweils lautstark anfeuern.

Reges Treiben herrscht auch im Sanitätszelt. «Glücklicherweise nichts Schlimmes», gibt eine Sanitäterin Auskunft. «Aber wir hatten sicher bereits über hundert Fälle.» Hauptsächlich seien es kleinere Sportverletzungen gewesen, Prellungen oder Schürfungen. «Aber aussergewöhnlich viele kamen mit Splitter zu uns. Scheint die Tribüne gewesen zu sein.» Das Holzgestell, das tatsächlich so aussieht, als würden sich die Holzsplitter gerne in das Sitzpolster bohren, werden wir also sicherlich meiden. «Immerhin gab es bis jetzt noch keine Vorfälle wegen Alkohol», fügt die Sanitäterin an und lacht. «Abwarten.»

Party überall auf dem Gelände

Auch wir haben uns nach der Anstrengung der Spiele und bei all der Hitze ein Bier verdient. Überall auf dem Festgelände wird derzeit angestossen, selbst wenn erst früher Nachmittag ist. So ist das eben an einem Turnfest, lasse ich mir sagen. Zuerst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Und dieses besteht am Kantonalturnfest zwar nicht nur aus Alkohol, aber es gehört eben doch ein wenig dazu.

Kaum ist die Sonne untergegangen, fängt die Party an. Während es die Band «Vondüü» in der Festhalle krachen lässt, legt DJ Roger Brogli im Party-Zelt auf. Auf der Leinwand in der Mitte des Geländes läuft ein WM-Spiel, Hunderte fiebern mit. Mittlerweile sind beinahe gleich viele Besucher wie Turner anwesend. «Esch geil do», schreit einer über den dröhnenden Bass hinweg. Er wollte eigentlich lieber an eine Party in Zürich, sagt er mir. Seine Kollegen hätten ihn aber «überschnorret». Er bereue es nicht: «So ein Turnfest kann ja richtig abgehen.» Und wer weiss, nachdem er jetzt Turnerluft geschnuppert hat, wird man auch ihn im nächsten Jahr am eidgenössischen Turnfest in Aarau wiedersehen.

Unterdessen ist bereits nach Mitternacht und wir hüpfen auf den Bänken in der Festhalle auf und ab, liegen uns in den Armen und singen lauthals zu «W.Nuss vo Bümplitz» mit. Hauptgrund für diesen Anlass ist zwar schon der Sport, aber die Liebe zum Turnen verbindet eben auch auf einer ganz anderen Ebene.

Die Ranglisten vom Turnfest gibt es hier