In Schönenwerd kann eine weitere Grossüberbauung realisiert werden: Auf dem zentrumsnahen Lindenareal – an der Bahnhofstrasse, zwischen Restaurant Linde und Bahnlinie – sind zwei bis zu fünfgeschossige Baukörper mit 45 Wohnungen geplant.

Ende November hat der Gemeinderat den Teilzonen- und Gestaltungsplan Lindenareal beschlossen, nachdem die Beschwerde eines Nachbarn Ende Juli zurückgezogen worden war. Mit der abschliessenden Genehmigung durch den Regierungsrat ist in den ersten Monaten des Jahres 2017 zu rechnen.

Auftraggeber der Planung ist die Rhomberg Bau AG (St. Gallen). Diese ist Teil der in den Bereichen Bau, Bahntechnik und Ressourcen tätigen, österreichischen Rhomberg-Gruppe, die ihren Stammsitz bis heute in Bregenz hat. Das Projekt Lindenareal wird vom Rhomberg-Standort in Aarau aus betreut.

Baubeginn im Herbst angestrebt

Rhomberg will im Frühling 2017 das Baugesuch einreichen und erhofft sich eine schnelle Baubewilligung bis im Sommer. Die Genehmigung des im Februar/März 2015 öffentlich aufgelegten Gestaltungsplans hatte sich infolge der Beschwerde etwas in die Länge gezogen. «Voraussichtlich werden wir im Herbst 2017 mit dem Bau beginnen», erklärt Siegfried Frank, Leiter Projektentwicklung Schweiz bei Rhomberg in St. Gallen.

Frank stellt klar: «Beim Lindenareal sind wir Entwickler und Totalunternehmer. Im Frühling 2017 werden wir für das Projekt einen Investor suchen.» Für die Bebauung war 2013 ein Architekturwettbewerb durchgeführt worden, den das Büro Gautschi Lenzin Schenker Architekten (Aarau) gewann.

Der vom Gemeinderat verabschiedete Gestaltungsplan Lindenareal spricht von etwa 50 Wohneinheiten mit 2,5-, 3,5- und 4,5-Zimmer-Wohnungen. Nach Auskunft von Siegfried Frank wurde das Projekt leicht redimensioniert, aktuell sind 45 Wohnungen vorgesehen. Die zwei Baukörper bilden zusammen einen Innenhof.

Der L-förmige Baukörper 1 schliesst diesen mit Bäumen bepflanzten Platz gegen die Bahnlinie und die Bahnhofstrasse ab. Die Zufahrt zum Areal erfolgt ausschliesslich über die Bahnhofstrasse und nicht über die Oltnerstrasse. Vorgesehen ist eine Einstellhalle mit 44 Parkplätzen, dazu 5 oberirdische Besucherparkplätze.

Ein Viertel mit 120 Wohnungen

Das Areal liegt in etwa 200 Metern Distanz vom Bahnhof Schönenwerd und schliesst südwestlich an den alten Dorfkern an der Oltnerstrasse an. Wie die vor gut einem Jahr eröffnete neue Überbauung «Im Park» liegt das Lindenareal zwischen Oltnerstrasse und Bahnlinie.

Mit zusammen rund 120 Wohnungen lassen diese beiden Überbauungen am Ortseingang von Gretzenbach her ein ganz neues Quartier der Gemeinde Schönenwerd entstehen. Zu Recht heisst es im Gestaltungsplan: «Für durchfahrende Züge ist die Überbauung Lindenareal ein ‹kleines Tor zu Schönenwerd›.» Es werde darum Wert auf eine attraktive Fassadengestaltung gelegt.

Plan der Überbauung Lindenareal zwischen Bahnlinie (links) und Oltnerstrasse (rechts): Der winkelförmige Baubereich 1 schirmt den Innenhof gegen Bahnlinie und Bahnhofstrasse ab; der Baubereich 2 kommt hinter die heutige Avia-Tankstelle zu liegen. Links unten (hellgrau) ist der Beginn des langgezogenen Baukörpers der benachbarten Überbauung Im Park zu erkennen.

Plan der Überbauung Lindenareal zwischen Bahnlinie (links) und Oltnerstrasse (rechts): Der winkelförmige Baubereich 1 schirmt den Innenhof gegen Bahnlinie und Bahnhofstrasse ab; der Baubereich 2 kommt hinter die heutige Avia-Tankstelle zu liegen. Links unten (hellgrau) ist der Beginn des langgezogenen Baukörpers der benachbarten Überbauung Im Park zu erkennen.

Erinnerung an den «Jurablick»

Vor hundert Jahren war dieses Gebiet durch die von Eduard Bally-Prior, dem ältesten Sohn des Schuhfabrikgründers Carl Franz Bally, 1874 erbaute Villa Jurablick geprägt. Diese wurde 1966 abgebrochen und durch das heute ebenfalls verschwundene Bally-Lehrlingsheim ersetzt.

Übrig geblieben aus der Zeit des «Jurablicks» sind das Museum an der Oltnerstrasse (erbaut 1909, ehemals Mineralienmuseum Bally-Prior, heute Schweizerisches Zündholzmuseum) und ein ansehnlicher Teil des Parks mit altem Baumbestand.

An dieses Parkareal grenzt das Lindenareal an. «Das Prinzip des Grünfilters zwischen Bebauung und der Eisenbahnlinie wird erhalten», heisst es zur Umgebungsgestaltung im Gestaltungsplan, und: «Durchblicke auf den Jura und die Schlosskirche von Niedergösgen sind zu ermöglichen.»