Es ist so etwas wie heiliger Ernst, mit dem «Tätschmeister» Max Müller an diesem Morgen durch die Mehrzweckhalle in Niedergösgen führt. Rund zwanzig Männer sind mit Aufbauarbeiten beschäftigt, bis abends um sechs soll alles fertig sein.

Alles, das heisst: Modelleisenbahnanlagen verschiedener Spurweiten, bestehend aus über 150 Modulen und einer Gleislänge von 450 Metern. Der Unbedarfte versteht erst einmal Bahnhof. Aber Max Müller hat Geduld, sein Hobby ist keine Spielerei, dahinter steckt schon mehr, das möchte er verstanden wissen.

Auch diese 12. Modelleisenbahn-Ausstellung, die die Modul-Eisenbahner des Elternvereins Niedergösgen heuer ausrichten, sei «ein Riesenaufwand». Müller hat den Aufwand aller Beteiligten ausgerechnet: 280 Stunden zum Anliefern, Aufstellen und Inbetriebsetzen der Anlagen; das alles für 13 Stunden Ausstellung.

«Aber die Kinder sind immer wieder begeistert, es lohnt sich», ist er überzeugt. Und nicht nur die Kinder. Der 63-Jährige hat zu Hause selbst ein ganzes Eisenbahnzimmer eingerichtet. Und auch die übrigen Vereinsmitglieder: «Schauen Sie in die Runde – die meisten von uns gesetzte Herren.»

Vom Grossvater angesteckt

Überhaupt sei es mit dem Nachwuchs schwierig «in der heutigen Zeit». Immerhin, ein paar Burschen in den Zwanzigern, von der Bahnleidenschaft infizierte Söhne und Enkel, sind oben auf der Galerie am Werk. Patrik aus Wangen etwa, 25, wie alle hier seit Kindstagen vom Virus erfasst, sein Grossvater steckte ihn an.

Ihm gehört auch der Original-Lokführerstand am Halleneingang. Die Besucher werden hier unter Anleitung von «echten» Lokführern mit einer Kamera-Modelllok fahren können, die auf einen Bildschirm Bilder des Miniatur-Geländes überträgt.

Auf der Galerie selbst wird eine digitale Wechselstromanlage in der Grösse H0 aufgebaut: Massstab 1:87; Spurweite, sprich Abstand zwischen den Rädern, 16,5 mm. Unten durch die Halle zieht sich ebenfalls eine H0-Anlage, diese wird allerdings mit Gleichstrom betrieben.

Die Gleise auf den genormten Modulkästen winden sich über Berge, durch Wälder, vorbei an Gemüsegärten, Wohnhäusern und Bahnhöfen. Von den Holzkästen bis zur Geländegestaltung ist alles Handarbeit; die gestalterischen Fertigkeiten fallen dabei durchaus unterschiedlich aus.

Müller geht voran auf die Bühne, hier kommen Anlagen der 9-Millimeter-Spurweite N zu stehen, Massstab 1:160. «Diese Grösse dünkt mich persönlich gar klein, aber für zu Hause ist sie super», meint er. Andreas Hiller aus Schönenwerd fügt seine Module zusammen, auch er bekam seinen ersten Wagen in der Kindheit geschenkt.

Als er sich vor 20 Jahren scheiden liess, habe er zum einstigen Hobby zurückgefunden. Er ist stolz darauf, an der zweijährlich stattfindenden Ausstellung immer wieder etwas Neues zeigen zu können. Wie viele der Männer hier sagt auch er: Seine Partnerin bringe sich beim Gestalterischen ein, lege an den Gleisen mal ein Gärtchen an oder eine Weide, auf der Miniatur-Pferde grasen. Das Technische interessiere sie weniger.

Frauen erblickt man an diesem Vormittag keine. Sie werden an der Schau für die Verpflegung zuständig sein, rund hundert Kuchen sind vorgängig zu backen. Diese wie auch die Getränke werden den Besuchern gratis offeriert. Weil die Kollekte die Ausgaben mehr als decke, wie Müller aus Erfahrung weiss.

Er weist auf den Gastverein Schweizerische Digital Modellbahner hin, der sich ausschliesslich mit der digitalen Steuerung der Bahnen befasst. Nach Bäumchen und Blümchen neben den Gleisen sucht man hier vergebens. Ganz im Gegensatz zu der Gruppe Amors, die mit der amerikanischen Schmalspurweite H0n3 von 10,5 mm arbeitet und detailverliebt amerikanische Szenerien nachbaut.

Bei schönem Wetter erwartet Müller «Hunderte» von Besuchern aus allen Ecken der Schweiz: Grosseltern mit Enkeln, Familien. Darauf angesprochen, wie die Leute auf sein Hobby reagieren, sagt er: «Die einen sind begeistert, die anderen lächeln süffisant.» Es gebe deshalb sehr viele «versteckte» Bähnler. Ihre Leidenschaft leben sie in Garagen, Kellern, Estrichen aus.