120-Jahre Trimbach
Als noch Achtspänner fuhren: Dorfmuseum verrät einiges über Gemeindegeschichte

Trimbach blickt auf 120 Jahre Bestehensgeschichte zurück. In der kommenden Ausstellung im Dorfmuseum gibt es Spannendes über die Bürgergemeinde und ihre frühen Mitglieder zu lernen.

Noël Binetti
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Urs Ramseier, Präsident des Trimbacher Kulturgut-Vereins, zeigt ein Relikt aus der Ausstellung. Das Markierungsgerät kam in der Holzlotterie zum Einsatz.

Urs Ramseier, Präsident des Trimbacher Kulturgut-Vereins, zeigt ein Relikt aus der Ausstellung. Das Markierungsgerät kam in der Holzlotterie zum Einsatz.

Bilder: Patrick Lüthy

Die Bürgergemeinde Trimbach zählt etwa 750 im Dorf lebende Mitglieder. Weltweit sind es rund 4500 Menschen, die ein Bürgerrecht in der Niederämter Gemeinde geniessen. Die Bürgergemeinde feiert heuer ihr 120-jähriges Bestehen. Urs Ramseier, Präsident des Verein Trimbacher Kulturgut (VTK), nahm das Jubiläum zum Anlass für die sechste Ausstellung im Gemeindemuseum. Der Verein macht darin Wissenswertes über Trimbach der Öffentlichkeit zugänglich. Und noch einen anderen Geburtstag gibt es zu feiern: Seit 30 Jahren besteht der Forstbetrieb Unterer Hauenstein. Der Verein Kulturgut hat nun zu beiden Jubiläen historisches Material zusammengetragen und ausgestellt. Ramseier sagt: «Das Echo aus den vorherigen Ausstellungen war bisher gut.» Nun soll Interessierten die Geschichte der Bürgergemeinde Gemeinde nähergebracht werden.

Vor deren Gründung um 1900 fiel die Rollenteilung zwischen ihr, der Einwohnergemeinde und den Kirchgemeinden noch ganz anders als heute aus. Sie war zuständig für die Verleihung und Zusicherung des Gemeindebürgerrechts. Sie verfügte über die zweckmässige Verwaltung von Allmenden, Liegenschaften und Stiftungen, im Interesse und zum Nutzen der gesamten Bevölkerung. Auch für die Unterstützung von sozialen und kulturellen Institutionen und deren Errichtung war sie zuständig. Und eine wichtige Kompetenz und Aufgabe fiel ihr zu, mit der Bewirtschaftung und Pflege des Waldes. Auch er diente dem Wohle der Öffentlichkeit. In der Ausstellung sind Fotografien, Werkzeuge, Urkunden und andere Dokumente zu sehen. Sie erzählen die Geschichte der Bürgergemeinde und auch des Forstbetriebs. Ein Gegenstand fällt auf und sein einstiger Zweck lässt aufhorchen: Zur Markierung von gefällten Baumstämmen wurde beim Holzfällen eine Art Stempel aus Metall mitgeführt. Dazu ein der Zeit entsprechendes Stempelkissen. Sie wurden damals für eine Art Lotterie verwendet: Um Brennholz in der Bevölkerung gerecht zu verteilen, mussten die Leute Lose ziehen. Mit dem Stempel wurde die Loszahl auf das frisch gefällte Holz geprägt. Auch eines der ersten gefertigten Exemplare von Heimatscheinen, mit beinahe unleserlicher, aber exakter Handschrift, ist zu betrachten. Wer die Schrift entziffern kann, findet darauf das Signalement des Empfängers. Ähnlich einem heute ausgestellten Pass, allerdings ohne Foto. Weiteres zum Wald ist in alten Plänen zu entdecken. Im Raum ist auch ein Werk vom Holzkünstler Simon Nünlist aus Wolfwil zu finden. Und an einer Wand hängen Bilder, die Rück- und Ausblick zugleich sind: Sie zeigen den Lichterweg, welcher im letzten Advent grossen Anklang fand. Zum Jubiläum der Bürgergemeinde soll er dieses Jahr wiederholt werden. Erneut weisen dann unzählige Lichter den Weg durch den dunklen Wald bis zum beleuchteten Wasserfall.

Hinweis

Die Ausstellung im Gemeindehaus Trimbach dauert vom 2. September bis zum 16. Januar 2021 und ist frei zugänglich. Die Vernissage am 2. September fällt aus. Die Ausstellung ist geöffnet wie die Gemeindeverwaltung der Einwohnergemeinde. Das Buch «Bürgergemeinde Trimbach – Von der Bürgerschaft zur Bürgergemeinde», Ausgabe 2015, enthält ausführliche Informationen zur Geschichte der Bürgergemeinde. Dieses kann beim Verfasser Urs Ramseier, Felsenweg 38, 4632 Trimbach, bestellt werden. Preis: 30 Franken.