Erlinsbach SO
«Als nächstes drehe ich einen Spielfilm» – der 16-jährige Tim Hättich hat grosses vor

Der 16-jährige Tim Hättich aus Erlinsbach kann seinen Kurzfilm aus Kosovo an mehreren Festivals zeigen. Sein nächstes Projekt ist ein 90-minütiger Spielfilm.

Silvana Schreier
Merken
Drucken
Teilen
Tim Hättich hat in Kosovo einen Kurzfilm gedreht: «Am Schluss mussten wir 17 Stunden am Stück durcharbeiten.»

Tim Hättich hat in Kosovo einen Kurzfilm gedreht: «Am Schluss mussten wir 17 Stunden am Stück durcharbeiten.»

Bruno Kissling

Wenn Tim Hättich über das Filmen, das Schneiden und das Konzipieren spricht, merkt man: Der 16-Jährige ist in seinem Element. Vor einer Woche kam er aus Prizren in Kosovo zurück. Während sechs Tagen besuchte er dort einen Workshop im Rahmen des Projekts «BorderPass» (siehe Box). «Es war mega gut», sagt Hättich. Vor sich auf dem Tisch liegt das streng durchgetaktete Programm des Workshops. Er war einer von zwölf Jugendlichen, die sich erfolgreich für das Projekt beworben hatten.

Projekt der Schweizer Jugendfilmtage

Die Schweizer Jugendfilmtage, das Doku-Fest in Kosovo, das Beldocs in Serbien und das Pravo Ljudski Filmfestival in Bosnien und Herzegowina führen gemeinsam das Projekt «BorderPass» durch. In den nächsten drei Jahren finden mehrere kostenlose Filmworkshops für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund statt. Zudem setzten sich während eines sechstägigen Workshops am Doku-Fest im kosovarischen Prizren zwölf Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren aus den vier Ländern kritisch mit gemeinsamen, nicht länderspezifischen Fragen zur Identität, Migration, Respekt und Menschenrechte auseinander. Die erarbeiteten Dokumentar-Kurzfilme sollen zum interkulturellen Verständnis sowie zum Wissensaustausch beitragen und somit helfen, Vorurteile auf allen Seiten abzubauen. Nach der Fertigstellung der Filme werden sie an allen teilnehmenden Festivals gezeigt – so auch an den Schweizer Jugendfilmtagen vom 13. bis 17. März 2019. (SIL)

Mehr Informationen unter www.borderpass.ch

Hättich, der Informatiklehrling aus Erlinsbach SO, ist schon lange begeistert vom Filmen. Er drehte einen Dokumentarfilm über Geflüchtete, einen von «Star Wars» inspirierten Kurzfilm sowie dutzende Musik- und Tanzvideos.

Das Filmen hat er sich selbst beigebracht: «Lieber probieren, probieren, probieren, als einen theoretischen Kurs besuchen», lautet seine Devise. Damit ist Hättich schon weit gekommen: Im März konnte er einen seiner Filme an den Schweizer Jugendfilmtagen zeigen. Und für die Musikvideos wird er mittlerweile gar bezahlt – wenn auch mehr symbolisch.

Film über gequälte Bäume

Zurück zum Projekt «BorderPass»: Als die Teilnehmenden in Prizren, einer Grossstadt im Süden des Kosovos, angekommen waren, ging das grenzüberschreitende Projekt direkt los. Nach theoretischen Inputs der Workshop-Leiter machte sich die Gruppe von Tim Hättich auf zu einem Brainstorming-Spaziergang durch die Stadt. Dabei kam ihnen die zündende Idee.

Die drei Nachwuchsfilmer, zwei aus der Schweiz und eine aus Kosovo, wollten der Geschichte rund um die aussergewöhnlich behangenen Bäume nachgehen. Hättich erzählt: «An den Bäumen werden in Prizren oft Plakate mit Reissnägeln angebracht. Da das den ganzen Baum kaputtmacht, bringt eine Organisation gehäkelte Decken an den Stämmen an.» Die mit Blumen, Mustern und Figuren verzierten Bäume würden dann in Ruhe gelassen. Diese Geschichte wollten sie in ihrem zweiminütigen Dokumentarfilm erzählen.

Das angesammelte Filmmaterial musste anschliessend von der Dreiergruppe zusammengestellt und geschnitten werden. «Am Schluss waren wir etwas im Stress und mussten darum 17 Stunden am Stück durcharbeiten», erzählt Hättich. Die Workshop-Leiter – «darunter die beste Cutterin im Balkan, wie man sagt» – hätten sie dann noch unterstützt.

Schweiz, Kosovo, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina

Dass der in Kosovo entstandene Kurzfilm nun nicht nur in der Schweiz an den Jugendfilmtagen, sondern auch in Kosovo, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina an Festivals gezeigt wird, sei «krass»: «Ein bisschen blöd ist nur, dass wir nicht dabei sein können. So sehen wir die Reaktionen auf unseren Film gar nicht», sagt Hättich. Aber es sei natürlich besonders für sie, den Film «fast schon europaweit» zeigen zu können.

Neben seiner Lehre an den IBZ Schulen für Technik Informatik Wirtschaft in Aarau findet Hättich genügend Zeit für sein Hobby: «Als Nächstes will ich einen 90-minütigen Spielfilm drehen.» Bis im Herbst soll das Drehbuch dafür fertig sein, im nächsten Sommer stünden die Dreharbeiten an. Und an den nächsten Jugendfilmtagen im März 2019 wird er ebenfalls drei Videos einreichen.

«Ich bin Produzent, Regisseur, Filmeditor und Vertreiber. Wenn etwas schiefgeht, dann enttäusche ich nur mich selbst», sagt Hättich grinsend. In Zukunft möchte er sich aber am liebsten auf das Schneiden von Filmmaterial konzentrieren. Da könne man sich Zeit nehmen und aus «einer riesigen Menge an Material das beste auswählen». Zudem arbeite er gerne am Computer.