Trimbach

«Als Kind wollte ich Lokomotivführer werden» – heute arbeitet er mit Nobelpreisträgern

Astrophysicist Francesco Pepe, director of the Geneva Observatory, comments the Nobel Prize awarded to Swiss astrophysicist Michel Mayor and Swiss astrophysicist Didier Queloz from the university of Geneva during a press conference at the university of Geneva in Geneva, Switzerland, Tuesday, Oct. 8, 2019. The Nobel Prize in Physics has been today jointly awarded to James Peebles, Michel Mayor and Didier Queloz. One half of the prize was awarded to Peebles for "theoretical discoveries in physical cosmology," and the other half to Mayor and Queloz for "the discovery of an exoplanet orbiting a solar-type star". (Salvatore Di Nolfi/Keystone via AP)

Switzerland Nobel Physics

Astrophysicist Francesco Pepe, director of the Geneva Observatory, comments the Nobel Prize awarded to Swiss astrophysicist Michel Mayor and Swiss astrophysicist Didier Queloz from the university of Geneva during a press conference at the university of Geneva in Geneva, Switzerland, Tuesday, Oct. 8, 2019. The Nobel Prize in Physics has been today jointly awarded to James Peebles, Michel Mayor and Didier Queloz. One half of the prize was awarded to Peebles for "theoretical discoveries in physical cosmology," and the other half to Mayor and Queloz for "the discovery of an exoplanet orbiting a solar-type star". (Salvatore Di Nolfi/Keystone via AP)

Francesco Pepe ist Direktor des Observatoriums der Uni Genf und arbeitet mit den Nobelpreisträgern zusammen – er stammt aus Trimbach.

Michel Mayor und Didier Queloz haben den Nobelpreis für Physik gewonnen. Eine Sensation für die Schweiz. Die Medien überschlagen sich. Und mitten im Sturm ist ein Trimbacher: Francesco Pepe. Er ist in der Region aufgewachsen und hat die Kantonsschule in Olten besucht. Seit diesem Sommer ist er Direktor des Observatoriums der Universität Genf. Auf Anfrage dieser Zeitung meldet sich der 50-Jährige sofort und freut sich, etwas von seiner alten Heimat zu hören.

Herr Pepe, ist es das erste Mal, dass Sie eine solche Medienaufmerksamkeit erfahren?

In diesem Ausmass schon. Ein Nobelpreis ist etwas Aussergewöhnliches. Ich habe es aber immer wieder erlebt, dass unsere Forschungsergebnisse medial aufgegriffen wurden. So zum Beispiel 2004, als ein erdähnlicher Planet entdeckt wurde.

Wussten Sie schon als Kind, dass Sie Astronom werden wollen?

Als Kind wollte ich immer Lokomotivführer werden. Ich habe so viel Zeit am Oltner Bahnhof verbracht und habe den Zügen zugeschaut (lacht). Ich hatte zwar ein Kinderbuch über die Sterne, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht alles daraus gelesen habe.

Woher kommt ihre Faszination für den Kosmos?

Mich hat es schon immer interessiert, wie die Dinge funktionieren – wie unsere Welt funktioniert. Alltagsdinge wie: Warum klebt der Duschvorhang an meinen Beinen, wenn ich dusche?

Und um die Welt zu verstehen, untersuchen Sie das Weltall?

Ein Astronom ist immer zuerst Physiker. Ich habe Physik studiert, um die Beschaffenheit der Welt zu ergründen. Meine Doktorarbeit habe ich im Bereich der Optik geschrieben. Durch diese Arbeit bin ich dann zur Entwicklung astronomischer Instrumente gekommen.

Als Michel Mayor und Didier Queloz die ersten Exoplaneten entdeckten, waren Sie noch an der ETH in Zürich. Haben Sie von dieser Entdeckung damals etwas mitbekommen?

Ja natürlich. Im Herbst 1995 wurde diese Entdeckung publik gemacht. Ich hatte damals soeben meine Doktorarbeit verteidigt. Damals gab es noch viel Skepsis, ob es sich tatsächlich um Exoplaneten handelt. Aber die Aufregung war sehr gross.

Sie haben in Zürich studiert. Wie sind sie nach Genf kommen?

Ich konnte eine Postdoktoranden-Stelle an der Universität Genf antreten. Dort hat mich dann Michel Mayor angefragt, ob ich bei der Entwicklung eines neuen Spektrometers mitarbeiten könne. Er musste natürlich nicht zweimal fragen.

Sie suchen Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems. Haben wir nicht irdische Probleme, die es zuerst zu lösen gilt?

Wir wären eingebildet, wenn wir nur unser Forschungsgebiet wichtig fänden. Aber wir betreiben hier wichtige Grundlagenforschung und beschäftigen uns mit jahrtausendealten Fragen über den Platz der Menschheit im Kosmos.

Wieso ist Grundlagenforschung wichtig?

Auf Französisch sagt man zur Forschung «recherche». Es geht darum, zu suchen. In der Grundlagenforschung wird nicht etwas Konkretes gesucht, sondern man begibt sich auf eine Entdeckungsreise. Im 19. Jahrhundert, als Maxwell den Elektromagnetismus und elektromagnetische Wellen entdeckte und mathematisch beschrieb, wusste man nicht, wie wichtig und alltäglich diese Erfindung später sein wird. Unsere Handys, jede Fernbedienung funktioniert dank ihm.

Aber ihr Forschungsgebiet ist sehr teuer.

Wissen Sie, der Mensch unterscheidet sich durch seine Neugierde vom Tier. Sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres Wesens. Es wäre für die Menschheit verheerend, wenn wir nur noch für den materiellen Profit handeln würden.

Was erforschen Sie im Moment?

Ich bin ein Gerätebauer und entwickle neue Techniken. Für mein Feld ist es hingegen wichtig zu wissen, für was diese Instrumente entwickelt werden. Wir sind heute bei mehreren Forschungsprojekten involviert. Eines ist Espresso. Wir entwickeln ein präzises Instrument, mit dem man steinige Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems finden und studieren kann.

Die Vorstellung, dass die Erde ein kleiner Planet in einem Sonnensystem ist, umgeben von der Unendlichkeit lässt mich erschaudern. Geht das ihnen auch so?

Ja sicher! Wenn ich in einer sternenklaren Nacht in den Himmel schaue, dann werde ich sehr demütig. Auch weil ich genau weiss, wie wenig wir über unser Universum wissen. Wir kennen eigentlich nur unsere unmittelbare Umgebung.

Können wir dank ihrer Forschung bald einen neuen Planeten beziehen und den unsrigen seinem Schicksal überlassen?

Das ist Unsinn. Technisch wird das in den nächsten hunderten Jahren nicht möglich sein. Michel Mayor hat es schön formuliert: «Il n’y pas de planète B.» Dem möchte ich mich anschliessen. Wir haben nur einen Planeten. Zu diesem sollten wir unbedingt Sorge tragen.

Herr Pepe, wann kommen Sie wieder auf ein Besuch nach Trimbach?

In Trimbach bin ich leider nur noch sehr selten, da meine Familie nicht mehr dort wohnt. Meine Schwester und meine Schwiegermutter wohnen in Schönenwerd. Dort bin ich oft anzutreffen. Meine Kollegen aus der Kantizeit treffe ich regelmässig in Olten. Ich freue mich auch, dass der nächste Informationstag der Europäischen Organisation für Astronomie und der Schweizer Industrie im Oltner Stadthaus stattfinden wird. Ich werde also spätestens wieder am 15. November in der Region sein.

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Autorin

Judith Frei

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