Wirtewechsel
Aller guten Dörfer sind drei: Jetzt zieht dieser Wirt nach Däniken

Nach Dulliken («Schäfer») und Obergösgen («Fähre») zieht Mehmet Sengül jetzt nach Däniken.

Christian von Arx
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Mehmet Sengül (52), die letzten 10 Jahre in der «Fähre» Obergösgen, übernimmt ab 1. Mai den «Rebstock» in Däniken. Markus Müller

Mehmet Sengül (52), die letzten 10 Jahre in der «Fähre» Obergösgen, übernimmt ab 1. Mai den «Rebstock» in Däniken. Markus Müller

Markus Müller

«Hier ist meine Heimat.» Nicht ganz selbstverständlich, wenn das einer sagt, der Mehmet Sengül heisst. Dass er eigentlich Türke ist, sieht und hört man ihm durchaus an. Tatsächlich ist der Mann vor 52 Jahren in der Türkei geboren; und zwar nicht in Istanbul, sondern in der «richtigen» Türkei, in Anatolien.

Mit 18 Jahren, das war 1982, kam er in die Schweiz. Hier arbeitete er im Gastgewerbe und lernte, was man als Koch und als Kellner zu tun hat. Seine sechs bisherigen Arbeitsstellen zählt er mühelos auf: 2 Jahre in der «Schmitte» in Ittigen bei Bern, dann 2 Jahre im Restaurant Bahnhof in Rothrist, 2 Jahre im «Rathskeller» in Olten, 2 Jahre in der «Fähre» Obergösgen, damals noch bei Familie Meier. «Mini Cheffe alli lieb», sagt Sengül in seinem Anatolisch-Schwizerdütsch. Trotzdem ging er nie zurück, sondern suchte sich immer einen neuen Arbeitsort.

In der Region heimisch geworden

Nach diesen acht Lehr- und Wanderjahren in der Gastroszene kam er 1990 zu Familie Micali in die Pizzeria «Schäfer» in Dulliken. Hier blieb er 16 Jahre – zuerst 9 Jahre als Angestellter, ab 1999 erstmals als sein eigener Chef und Geschäftsführer. In dieser Zeit wurde er an seinem langjährigen Wohnort Obergösgen eingebürgert.

2006 machte Mehmet Sengül den nächsten Schritt: Zum Pächter der «Fähre» in Obergösgen, wo er zehn Jahre bleiben sollte. «Es ging gut, keine Probleme, gute Kunden.» Seine Frau Beser, ebenfalls eingebürgerte Schweizerin, arbeitete im Betrieb mit. Der Sohn und die Tochter haben jetzt aber andere berufliche Richtungen eingeschlagen. Seine Angestellten seien für ihn auch wie eine Familie. «Ich gehöre auch zum Personal», erklärt Sengül seine Führungs-Philosophie. «Ich will nicht den Chef spielen, ich bin selber auch mein Angestellter.» Er arbeite überall mit: «In der Küche, am Pizzaofen, im Service, beim Putzen. Einfach dort, wo es nötig ist.»

Stolz ist er auf die riesige Auswahl im Restaurant: «Auf meiner Speisekarte gibt es 350 Speisen. Da ist für jeden etwas dabei.» Das will er auch im Däniker «Rebstock» so halten, obwohl das neue Lokal um einiges kleiner ist: «Das ist mein Prinzip, da will ich nichts ändern.» Besonders stolz ist Sengül auf seine hausgemachten Spezialitäten: Pizza, Teigwaren, Salatsaucen, Kräuterbutter. «Meistens sind es meine Ideen, meine Zubereitungsart.» Solches einfach einzukaufen, komme für ihn nicht in Frage. Und eine grosse Palette Fleisch muss im Angebot sein, Rind, Kalb, Schwein, Lamm, Strauss.

Ob er will oder nicht: Im «Rebstock» wird Mehmet Sengül wohl von manchen Gästen, auch nach dem anderthalbjährigen Intermezzo mit Tamer und Melissa Segginger, an der langjährigen Ära Hagmann gemessen. Vom Besitzer- und Wirtepaar Urs und Barbara Hagmann, das er beruflich schon seit längerem kennt, spricht Sengül mit Respekt. Aber er hofft, dass ihm viele seiner bisherigen Kunden auch am neuen Ort treu bleiben werden.

Hoffnung auf 10 Jahre in Däniken

«Ich bin jetzt seit 30 Jahren in dieser Gegend», stellt er fest, «Däniken, Dulliken, Obergösgen – das sind meine Heimatgemeinden.» Sein Ziel sei es, zehn Jahre im «Rebstock» bleiben zu können, meint er. Im Blick auf die bisherigen Stationen des 52-Jährigen ist das nicht bloss Träumerei. Er fühlt sich gesund, gibt aber zu, dass er sich erhofft, sein Arbeitsalltag werde nun etwas weniger hektisch als zu manchen Zeiten in der «Fähre». Mit sechs Personen wird auch das Team kleiner sein.

Im «Rebstock», prominent an der Hauptstrasse in Däniken gelegen, sind derzeit noch Renovationen in Gang. Am Sonntag, 1. Mai, wird Mehmet Sengül die Türen für die Gäste öffnen.