Wer Brigitte Schärer in ihrem Eigenheim in Dulliken besucht, muss gut zu Fuss sein: Vor der Eingangstür steht ein roter Gartenhag aus Holz, sodass nur eintreten kann, wer ihn übersteigt. Grund für den ungewöhnlichen Eingang: Die drei Yorkshire-Terrier-Damen, die sich nicht davonschleichen sollen, wenn Besuch kommt.

Brigitte Schärer ist Vorstandsmitglied des Schweizer Rassehunde Zuchtverbands (SRZ) und führt das Zuchtbuchamt. Ihr Ehemann Felix Ludwig Julmy ist der Präsident des Verbands, ihre Adresse in Dulliken der Sitz. «Das Ziel des SRZ ist es, nicht einfach Welpen zu züchten und zu verkaufen, sondern die verschiedenen Rassen verantwortungsvoll weiterzuführen», erklärt Schärer im Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses, auf dem Schoss einer ihrer Hunde.

Der SRZ ist ein anerkannter Zuchtverband, der 1988 gegründet wurde, um Züchter in der Schweiz bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Der Verband kontrolliert sie und ihre Tiere, vermittelt potenzielle Neu-Hundehalter und stellt sicher, dass die Richtlinien, die für Hundezüchter gelten, eingehalten werden.

«Vor jeder Aufnahme in unseren Verband wird der Züchter eingehend überprüft», erklärt Schärer. Etwa Hygiene, Auslaufmöglichkeiten und Zustand der zukünftigen Mutterhündin werden dabei kontrolliert. Die Aufgabe der Zuchtbuch-Verantwortlichen ist es im Anschluss, dem Hund und seinem Züchter eine Zuchtzulassung auszustellen. Diese Zulassung hat die Wirkung eines Gütesiegels. «Der Vorteil für die Züchter besteht darin, dass sie beweisen können, dass sie sich an die Tierschutz- und Hygiene-Anforderungen halten», erläutert die Dullikerin.

160 Mitglieder – Tendenz steigend

Überprüft werden nicht nur die ausgewachsenen Hunde, sondern auch die neugeborenen Welpen. Es gibt klare Regeln, mit welchen Tieren weitergezüchtet werden darf. Dafür gibt es eigens einen Wurfabnahme-Report. Darauf wird alles dokumentiert: Anzahl Tiere, Geburtsdatum, Zustand der Mutterhündin und der Welpen: Verhalten sie sich aufmerksam oder apathisch? Weisen sie Über- oder Untergewicht auf? Sind sie in einem guten Pflegezustand? Mit Welpen, die etwa einen Nabelbruch, eine Knickrute oder einen Überbiss aufweisen, darf nicht weitergezüchtet werden. «Das ist vererbbar», führt Brigitte Schärer aus.

Zu ihren Aufgaben als Zuchtbuch-Verantwortliche gehört auch die Erstellung von Ahnentafeln, sogenannten Pedigrees. Damit wird die Herkunft jedes Welpen über vier bis fünf Generationen nachgewiesen: ein wichtiges Instrument für den Züchter.

Der SRZ hat laut Schärer ungefähr 160 Mitglieder – die Tendenz sei steigend. An den Verband angegliedert sind Züchterinnen und Züchter aus der Schweiz und einige aus dem nahen Ausland. Von kleinen Tieren wie Chihuahuas bis grossen Exemplaren wie Labradore, die oft als Blinden- oder Rettungshunde eingesetzt werden, finden sich alle Rassen im Verbandsverzeichnis wieder.

«Alle paar Jahre zeichnet sich ein neuer Trend ab – wie in der Mode. Momentan ist die französische Bulldogge besonders beliebt», weiss die Hundeliebhaberin, die die Arbeit mit den Hunden als ihre grosse Leidenschaft bezeichnet.

«Treu und anhänglich»

Brigitte Schärer hält seit 32 Jahren selbst Yorkshire Terrier und ist Präsidentin des Yorkshire Terrier Clubs Schweiz. Derzeit züchtet sie nicht, ihre drei Seniorinnen sind in die Jahre gekommen. Im nächsten Jahr soll es dann wieder soweit sein, wenn eine junge Hundedame in ihr Leben treten wird.

Eine andere Hunderasse würde sie nie halten. «Yorkshire Terrier sind treu, anhänglich und haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt.» Sie mahnt überdies zur Umsicht: «Beim Kauf eines Hundes sollen auch Tierheime berücksichtigt werden. Auch Hunde aus dem Tierheim machen Freude und sollen eine Chance erhalten.»