Frostschäden
«Alibi-Übung» nützte gegen die Kälte des Frühlings – alte Obstsorten kamen besser klar

Manche Obst- und Gemüsebauern im Niederamt mussten wegen dem eisigen Frühling grosse Einbussen hinnehmen. Bei anderen wirkte sich die Kälte beinahe gar nicht auf die Ernte aus.

Kelly Spielmann
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Roman Grob bleibt positiv: Er freut sich über die wenigen Zwetschgen, die es gegeben hat.

Roman Grob bleibt positiv: Er freut sich über die wenigen Zwetschgen, die es gegeben hat.

Remo Fröhlicher

Das gesamte Land wurde im vergangenen April vom Frühlingsfrost überrascht – so auch das Niederamt. Besonders Landwirte hatten mit der Kälte zu kämpfen. Es bestand Angst um die Ernte und die Grösse des bevorstehenden Schadens war unklar. Nun ist das Ausmass in der Ernte der Niederämter Bauern ersichtlich.

Winznauer Bauer Roman Grob hatte im April Sofortmassnahmen ergriffen und versucht, seine Kirschbäume mit Abdeckungen vor dem Frost zu schützen. «Der Schaden ist immens», sah er im April voraus.

Doch seine «Alibi-Übung», wie er die Abdeckungen damals nannte, scheinen der Kälte teilweise Widerstand geleistet zu haben: «Wir hatten einige sehr ertragreiche Hochstammbäume, wir haben nur etwa zehn bis zwanzig Prozent der Kirschen verloren», so Grob.

So präsentierte der Winznauer Ende April die Schäden an den Kirschblüten.

So präsentierte der Winznauer Ende April die Schäden an den Kirschblüten.

Bruno Kissling

Vor drei Monaten rechnete er mit einem Verlust von 50 Prozent. Während die Winznauer Kirschen Glück im Unglück hatten, nagte der Frost stärker an den Zwetschgen- und Aprikosenbäumen. «Zwetschgen hatten wir nur wenige, Aprikosen gab es leider gar keine», sagt Roman Grob. Wichtig sei, vielseitig anzubauen – so sei er insgesamt weniger vom Wetter betroffen.

Zwei Tonnen Boskoop verloren

Auch die Obstbäume auf dem Bauernhof Neumatt in Hauenstein-Ifenthal litten unter den extremen Wetterbedingungen des Frühlings. «Zuerst hat alles geblüht wie Rosen», schwärmt Pius Studer, der für die Obstbäume verantwortlich ist. Doch dann machte ihm der Frost einen Strich durch die Rechnung. Denn diese lautet sonst: Vier Boskoop-Bäume à jeweils 500 Kilogramm Äpfel ergeben zwei Tonnen Obst, das für Most verwendet werden kann. «Die Boskoop-Bäume waren alle ganz leer», so Studer. Von den vorgesehenen zwei Tonnen blieb kein einziger Apfel übrig.

Etwas mehr Glück hatte er mit den Braeburn-Äpfeln. «Eine alte, kräftige Sorte», erklärt Studer. Diese haben auf der Neumatt etwas mehr aushalten können, als die neueren Sorten. «Abgesehen von den Boskoop-Äpfeln, die zwar alt, aber anfällig sind, sind die älteren Obstsorten resistenter als die neueren», erläutert Pius Studer.

So sei es bei ihm auch mit den Kirschen gewesen. Die neuen Sorten – gross, knackig und saftig – konnten der Kälte nicht trotzen. Die alten Sorten hingegen überstanden den Frost grösstenteils und konnten erfolgreich geerntet werden. Insgesamt musste die Familie auf rund 60 Prozent der Ernte aller Hochstammbäume verzichten.

Obstplantage aus Wangen bei Olten und Boningen in der Kälte
9 Bilder
Obstbauer Mathias Anderegg mit einem der drei Frostschutzgebläse in der Apfelplantage in Wangen bei Olten
Sind die Blüten einmal offen, sind sie nicht mehr geschützt gegen die Kälte
Michael Studer aus Boningen auf dem Erdbeerfeld. Die Früchte befinden sich teilweise unter Flies. Das Gewicht des Schnees drückt den Stoff nach unten und kann die Früchte verformen.
Eine Erdbeerpflanze im Schnee
Karin Studer-Stirnimann in einem der Treibhäuser

Obstplantage aus Wangen bei Olten und Boningen in der Kälte

Bruno Kissling

Totalausfall bei den Kirschen

Grosses Pech mit Kirschen hatte Martin Thalmann vom Thalmannhof in Trimbach: «Bei den Kirschen hatten wir einen Totalausfall. Das haben wir noch nie erlebt, nicht einmal mein Vater.» Aufgrund des Nullertrags bei den Kirschen musste Thalmann Ersatz bei einem Landwirt aus dem Baselbiet beziehen – dieser hatte Abdeckungen, um Frostschäden zu vermeiden. Seinen Kunden am Wochenmarkt in Olten muss er jeweils erklären, weshalb es dieses Jahr keine Thalmann-Kirschen gibt.

Schaden richteten die Minustemperaturen auch bei den Tomaten an. Rund die Hälfte der Ernte ging kaputt, der Rest reifte später als üblich. Genauso wie bei den Kartoffeln: «Wir konnten später ernten, als in früheren Jahren», so Thalmann.

Beeren pflücken ist noch möglich

Doch trotz aller Verluste gibt es im Niederamt auch Landwirte, die fast ungeschoren davonkamen. So beispielsweise der Hof im Grod von Familie Hess. Rund 20 Prozent der Erdbeeren gingen zwar verloren, trotzdem blieben genug Früchte übrig, sodass die Kunden zum Pflücken aufs Feld konnten. Die restlichen Beeren – Himbeeren und Heidelbeeren – haben den Frost unversehrt überstanden. Die Ernte sei gut ausgefallen, wie die Familie erzählt. Und es ist noch nicht vorbei, denn geerntet wird noch bis ungefähr Ende Juli: Es bleibt also noch etwas Zeit, die dem Frost trotzenden Beeren selber im Grod pflücken zu gehen.

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