Niederamt
Aare, Bauernhof, Reihenhaus: Davon wird dieser Oltner Regisseur inspiriert

Der Oltner Filmemacher Peter Bolliger hat einen neuen Film gedreht. Die Dreharbeiten fanden in Olten sowie im Niederamt statt. Mit dem Kinofilm will er zum Nachdenken anregen.

Judith Frei
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Die Dreharbeiten für den neuen Film von Peter Bolliger (rechts) sind am Freitag abgeschlossen worden. Hier bei den Dreharbeiten in Starrkirch-Wil: Heinz Bolliger, Jens Wachholz sowie Co-Produzent und Kameramann Peter Schurte (von links).
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«Die Geschichten entspringen meiner Fantasie und sind grundsätzlich nicht ortsgebunden, sie können mir aber beim Spinnen einer Geschichte helfen», so Bolliger (links), der seine Drehbücher selber schreibt.
Neuer Film Peter Bolliger Olten
In diesem Kinofilm ginge es im Kern um das Leben.
Der Film «Vom Leben verrückt» nimmt sich dem schweren Thema Altersdemenz an. Bolliger weiss, wovon er spricht. Denn seine Mutter ist vor acht Jahren an Demenz erkrankt.

Die Dreharbeiten für den neuen Film von Peter Bolliger (rechts) sind am Freitag abgeschlossen worden. Hier bei den Dreharbeiten in Starrkirch-Wil: Heinz Bolliger, Jens Wachholz sowie Co-Produzent und Kameramann Peter Schurte (von links).

ZVG

Peter Bolliger, der sich selber als Ur-Oltner bezeichnet, hat gestern die Dreharbeiten zu seinem neusten Film «Vom Leben verrückt» abgeschlossen. Der Film spielt in der Region Olten – so wie alle seine Produktionen. Dies hatte zunächst einen praktischen Grund, denn Bolliger war nicht immer Vollzeit-Filmemacher. Als er noch angestellter Logistiker war, konnte er nur in der Region filmen. Auch heute noch ist es für ihn wichtig, dass er einen Bezug zu den Drehorten hat.

«Die Geschichten entspringen meiner Fantasie und sind grundsätzlich nicht ortsgebunden, sie können mir aber beim Spinnen einer Geschichte helfen», so Bolliger, der seine Drehbücher selber schreibt. Als er das Skript für diesen neuen Film geschrieben hatte, hat er sich auch von Orten in der Region inspirieren lassen.

Bauernhof wurde zum Zuhause des Protagonisten

Er wusste beispielsweise, schon bevor das Drehbuch fertig war, dass ein zentraler Teil des Films auf dem Bauernhof in Starrkirch-Wil an der Kohliweidstrasse spielen wird. Denn vor dem verwunschenen Hof stehen Zirkuswagen, in denen das Künstler-Duo Comedia Zap wohnt. «Beim Schreiben hatte ich die Wagen im Kopf und wusste, dass sie Teil des Films werden. Ich brauche solche Orte, um meine Geschichten zu entwickeln.»

Diesen Bauernhof hat Bolliger zum Wohnhaus des dementen Jakob gemacht. Schlussendlich hat seine Filmcrew sechs Drehtage an diesem Ort verbracht. Dabei konnten sie auch vom Künstlerwissen der Anwohner profitieren.

Unterstützung macht die Produktion möglich

Produktionen wie die seinen, hätten keine grossen finanziellen Reserven, sagt Bolliger. Der Film werde durch Sponsoren und die kantonale Kulturförderung finanziert. Ausserdem seien die sogenannten Eigenleistungen des Teams wichtig. Das seien Arbeiten, für die sie kein Geld verlangen. «Wir können uns halt nicht mit Hollywood vergleichen», sagt er lachend.

Er war sehr dankbar, als ihm in Dulliken zwei Privathäuser für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt wurden. «Wir sind von solchen Angeboten abhängig», meint er ernst. Dass ihm diese Häuser angeboten wurden, sei nicht selbstverständlich. Denn sein Team könne je nach Drehtag bis zu zehn Personen zählen. «Stellen Sie sich vor, da kommen zehn Leute in ihr Haus, die man eigentlich gar nicht kennt, und das vier Tage lang», sagt er und lacht. Glücklicherweise stehen diese Häuser nebeneinander. Das passt zur Geschichte. Denn im Film wird eine Nachbarschaftssituation erzählt, mit all den stereotypischen Reibereien.

«An der Aare haben wir intensive Drehtage erlebt»

Die Schlüsselszenen seiner neusten Produktion spielen unter freiem Himmel. Nämlich an der Aare in der Region Dulliken und Obergösgen, beim Sandstrand und wo die alten Weiden stehen. «Dort haben wir intensive Drehtage erlebt, die auch beim Zuschauer an die Substanz gehen werden», ist Bolliger überzeugt.

Er habe für diese Szenen einen Ort gesucht, der das Leben abbildet und das Aare-Ufer habe sich schon fast angeboten. Denn die Aare selbst stelle durch ihren Fluss die Vergänglichkeit dar. Auch die alten Weiden hätten gut gepasst. «In solchen Szenen arbeite ich eng mit der Natur zusammen.»

«So wie das halt im Leben ist»

In diesem Kinofilm ginge es im Kern um das Leben. Und dieses versucht Bolliger, so authentisch wie möglich aufzuzeigen. So sei es für ihn wichtig, dass er die Umgebung so belässt, wie sie ist. Das würde auch für das Wetter gelten. Er nimmt es, so wie es ist. Klar spiele es auch eine Rolle, aber es sei halt nicht programmierbar.

Die Schauspieler hingegen schon. Aber auch bei ihnen legt er Wert auf Natürlichkeit. So findet er es immer gekünstelt, wenn sie einen anderen Dialekt für eine Rolle annehmen würden. In seinem Film sprechen darum die Schauspieler mit unterschiedlichen Dialekten. «So wie das halt im Leben ist», sagt Bolliger.

Sein Drehbuch ist mitten aus dem Leben gegriffen

Der Film «Vom Leben verrückt» nimmt sich dem schweren Thema Altersdemenz an. Der demente Kunstmaler Jakob (Heinz Bolliger) beginnt eine Reise in seine Vergangenheit. Begleitet wird er von seinem gehörnten Schwiegersohn Fabian (Jens Wachholz), bei dem es nicht nur privat, sondern auch beruflich nicht rund läuft. Weil sein Leben durcheinandergeraten ist, kann er sich auf die «verrückte» Welt von Jakob einlassen.

Dieser Film, der die Geschichte von Jakob und Fabian erzählt, hat laut Peter Bolliger eine Aufgabe: «Er soll zeigen, wie schwierig es für das Umfeld eines dementen Menschen ist, dessen Welt zu verstehen», sagt der Oltner Regisseur. Die Gesellschaft soll die dementen Menschen nicht allein lassen. Wer sich Zeit nehme und andere Arten der Kommunikationen anwendet, könne noch Teil des Lebens der erkrankten Personen bleiben. So ist die Geschichte auch aus der Perspektive von Fabian erzählt.

Von Mimik und Berührungen

Bolliger weiss, wovon er spricht. Denn seine Mutter ist vor acht Jahren an Demenz erkrankt. Er hat sie von Anfang an eng begleitet. Durch seine eigene Erfahrung und auch durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema, wurde ihm klar, dass viele Menschen offene Fragen bezüglich Demenz haben.

Ein zentraler Aspekt des Films sei die Kommunikation. Dieser entspringe seiner persönlichen Erfahrung. So habe Bolliger über die Jahre bemerkt, dass er seine Mutter nicht mehr durch Worte erreichen könne. Über Mimik und Berührungen sei es aber noch heute möglich, sich mit ihr auszutauschen.

Ein Familienprojekt

So hat Bolliger Schauspieler mit ausdruckstarker Mimik gesucht. Für ihn war klar, dass er Jens Wachholz für die Rolle von Fabian verpflichten will. Der Solothurner Schauspieler, der in Berlin aufgewachsen ist, ist der einzige Profischauspieler im Film. So spielt Bolliger’s Onkel, Heinz Bolliger, die Rolle des dementen Jakob.

Auch Bolligers Schwester, Ursula Bolliger, ist in die Produktion involviert. Sie hat die Musik komponiert, die eine wichtige Rolle im Film hat. Denn Bolliger will in seinem Spielfilm das Publikum nicht nur durch Worte berühren, sondern auch durch die Musik und Bilder.

Die Bilder, die er in seinem Kopf entwickelt habe, sind durch den Zofinger Co-Produzenten und Kameramann Peter Schurte umgesetzt worden. «Seine Arbeit war elementar und hebt unser Werk auf ein nächstes Level», so Bolliger. Auch wenn das Thema schwermütig sei, so wolle er unterhalten. (jfr)

Der Kinofilm hat seine erste Aufführung in Olten am 7. November und am 8. November in Aarau und Solothurn.