Trimbach
775 Jahre Trimbach: Würziger Appenzeller Blues mit Folksongs

Hackbrettvirtuose Nicolas Senn und Bluespianist Elias Bernet begeisterten zum Auftakt von 775 Jahren Trimbach.

Peter Kaufmann
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Die Appenzeller Tracht täuschte: Zwar spielte der virtuose Musiker Nicolas Senn an der Trimbacher Sonntags-Matinee durchaus auch urchige Ländlerweisen auf seinem Hackbrett. Doch dieses Instrument aus der Volksmusik ist ja längst auch in anderen Musikstilen gebräuchlich. Senn bewies dies mit einer einprägsamen Version von «Scotland the Brave», der heimlichen Nationalhymne Schottlands, und mit «Una Matina», der Titelmelodie aus dem französischen Erfolgsfilm «Ziemlich beste Freunde». In seinen launigen Ansagen stapelte der beliebte «Potzmusig»-Moderator tief: Er sei bloss die Vorgruppe zum Star des Konzerts, dem weltweit erfolgreichen Blues- und Boogie-Woogie-Pianisten Elias Bernet.

Mit stampfender Beharrlichkeit kämpfte sich dann als Nächstes der Blues «Honky Tonk Train» mit Pianist Bernet vorwärts. Der St. Galler Musiker sang zum Entzücken des überaus zahlreich erschienenen Publikums auch ganz passabel, was er unter anderem auch mit einem Boogie belegte.

Hackbrett-Fans zum Kopfstand aufgefordert

Bernet liess am Abstimmungssonntag das Publikum wählen: Wer Boogie mag, darf die Hand erheben, wer lieber Hackbrett will, soll bitte einen Kopfstand machen. Und dann, im ersten Stück vor der Pause, kam’s doch noch zum Zusammenschluss, wie es der Konzertitel und die im Mai erschienene CD «Hackbrett meets Boogie Woogie» versprochen hatten. Bernet und Senn spielten zusammen ein Medley mit volkstümlichen und bluesigen Melodien – Ohrwürmer, die zum Mitklatschen animieren. Nach der Pause musizierten die beiden dann gemeinsam weiter und zeigten, wie gut die beiden unterschiedlichen Saiteninstrumente zusammenpassen. Oldies wie etwa Sinatras «Something Stupid» waren da zu hören, aber auch das offen als «Schleichwerbung» deklarierte Ländlerstück «Quöllfrisch».

Zweikampf der Instrumente

Das ungewöhnliche und mitreissende Konzert von Nicolas Senn und Eilias Bernet gipfelte in einem freundschaftlichen Kampf im Stil der legendären Banjo-Duelle. Jeder forderte den Partner mit einer kleinen Melodie heraus, die dieser, wenn möglich noch kunstvoller, nachzuspielen hatte. Dieser vergnügliche Kampf der Instrumente erlaubt es jedem, bekannte Schweizer Volkslieder und Blues-Themen anzuspielen und sie beliebig zu variieren. Der Zweikampf kannte selbstverständlich keinen Sieger und führte zu einer ersten Standing Ovation. Mit zwei Medleys als Zugaben verdankten die beiden sympathischen, 30-jährigen Ostschweizer den Enthusiasmus des Trimbacher Publikums, das einen vergnüglichen Auftakt zur 775-Jahrfeier der Gemeinde erlebt hat.