Obergösgen
55 Jahre lang im Amt: Dieser Schützenpräsident war ein Volltreffer

Das macht ihm so schnell keiner nach: Pius Kyburz war 55 Jahre lang Präsident der Schützengesellschaft Obergösgen. Jetzt hat er einen Nachfolger gefunden – seinen Sohn Peter.

Christian von Arx
Drucken
Teilen
55 Jahre Präsident der Schützengesellschaft Obergösgen: Pius Kyburz.

55 Jahre Präsident der Schützengesellschaft Obergösgen: Pius Kyburz.

Bruno Kissling

«I ha de nid nume s Schiesse gmacht»: Gleich zu Beginn stellt Pius Kyburz klar, dass das Präsidium der Obergösger Schützen etwa nicht sein einziger Lebensinhalt war. Überhaupt hat der 83-Jährige in seiner langen Amtszeit den Humor nicht verloren: «Weil ich ein grosses Maul hatte», antwortet er auf die Frage, warum er schon mit 24 Jahren, nach zwei Jahren als Jungschützenleiter, zum Präsidenten gewählt wurde.

Es war 1957. Im Weissen Haus regierte Eisenhower, in Moskau Chruschtschow und im Vatikan Papst Pius XII. – Figuren aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg. In Obergösgen aber trat Pius Kyburz an die Spitze der örtlichen Schützen und blieb dort bis im Frühling 2016.

Dabei hatte es zuerst nicht nach einer aussergewöhnlichen Präsidialzeit ausgesehen. Schon nach zwei Amtsjahren trat Pius Kyburz zurück, weil er nach Zofingen zügelte. Von 1959 bis 1963 war Franz Steiner Präsident, der heute 95-jährig ist. Doch dann kehrte Pius Kyburz nach Obergösgen zurück und baute sich das Haus, wo er heute noch wohnt. «Franz Steiner fragte mich, ob ich es nicht wieder machen wolle. So wurde ich wieder Präsident.»

Diesmal blieb er nicht nur zwei, sondern 53 Jahre. Die Schützengesellschaft stand damals vor der Aufgabe, ihr altes Schützenhaus zu ersetzen. «Ich wusste, dass dafür der richtige Kitt im Verein nötig war», erinnert sich Pius Kyburz. Ans Eidgenössische Schützenfest 1963 in Zürich zogen die Obergösger mit über 60 Schützen. «Es herrschte eine super Stimmung. Das erleichterte alles», so Kyburz. Die Schützen brachten es durch, dass die Gemeindeversammlung 40 000 Franken für das Schützenhaus bewilligte. Doch einen grossen Teil realisierten die Schützen in Fronarbeit. «Jeden Samstag waren freiwillige Helfer auf dem Bauplatz.» 1967 wurde das neue Schützenhaus eingeweiht.

Doch warum blieb er danach noch fast fünf Jahrzehnte im Amt? Auch dann noch, als er 1988 zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde? Pius Kyburz muss nicht lange studieren: «Weil wir immer wieder Geld brauchen fürs Schützenhaus.» Dieses wurde so etwas wie sein Lebenswerk. Im Organisieren von Festen und Anlässen, die Geld einbrachten, war er im Element. Unersetzlich war er aber auch für Schiessanlässe. Zum Beispiel das Burg-Göskon-Schiessen, das schon 45 Mal unter seiner Leitung stattgefunden hat.

Trotz allem – wer 55 Jahre Präsident bleibt, muss sich die Frage gefallen lassen: Sind Sie ein Sesselkleber? «Darüber habe ich selber nachgedacht», räumt Pius Kyburz ein. «Aber es wollte keiner die Arbeit machen.» Immer habe es geheissen: Machs doch noch. Zuerst bis zur Pensionierung. Und dann erst recht: «Dann hatte ich ja Zeit.»

Mit 98 Schützen nach Luzern

Dass Pius Kyburz selber auch gut schiesst, davon zeugen die unzähligen Kranzabzeichen, Wappenscheiben und andere Schützenpreise in seinem Haus. 60 Mal schoss er am Feldschiessen den Kranz heraus, nur ein einziges Mal reichte es ihm nicht. Die Schützengesellschaft Obergösgen sei aber nicht auf Spitzenresultate aus, betont er. Das Wichtigste sei immer die Förderung des Schiessens als Breitensport gewesen. Als Höhepunkt nennt Kyburz darum das Jahr 1979: Damals nahmen die Obergösger mit 98 Schützen und Schützinnen am Eidgenössischen Schützenfest in Luzern teil, darunter 50 im Alter von 30 und jünger. Dafür erhielt der Verein den Uruguay-Wanderpreis.

Wenn Pius Kyburz jetzt als Präsident abtritt, ist dennoch für Kontinuität bei der Schützengesellschaft gesorgt. Nachfolger ist sein Sohn Peter, der von sich sagen kann: «Beim Schützenhausbau 1967 war ich als ‹Znünibueb› dabei.» Junge Schützen seien vorhanden, im Vorstand habe es einen Generationenwechsel gegeben. Ausserdem verspricht Pius Kyburz: «Es ist ja nicht so, dass ich jetzt gar nichts mehr mache.» Beim Burg-Göskon-Schiessen bleibt er für Schiessplan und Tombola zuständig.

Aktuelle Nachrichten