Gemütlich beisammensitzen, grillieren und ein Bierchen trinken. So sieht für viele ein gutes Sommerfest aus. Auch für die Stüsslinger von der 4655 Brewing Company. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie ihr Bier gleich selbst herstellen. Unter einem Festzelt steht eine Brauanlage mit drei Kesseln und vielen Schläuchen, wo die 14 Mitglieder des Vereins einmal im Monat ihr Bier brauen. Abgefüllt wird es in der Garage nebenan.

Erstes Bier im Mai 2015 gebraut

Entstanden ist alles aus einer Schnaps- oder eben Bieridee. Oliver Martini fand: «Man kann nicht immer nur davon reden, man muss es dann auch machen.» So kaufte er, der oft geschäftlich in den USA ist, dort eine kleine Brauanlage. Diese ist nun in der Garage seines Vaters Urs in Stüsslingen einquartiert. Nachdem alles eingerichtet war, konnte am 25. Mai 2015 der erste Braugang gestartet werden. Dazu hat Martini, der damals noch mit wechselnder Hilfe von Freunden braute, ein Starter-Kit im Brau- und Rauchshop in Densbüren gekauft. Dieses beinhaltete neben den nötigen Zutaten auch ein Rezept. Das erste und einzige Rezept, das die Stüsslinger Hobbybrauer gekauft haben. Alle weiteren Biere sind durch Ausprobieren und Sich-Informieren entstanden.

Oliver Martini findet: «Brauen ist wie Kochen.» Ausprobieren bringt einen weiter. Damit zweimal das gleiche Bier hergestellt werden kann, dokumentieren die Brauer jeden Schritt und jede Temperaturentwicklung genau. Urs Martini sieht darin einen Grund dafür, dass noch nie ein Sud schlecht geworden ist. «Das präzise Arbeiten und Dokumentieren macht es aus, dass noch nie einer ‹öberegheit› ist.»

Jeder bringt sich ein

Die verschiedenen Biersorten tragen Namen wie Rain Drop oder Retired Bear. Als das Rain-Drop-Bier erstmals produziert worden ist, hat es geregnet und das Retired Bear entstand anlässlich der Pensionierung von Urs Martini. Jeder Einzelne bringt sich auf seine Weise ein und schreibt die Geschichte des Bieres mit. So war es auch an der Fasnacht dabei, weil ein Teil der Brauer selbst Fasnacht macht, zum Beispiel bei der Tannzapfen-Zunft oder den Chäsbängle. Weiter war das «Chocked Up», ein Double Indian Pale Ale, diesen Frühling Bier des Monats im «Gryffe». Auch an der Martins-Chilbi in Stüsslingen waren die Hobbybrauer mit ihrem Bier unterwegs. Für spezielle Anlässe wird auch selber gewurstet und Maische-Brot hergestellt.

Viel Herzblut und Freizeit steckt im Hobby Bierbrauen, das sich immer grösserer Beliebtheit erfreut. Die bisher grösste Errungenschaft der «4655 Brewing Company» war der Gesamtsieg aus 240 Bieren am Beer Contest des Brau- und Rauchshops. Nun schaut sich der Verein nach einer neuen Lokalität und neuem Material um, die sogenannte Vision 2020. Bedingung ist allerdings, dass die Brauanlage selbst gebaut werden kann. Für die Stüsslinger soll auch das Bauen und Basteln ein Hobby bleiben.

Dass es eben Freizeitbeschäftigung ist, war auch ersichtlich, wenn man sich dem Braulokal in der Garage näherte. Kinder und Erwachsene vertrieben sich die Zeit auf dem Vorplatz mit dem amerikanischen Spiel namens Cornhole. Auf dem Rasen nebenan stand ein Bassin zur Abkühlung. Es kann auch mal vorkommen, dass Kinder, die kaum über den Tischrand hinausragen, helfen Deckel auf Flaschen zu pressen oder fragen, wieso denn diese Flüssigkeit so stinkt.

Bisher rund 20 Sorten gebraut

In den knapp zwei Jahren Vereinsgeschichte haben die Stüsslinger Brauer 15 bis 20 Sorten Bier gebraut, oft mit demselben Rezept aber verschiedenen Hopfen. An den monatlichen Brautagen sind jeweils rund fünf Personen anwesend. Diese dürfen dann jeweils eine Kiste Bier behalten, zwei Kisten gehen an den Verein und der Rest wird entweder verkauft oder steht den Vereinsmitgliedern nach dem Prinzip «de Schnäller esch de Gschwinder» zur Verfügung. So wollen die Brauer von der «4655 Brewing Company» die Biervielfalt in der Region erhöhen.