Lostorf
«30 Jahre Achtung für Mensch und Natur»: Der Buechehof feiert und erweitert sein Angebot

Der Buechehof in Lostorf feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Zum runden Geburtstag schenkt sich die soziale Institution ein Stöckli und erweitert ihr Angebot um eine Alterswohngruppe.

Christoph Zehnder
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

Seit nunmehr drei Jahrzehnten bietet der Buechehof in Lostorf Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung einen Platz zum Wohnen, Arbeiten, Zusammensein – kurz: zum Leben. Die vergangenen 30 Jahre waren geprägt von stetiger Weiterentwicklung. Kein Jahr, in dem nicht Neues geplant und gebaut oder Bestehendes erweitert oder modernisiert wurde (siehe Box).

Zum runden Geburtstag erhält der Buechehof eine wegweisende Erweiterung: eine Wohngruppe für altersgerechtes Wohnen. Das Projekt «102 im 102» trägt dem Umstand Rechnung, dass einige der Betreuten am Buechehof mittlerweile selber ein gewisses Alter erreicht haben. Sie sollen den Herbst des Lebens in ihrem gewohnten Umfeld verbringen dürfen. Wichtig ist dabei, dass sie weiterhin in die Tagesstruktur der Einrichtung eingebunden bleiben.

«Meine Grosseltern hatten auch ein Stöckli. Dort konnten sie sich zurückziehen aber immer noch auf dem Hof mithelfen», erzählte Regierungsrätin Susanne Schaffner, die gestern im Namen des Kantons eine Grussbotschaft zur Eröffnung und zum Jubiläum überbrachte. Sie betonte, wie wichtig es für Menschen mit einer Beeinträchtigung sei, ein möglichst eigenständiges Leben führen zu können. Dass dies auf dem Buechehof der Fall sei, habe ihr auch der Dokumentar-Film «Wer Freude sät» gezeigt, der vergangenes Wochenende in Olten Premiere feierte (siehe Artikelende).

Entstehungsgeschichte

Meilensteine

- 1975 Gründung des Vereins Buechehof

- 1983 Nach langjähriger Suche wird der Schneeberger-Hof in Lostorf gefunden und für einen Um- und Ausbau zum Heimbetrieb als geeignet erachtet.

- 1986 Der Verein Buechehof kann den Schneeberger-Hof endgültig übernehmen. Baubeginn Wohnheim und Umbau von Bauernhaus und Stall.

- 1987 Eröffnung und Inbetriebnahme

- 1990 Erstes Ferienlager einer Wohngruppe.

- 1991 Aufbau eines hauseigenen Therapieangebot wird auf- und ausgebaut. Erster Wochenmarkt.

- 1994 Erwerb des Sigristenhauses.

- 1995 Die Zahl der Wohnplätze wird aufgrund der grossen Nachfrage auf 18 erhöht.

- 1997 Der Hofladen entsteht.

- 2000 Neubau Stall, Gärtnereiräume und Remise.

- 2001 Der Hofladen wird vergrössert. Im Sigristhaus entstehen mit der Weberei und der Einmachküche neue Arbeitsangebote.

- 2003 Küchenausbau und -renovation.

- 2005 Beginn Umnutzung des Bauernhauses. Im Estrich entsteht die Holzwerkstatt.

- 2008 Der Buechehof erhält den Prix Wartenfels

- 2009 Endgültige Umnutzung des Bauernhauses zu Wohnstudios und Verwaltungsräumlichkeiten.

- 2010 Umstrukturierung des gesamten Betriebs in vier gleichwertige Ressorts.

- 2011 Fertigstellung und Bezug des Erweiterungsbaus. Umbau der alten Lärche zur neuen Hauswirtschaft.

- 2012 Bezug der neuen Küche. Bezug der neuen WG-Linde im Haupthaus. Realisierung des Buechehof-Kafis.

- 2015 Photovoltaik für den Buechehof und Übernahme Haus an der Sälistrasse 42, Lostorf.

- 2016 Übernahme Wohngemeinschaft Skarabäus in Erlinsbach.

- 2017 Einweihung 102 und 30-Jahr-Feier

Schonender Umbau

Gemeinsam mit Kantonsratspräsident Urs Huber und Gemeindepräsident Thomas Müller durfte die Solothurner Sozialdirektorin gestern das neugestaltete Sigristenhaus an der Mahrenstrasse 102 erkunden. Nicht ohne Stolz präsentierten Buechehof-Gesamtleiter Andreas Schmid, Trägervereinspräsident Rainer Kirchhofer und Architekt Sämi Bünder das Resultat der Arbeit der vergangenen Monate, an der sich übrigens auch die Betreuten emsig beteiligt hatten. «Es ging zu wie in einem Bienenhaus», sagte Andreas Schmid anlässlich der Eröffnung, die von Michael Neuenschwander sowie der Uraufführung des Buechehof-Liedes musikalisch untermalt wurde.

Das 150-jährige Haus wurde komplett ausgehöhlt und dem neuen Zweck angepasst, ohne den Charme des Gebäudes dabei zu vernachlässigen. «Sinn und Geist des Hauses sind erhalten geblieben», erklärte Architekt Sämi Bünder. Die moderne Infrastruktur mit Lift und ebenerdigen Verbindungen tragen den Bedürfnissen der künftigen Bewohnern Rechnung.

Die Alterswohngruppe im Obergeschoss bietet Platz für fünf Personen. Im lichtdurchfluteten Erdgeschoss zieht wieder die Weberei ein, das Dachgeschoss beherbergt Therapieräume und eine kleine Betreuerwohnung. Bis die ersten Bewohner einziehen, dauert es noch rund drei Wochen, sagte Andreas Schmid. Der Buechehof-Leiter freut sich, dass nach der mehr als einjährigen Bauphase endlich wieder Leben in das Haus einkehrt. «Ich bin überzeugt, dass es den Buechehof-Gründern am Vorabend der Eröffnung vor 30 Jahren ähnlich erging», sagte Schmid.

In Würde altern

Die Pioniere von damals hatten das Ziel, einen Platz zu schaffen, wo Menschen mit einer Beeinträchtigung dazugehören und sich einbringen können. Darüber, dass die Betreuten auch älter werden, machte man sich 1987 noch wenig Gedanken. Dies stelle Institutionen für Beeinträchtigte heute vor grosse Herausforderungen, stellte Trägervereinspräsident Rainer Kirchhofer fest. Der Buechehof beweise mit der Alterswohngruppe «102» daher umso mehr seine Anpassungsfähigkeit an diese neuen Herausforderungen. «Wir schieben alte Betreute nicht einfach ab. Sie sollen in Würde altern können und dabei integriert bleiben», so Kirchhofer.

Diese Haltung ist auch für Lostorfs Gemeindepräsident Thomas Müller erfreulich. Überhaupt sei der Buechehof für das Dorf ein Vorbild. «30 Jahre Buechehof sind 30 Jahre Achtung für Mensch und Natur», sagte er und überbrachte im Namen der Gemeinde noch einen «Batzen» zum runden Geburtstag.

Dokumentation

«Wer Freude sät» – der Buechehof im Film

Der Oltner Filmemacher Peter Bolliger und der Zofinger Kameramann Peter Schurte haben die Bewohner und Betreuer des Buechehofs über mehrere Monate begleitet. Entstanden ist der einfühlsame Dokumentarfilm «Wer Freude sät – Leben auf dem Buechehof».

Die Zuschauer erleben darin einen Arbeitstag, der sich über alle vier Jahreszeiten erstreckt. Mit dieser speziellen Filmtaktik wollte Peter Bolliger der Vielfalt der Tätigkeiten auf dem Buechehof gerecht werden. Die Dreharbeiten dauerten fast ein Jahr, in dem auch Freundschaften entstanden sind. «Die Betreuten fragten uns: Wann kommt ihr wieder?» Ihre Offenheit und Herzlichkeit haben den Filmemacher berührt.

Am vergangenen Samstag feierte das Werk in Olten Premiere. «Der Film ist sehr erfolgreich gestartet und es gab sehr positive Reaktionen seitens der Zuschauer», so der Filmemacher. Die Dokumentation wird daher auch an den beiden kommenden Wochenenden im Kino Palace in Olten gezeigt. Vorstellungszeiten: 17. bis 19. sowie 24. bis 26. November jeweils um 17.40 Uhr. (cze)

Aktuelle Nachrichten