Orchideenpfad
25 Orchideenarten sind im Niederamt zu bestaunen

Im Niederamt blühen in den Sommermonaten Mai und Juni zahlreiche Orchideenarten. Rund 25 Orchideenarten (von schweizweit insgesamt 75) können hier angetroffen werden.

Lena Bueche
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Das Waldvögelein bevorzugt halbschattige Standorte.

Das Waldvögelein bevorzugt halbschattige Standorte.

Noah Hänggi

Orchideen, einst eine Rarität, sind heutzutage selbst beim Grossverteiler erhältlich. Mit ihren weissen, rosaroten oder gelben Blüten verführen Phalaenopsis und Co. den geneigten Zierpflanzenliebhaber zum Kauf eines eigenen Exemplares.

 Die Pyramidenorchis blüht in unserer Region von Mitte Mai bis Mitte Juni. Die einzelnen Blüten im Blütenstand öffnen sich von unten nach oben.

Die Pyramidenorchis blüht in unserer Region von Mitte Mai bis Mitte Juni. Die einzelnen Blüten im Blütenstand öffnen sich von unten nach oben.

Noah Hänggi

Die grossblütigen Zuchthybriden, deren Wildformen aus den tropischen Regenwäldern Südostasiens stammen, schmücken unterdessen viele Schweizer Wohnstuben.

Aber es geht auch weniger aufdringlich: In unserer einheimischen Flora finden sich nämlich ebenfalls Vertreter dieser grossen und weltweit verbreiteten Pflanzenfamilie (siehe Kontext). Zwar sind die Blüten der bei uns beheimateten Orchideenarten viel kleiner und unauffälliger, aber deshalb nicht weniger attraktiv als diejenigen ihrer tropischen Verwandten.

So bildet beispielsweise die Pyramidenorchis mit ihren vielen kleinen zarten Einzelblüten einen wuchtigen pyramidenförmigen Kolben aus, den man schon von Weitem zwischen den Gräsern erblicken kann.

Oder etwa das Langblättrige Waldvögelein: Anmutig breitet es seine leuchtend weissen Blütenblätter aus und entblösst so sein kanarienvogelgelbes Inneres.

Artenreiche Familie

Mit rund 30'000 Arten gelten die Orchideen als eine der artenreichsten Familien innerhalb der Blütenpflanzen. Mit Ausnahme der Antarktis besiedeln sie alle Kontinente. Orchideen wachsen in ganz unterschiedlichen Lebensräumen, vom tropischen Regenwald über alpine Gebirgsrasen bis hin zu borealen Nadelwäldern. Während in den Tropen auch Aufsitzerpflanzen vorkommen, gibt es in der Schweiz nur Erdwurzler. Alle einheimischen Orchideen sind mehrjährig und weisen unterirdische Speicherorgane auf, in die sie jeweils Nährstoffe für die kommende Vegetationsperiode einlagern. Orchideensamen sind sehr klein und haben kein Speichergewebe. Für die Keimung sind sie deshalb auf die Symbiose mit im Boden lebenden Pilzen angewiesen, durch die sie zu den benötigten Nährstoffen gelangen. Nach der Keimung kann es mehrere Jahre dauern, bis eine Orchidee zum ersten Mal blüht. (Quelle: Beat A. Wartmann: Die Orchideen der Schweiz. Haupt Verlag, Bern 2008.)

Standorte auch im Niederamt

Wer diese Naturschönheiten bewundern will, muss nicht weit reisen: Im Niederamt gibt es viele Standorte, an denen Orchideen gedeihen. Sie befinden sich meist an den südexponierten Hängen des Jurabogens, weil sich hier noch zwei besonders günstige Orchideen-Habitate gehalten haben: magere Trockenwiesen und -weiden sowie lichte Orchideen-Buchenwälder.

Gute Beispiele hierfür finden sich in Lostorf, Wisen und Erlinsbach. Rund 25 Orchideenarten (von schweizweit insgesamt 75) können hier angetroffen werden. Besonders häufig sind das Männliche Knabenkraut, das Grosse Zweiblatt und die Gefleckte Fingerwurz.

Verführerischer Duft

Etwas seltener sind die verschiedenen Ragwurz-Arten. Letztere greifen für ihre Bestäubung auf einen raffinierten Trick zurück: Ragwurzen ahmen mit ihrem Blütenbau die Behaarung und das Farbmuster von weiblichen Wildbienen nach und imitieren sogar deren Sexualduftstoffe. Dadurch locken sie paarungswillige Männchen an. Beim Versuch, das vermeintliche Weibchen zu begatten, nehmen die getäuschten Männchen den Pollen der Ragwurzblüte auf und übertragen diesen dann – wiederum angelockt durch den imitierten Duft – auf die nächste Blüte.

 Die Kleine Spinnenragwurz wird von Wildbienen bestäubt.

Die Kleine Spinnenragwurz wird von Wildbienen bestäubt.

Noah Hänggi

Blühende Orchideen können im Niederamt das ganze Sommerhalbjahr hindurch gesichtet werden. So öffnet die Kleine Spinnenragwurz ihre Blüten bereits im April, während einzelne Stendelwurz-Arten erst im September zur Blüte kommen.

Der Höhepunkt der Blühsaison liegt aber eindeutig in den Monaten Mai und Juni. Wer noch ungeübt ist im Auffinden von Orchideen, dem sei geraten, den Orchideenlehrpfad in Erlinsbach AG zu besuchen, der vom Verein Arbeitsgruppe Einheimische Orchideen Aargau unterhalten wird.

Dort sind blühende Exemplare mit Schildern gekennzeichnet, und an den Wochenenden stehen Mitglieder des Vereins bereit, um Auskünfte zu erteilen. Da alle Orchideenarten in der Schweiz geschützt sind, gilt: Bewundern und Fotografieren ist erlaubt, Ausgraben oder Pflücken dagegen nicht.

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