«Was ich musikalisch mache, findet man nicht an jeder Ecke», sagt Reno Gabriel. «Das ist gleichzeitig Fluch und Segen.» Denn der 25-Jährige macht nicht etwa Rap- oder Rockmusik, wie man es von einem jungen Musiker erwarten könnte. Am 19. Mai veröffentlicht der Niedergösger, der eigentlich Reno Meier heisst, seine erste Countrysingle.

Doch bis der Sänger in der Countrymusik seine wahre Leidenschaft finden konnte, musste er einen langen Weg gehen. Mit 13 hatte er seine erste Band, eine typische Schülerband, mit welcher er Songs coverte. Erst dann begann er sich für die Gitarre wirklich zu interessieren, welche er seit der dritten Klasse gespielt hatte. «Das war der Moment, als ich begann, mich mehr für Musik und weniger für Fussball zu interessieren», so Reno Gabriel.

Besonders Alternative und Rock spielte er damals. Mit 18 war er sogar in einer Metalband, wurde nach deren Auseinanderleben jedoch wieder etwas ruhiger. Er begann, die akustische Gitarre wiederzuentdecken. Dass er schliesslich zur Countrymusik stiess, war ein Zufall: «Ich sass vor sieben Jahren mal vor dem Fernseher, als die Country Music Awards liefen. Ich dachte zwar, dass das nicht meine Musik sei, aber es lief halt nichts Besseres», lacht er.

Reno Gabriel – Heart Wide Open (Audio)

Reno Gabriel – Heart Wide Open (Audio)

Country kann auch modern sein

Während der Sendung merkte er, dass er sich von Countrymusik stets ein falsches Bild gemacht hatte. Er sei erstaunt gewesen, wie modern die Musik sein könne, mit welcher er früher Cowboys und Linedance verbunden hatte. Nach dem Erlebnis begann der damals 18-Jährige, sich intensiver mit Country zu beschäftigen, bis er 2011 im Coq d’Or in Olten an der Johnny Cash Night seinen ersten Country-Auftritt hatte. Gemeinsam mit einem Freund interpretierte er auf der Bühne Cash auf eine eigene Art und Weise. «Das Feedback war super», so der Sänger. Bis 2013 blieb er dabei, mit seinem Freund Musik zu schreiben. «Wir haben uns auseinandergelebt. Ich habe eigentlich alle Songs allein geschrieben, es hat einfach nicht mehr funktioniert», erklärt Reno Gabriel. So startete er schliesslich vor vier Jahren sein Soloprojekt.

Reno Gabriel begann, Solo-Songs zu schreiben und Demos aufzunehmen. Ohne grosse Hoffnung gab er diese dann an einem Konzert Reto Burrell, Schweizer Sänger und Produzent. Zu seiner Überraschung erhielt er einen Tag später Rückmeldung von Burrell, dass er sich seine Demos angehört und gerne mit ihm zusammenarbeiten würde. «Ich wusste, dass ich nicht mehr weitersuchen musste, dass ich jemanden gefunden hatte, der meine Vision versteht», sagt er. Gemeinsam mit Musikern und Songwriters aus Nashville, der Heimat der Countrymusik, wurde das Album dann produziert.

Nach dem Debüt folgt die Tour

Im Gegensatz zur Debütsingle «Heart wide open», welche am 19. Mai erscheinen wird, veröffentlicht er sein Debütalbum erst im September. «Die Countryszene ist eine Undergroundszene, die man nur kennt, wenn man drin ist», sagt der Sänger. Doch er möchte seine Musik nicht nur in der Szene an den Mann bringen, sondern ein breites Publikum ansprechen. «Was ich mache, ist Pionierarbeit für die Countrymusik in der Schweiz», erklärt Reno Gabriel. Daher wolle er seinem potenziellen Publikum etwas Zeit geben, um die Single zu hören und zu merken, dass Country auch anders sein kann, bevor er ein ganzes Album herausgibt. Was man sich unter dem Album vorstellen kann, welches im Herbst zu kaufen sein wird? «Moderner Country, wie er 2017 klingen sollte», sagt er bestimmt.

Momentan verdient sich Reno Gabriel seinen Lebensunterhalt noch als Polygraf. Um alles mit seiner Musik und der Arbeit unter einen Hut zu bringen, hat er eine einfache Methode entwickelt: «Ich habe mich einfach daran gewöhnt, nicht mehr so viel zu schlafen», lacht er. Sein Ziel sei jedoch, irgendwann von der Musik leben zu können. Dabei gehe es ihm nicht aber um das Geld, sondern darum, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ein Schritt in diese Richtung ist die Liveband, welche er zusammengestellt hat, um nach der Veröffentlichung seines Albums durch die Schweiz zu touren.

Wenn er mit dieser probt, dann wird dies so lange gemacht, bis alles perfekt klingt. «Ich will nicht, dass die Leute sagen, dass wir ganz okay sind. Ich will, dass man von uns begeistert ist», erklärt er seine Motivation. Doch es gibt etwas, das den Sänger noch mehr motiviert, als gutes Feedback zu erhalten: «Wenn ich den Leuten ansehe, dass sie mitfühlen, was ich geschrieben habe, berührt mich das unglaublich.»