Mehrere über 100'000 Franken teure Maschinen und Geräte sind auf wenigen Quadratmetern untergebracht. Die drei kleinen Räume im Untergeschoss eines neu erbauten Einfamilienhauses in Wisen sind das Reich von Silvan Deutschmann. Hier entstehen seine Uhrdesigns, hier finden Kundengespräche statt, hier stellt er das Gehäuse der Uhren her. Zehn bis zwanzig Uhren verkauft er pro Jahr. «Alles Einzelstücke», betont Deutschmann.

Die Faszination für Uhrwerke entstand bei Silvan Deutschmann in den Teenager-Jahren. «Als wir während den Ferien im Vallée de Joux im Jura unterwegs waren, entdeckte ich die vielen Schaufenster, in denen Uhren ausgestellt waren, und ich sah, wie die Uhrmacher an ihrem Pult werkelten», erzählt der heute 25-Jährige.

Ganze Familie ist beteiligt

Daraufhin bewarb er sich für Schnupperlehren in Uhrmanufakturen — «obwohl ich zuvor eigentlich Polymechaniker werden wollte», sagt Deutschmann schmunzelnd. Und schliesslich begann er eine vierjährige Lehre in der Uhrmacherschule des Zeitzentrums in Grenchen. Der Fokus lag damals auf Uhrreparaturen. Trotz des seltenen Berufswunsches stand seine Familie stets hinter ihm: «Meine Eltern freuten sich, weil der Wunsch von mir aus kam», so Deutschmann.

Mittlerweile hat er sowohl seine Eltern als auch seine drei Schwestern mit der Faszination angesteckt. Mit 21 Jahren gründete Silvan Deutschmann nämlich seine Firma: Horlogerie Deutschmann. Seine ganze Familie ist finanziell am jungen Unternehmen beteiligt. Und einmal pro Jahr treffen sich die Gesellschafter der GmbH zu einer Strategiesitzung. Deutschmann: «Meist in Kombination mit einem Mittag- oder Abendessen natürlich.»

«Prédéfini», «Modifié» oder «Onirique»

Noch betreibt Deutschmann die Firma nebenberuflich. «Aber es ist schon mehr als ein Hobby.» Daneben muss aber sein Studium zum Wirtschaftsingenieur Platz haben. Deutschmann befindet sich im letzten Semester, kurz vor dem Bachelor-Abschluss im Sommer. Die Zeit an den Abenden und Wochenenden investiert der Student in seine Designs.

Dabei konzentriert er sich auf drei Arten von Uhren: Deutschmanns Kunden können auswählen aus «Prédéfini», «Modifié» und «Onirique». Das heisst: «Sie können eine Uhr aus der bestehenden Kollektion auswählen, sie ändern eine Kollektions-Uhr nach ihren Wünschen ab oder sie geben eine Uhr nach ihren Vorstellungen bei uns in Auftrag», erklärt der gelernte Uhrmacher. Für eine Deutschmann-Uhr zahlt der Käufer dann 3500 Franken und mehr.

Er legt Wert auf «maximale Swissness»

Etwas haben aber alle Uhren, die in der Manufaktur in Wisen entstehen, gemeinsam: Geschätzte 95 Prozent der Materialien kommen aus der Schweiz. «Ich achte sehr stark auf ‹maximale Swissness›», so Deutschmann. Dieses Label zeige nämlich, dass die Uhr hohen Standards entspreche. In seiner Werkstatt fertigt er Ziffernblätter, Gehäuse und Zeiger an. Deutschmann: «Die Uhrwerke und die Armbänder kaufen wir bei Schweizer Herstellern ein.»

«Maximale Swissness» ist für Deutschmann nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern auch ein Verkaufsargument. «Die Uhr hat mittlerweile ihren praktischen Nutzen verloren. Wir alle schauen auf unser Smartphone, wenn wir die Uhrzeit wissen wollen.»

Dennoch gebe es eine Nachfrage nach Designer-Uhren. Denn: «Heute ist eine Uhr ein Schmuckstück, das Individualität und einen bestimmten Lifestyle ausstrahlen soll», erklärt Deutschmann, der bei seinen Designs auch Wert auf Schlichtheit und Tragekomfort legt. Und eine Uhr bei der Horlogerie Deutschmann zu kaufen, soll für den Kunden denn auch «ein Erlebnis sein».