April 2012, in der Leoni Studer AG in Däniken steht das Inventar an. Mehrere Spulen Kupferlitze, Kupferseil und Kupferband fehlen – insgesamt rund 15 Tonnen Kupfer im Wert von 175'309 Franken. Geklaut haben sollen es laut der Staatsanwaltschaft die drei Angestellten Nenad B.*, Andreas K.* und Adnan P.* zwischen dem 25. Oktober 2011 und dem 16. Mai 2012.

Adnan P. wurde bereits im Kanton Aargau verurteilt, der 33-jährige Nenad B. und der 46-jährige Andreas K., beide im Niederamt wohnhaft, mussten sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen unter der Leitung von Amtsgerichtspräsidentin Eva Berset verantworten. Auch angeklagt war Zoran S.*, 28, welcher bei den Diebstählen als Gehilfe und Hehler gedient haben soll. Während der rund sechsstündigen Verhandlung verstrickten sich die beiden ehemaligen Mitarbeiter in aus Widersprüchen gewobenen Netzen, während Zoran S. seine Beteiligung an den Diebstählen komplett abstritt.

Nenad B. war bei der Befragung als Erster an der Reihe. Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl in 11 Fällen wird ihm vorgehalten. Die genauen Zeitpunkte habe er vergessen, aber die Diebstähle hätten wie in der Anklageschrift beschrieben stattgefunden, gab er zu. Nenad B. versucht aber, einen Grossteil der Schuld auf seinen Kollegen Andreas K. zu schieben: «Als ich im Oktober 2011 angefangen habe, bei der Leoni Studer AG zu arbeiten, hat Andreas schon zwei Jahre dort gearbeitet.»

Nach einigen Wochen habe Andreas K. ihm erzählt, dass er Kupfer in Sporttaschen abtransportiere und verkaufe. «Er hat mich gefragt, ob ich einen Abnehmer für grössere Kupfermengen kenne», so Nenad B. Der Anstoss sei deutlich von Andreas K. gekommen. Nenad B. hat darauf Zoran S. empfohlen, dessen Garage gleich neben Nenads Hobbyraum lag, und welcher mit der Verwertung von Autos und Maschinen arbeitete.

Widersprüche in den Antworten

«Ich habe die Kupferrolle mit dem Gabelstapler zum Tor gebracht, er hat mit dem Lieferwagen gewartet. Dann hat er das Auto zum Bahnhof gebracht», erklärt Andreas K. den Ablauf eines Diebstahls bei seiner Befragung. Ihm werden sieben Diebstähle vorgeworfen, die er gemeinsam mit Nenad B. verübt haben soll. Die anderen vier Diebstähle soll Letzterer alleine begangen haben.

Auch Andreas K. ist geständig – etwas zu geständig. «Nein, es ist kaum möglich. Bei schweren Spulen braucht man jemanden, der einem hilft», erklärte er, als er auf die Alleingänge des Partners angesprochen wurde. Ob er denn mehr als die sieben vorgehaltenen Diebstähle begangen habe? «Nein, ich glaube, das sind alle», versucht er sich rauszureden.

Zu Beginn der Befragung sagte Andreas K., er und Nenad B. seien gleichberechtigt gewesen, später erklärte er, Nenad sei klar der Chef gewesen: «Er hat einfach gesagt, ich soll es bereitstellen, und er erledigt den Rest. Mit dem Verkauf hatte ich nie irgendetwas zu tun», bekräftigt er. Den Käufer Zoran S. habe er nur ein einziges Mal gesehen.

Angeklagter streitet alles ab

Die Schleier, die sich während der ersten zwei Befragungen über den Fall gelegt hatten, konnten auch durch die Befragung von Zoran S. nicht gelüftet werden: Dieser stritt die gesamte Sache ab. «Ich habe ihn noch nie gesehen!», sagte er über Andreas K., und Nenad B. soll er zwar gekannt haben, Metall habe er ihm jedoch nie abgekauft. Weshalb sein Lieferwagen auf den Überwachungskameras der Leoni Studer AG gesehen wurde? «Ich habe ihm den Wagen zum Zügeln ausgeliehen. Ich hatte keine Ahnung, dass er damit etwas Illegales tut.»

In seiner Garage sind zwar Kabelumhüllungen aus Kupfer gefunden worden, die der Leoni Studer zugewiesen werden können – ob diese als Beweis seiner Schuld dienen, ist unklar. Staatsanwältin Judith Zimmermann ist der Meinung, er habe diese nicht auf legale Weise erwerben können, sein Verteidiger denkt, dass dies möglich gewesen sei. Er forderte für seinen Mandanten einen Freispruch und eine Genugtuung für drei Tage Untersuchungshaft von 600 Franken und eine Entschädigung von 900 Franken.

Freiheits- oder Geldstrafen?

Auch die anderen Verteidiger versuchten, für ihre Klienten das Beste rauszuholen. Matthias Aeberli forderte eine Geldstrafe von 330 Tagessätzen und eine Probezeit von einem Jahr für seinen Mandanten Nenad B. Oliver Wächter, Verteidiger von Andreas K., ging in seinem Plädoyer in die Offensive und feuerte schonungslos gegen Nenad B. Sein Mandant habe nur die Rolle eines Gehilfen gespielt. Wächter forderte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 30 Franken und eine Probezeit von zwei Jahren. Den Vorwurf der Gewerb- und Bandenmässigkeit stritten beide Verteidiger ab.

Die Staatsanwältin sah dies anders: Sie verlangte für Nenad B. eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, 12 davon bedingt, mit einer Probezeit von 3 Jahren. Für Andreas K. solle es eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten, 8 davon unbedingt, und eine Probezeit von 3 Jahren geben.

Zum Schluss erklärte sie, dass auch Zoran S. schuldig zu sprechen sei, und verlangte für ihn eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten und eine Geldstrafe von rund 5000 Franken. – Das Urteil wird demnächst schriftlich eröffnet.

*Namen der Redaktion bekannt