Der Ausbau des Bahnhofs Bern soll in mehreren Teilschritten erfolgen. Zunächst erhält der Regionalverkehr Bern- Solothurn (RBS) mehr Platz, anschliessend realisiert die SBB eine seitliche Erweiterung der Perronhalle mit vier neuen Gleisen.

Das geht aus dem Gesamtkonzept hervor, das die Verantwortlichen von Stadt und Kanton zusammen mit den Bahnunternehmen am Dienstag in Bern präsentierten. Bis zum Jahr 2035 dürften schätzungsweise 1,8 Milliarden Franken verbaut werden.

Der Bahnhof Bern ist nach Zürich der zweitwichtigste Bahnknoten der Schweiz. Das Gedränge ist schon heute gross. Ursprünglich waren deshalb zwei neue Tiefbahnhöfe für RBS und SBB geplant. Doch das Ende 2008 präsentierte «Jahrhundertprojekt» erwies sich als zu kostspielig.

Die Partner des Projekts «Zukunft Bahnhof Bern» prüften deshalb 19 Alternativen. Die nun präsentierte Lösung ist nach Ansicht des externen Gutachters Ulrich Weidmann «nicht revolutionär, aber zweckmässig».

Verzichtplanung beim RBS

Vorrang hat der RBS, der in Bern mit besonders grossen Kapazitätsproblemen kämpft. Abhilfe schaffen soll entweder ein neuer Tiefbahnhof oder eine Erweiterung des heutigen Kopfbahnhofs. Beide Varianten kosten etwa 520 Millionen Franken, entscheiden wollen sich die Verantwortlichen bis Ende 2012.

Der RBS-Tiefbahnhof sollte ursprünglich fast 800 Millionen Franken kosten, jetzt wäre er deutlich günstiger zu haben. RBS- Direktor Fabian Schmid erklärte dies mit «Verzichtplanung». Unter anderem habe man die geplante Gleiswendeanlage fallengelassen und «verschiedene Optimierungen gefunden».

Die Bauarbeiten für den RBS gehören zum ersten Ausbauschritt 2015- 25. In dieser Phase werden zudem für 300 Millionen Franken die Publikumsanlagen mit einer neuen Westpassage und dem Zugang Bubenberg ergänzt. Die Leistungsfähigkeit der SBB-Zufahrten soll mit Entflechtungen im Wylerfeld und in Holligen erhöht werden.

Zukunftsmusik bei der SBB

Der markante Ausbauschritt für die SBB erfolgt aber erst ab 2025, wenn die heutige Perronhalle um vier zusätzliche Gleise unter der Grossen Schanze ergänzt wird. Das dürfte nochmals 700 bis 1000 Millionen Franken kosten - was immerhin deutlich weniger ist als der einst geplante SBB-Tiefbahnhof.

Die SBB hatten bereits vor Jahresfrist signalisiert, dass sie auf einen eigenen Tiefbahnhof verzichten könnten. Die nun vorgesehene Etappierung sei sinnvoll, weil sie sich an der Dringlichkeit orientiere, sagte Philippe Gauderon, Leiter Division Infrastruktur SBB.

Die seitliche Erweiterung der Perronhalle mache auf dem Normalspurnetz ja erst dann Sinn, wenn die Leistungsfähigkeit der Zufahrten im Osten und Westen erhöht sei, betonte er.

Weniger glücklich ist wohl die BLS: Sie muss sich gedulden, bis endlich zusätzliche Perronanlagen zur Verfügung stehen. In der Zwischenzeit will sie die Kapazität mit dem Kauf neuer Doppelstockzüge verbessern, wie BLS-Chef Bernard Guillelmon in Erinnerung rief.

Hoffnung auf Bundesgelder

Die kantonale Baudirektorin Barbara Egger sieht im Gesamtkonzept einen «breit abgestützten Lösungsweg». Wie der milliardenschwere Ausbau finanziert werden kann, will der Kanton mit dem Bund klären. Geld erhofft man sich vom Infrastrukturfonds, aber auch von der neuen Vorlage «Finanzierung und Ausbau von Infrastruktur» (Fabi).