An der Gemeindeversammlung vom Dienstag herrschte Konfusion. Denn in der Eintretensdebatte zum Antrag des Gemeinderates, die Liegenschaft Pfarrgasse 10 zu erwerben, wurden die Anwesenden ausgerechnet von einer der Verkäuferinnen gebeten, auf den Kauf zu verzichten.

Unter Tränen erklärte eine Frau als Betroffene der Erbengemeinschaft, dass das Vorhaben, das Haus als Asylunterkunft zu nutzen, nicht ihrem Willen entspreche und niemals im Sinne ihrer Familie als bisherige Eigentümerin sei. Die Uneinigkeit in der Erbengemeinschaft sei nicht Sache der Gemeinde, entgegneten eine Votantin und der Gemeindeverwalter.

Bruno Benz verwies darauf, dass die ihm vorliegenden Vollmachten von allen Parteien der Verkäufer unterschrieben worden seien – und dies betreffe nicht nur die Verkaufsverhandlungen, sondern auch den Mietvertrag für die obere Wohnung, in der die Gemeinde bereits Asylsuchende einziehen lässt.

Zwar kam es zur geheimen Abstimmung, weil ein Fünftel der Anwesenden dem entsprechenden Antrag von Richard Rubin (SVP) zustimmte. Doch die SVP blieb mit ihrem Widerstand, den sie letzte Woche in einer Flugblatt-Aktion öffentlich gemacht hatte, auf verlorenem Posten. Die Auszählung der Stimmzettel ergab, dass 62 Anwesende den Kauf – Preis 890'000 Franken – befürworten, während 25 ihn ablehnen. Der Antrag von SVP-Seite, es sei zum Kauf eine Volksabstimmung durchzuführen, verpasste das dafür notwendige Quorum um zwei Stimmen. (bea)