Solothurn

Müslüm glaubt nach wie vor an die Liebe

Ist jetzt der Samichlaus: Müslüm präsentierte sein neues Lied. Foto: ZVG

Ist jetzt der Samichlaus: Müslüm präsentierte sein neues Lied. Foto: ZVG

Müslüm ist zurück: Als Samichlaus plädiert er erneut für die Liebe und gegen den Fremdenhass. Am Samstag hatte die Kunstfigur des Komikers Semih Yavsaner einen Kurzauftritt im «eleven».

Der Samichlaus spricht dieses Jahr mit schwerem türkischem Akzent: Müslüm, Kultfigur und Medienliebling seit seinem Song «Erich, warum bisch du nid ehrlich», hat sich den Job geangelt. Der Klischeetürke hat den pinkfarbenen Armani-Anzug, in dem er bekannt wurde, eingetauscht gegen Chlausenrobe und -mütze, ein Rauschebart ergänzt neu die wild wuchernden Augenbrauen.

In der Nacht auf Sonntag hatte Müslüm alias Semih Yavsaner im «eleven» in Solothurn einen Kurzauftritt. Neben dem «Erich»-Lied, das mittlerweile auf der Videoplattform YouTube bei fast einer halben Million Klicks angelangt ist, präsentierte er seinen neuen Song: In «Samichlaus», einem Türkpop-Ohrwurm wie dem Vorgänger, singt Müslüm davon, wie er schwarze Schafe ausschafft. Hat Müslüm, der sich in seinem ersten Lied noch über SVP-Heisssporn Erich Hess lustig machte, pünktlich zur Abstimmung über die Ausschaffungsinitiative eine politische Kehrtwende vollzogen? Er hat nicht: Der Dreh sei, erklärt Semih Yavsaner nach dem Auftritt im «eleven», dass es für Samichlaus Müslüm gar keine schwarzen Schafe zum Ausschaffen gebe.

Müslüm will kein Politiker sein

Tatsächlich ist «Samichlaus» ein Müslüm-typisches Plädoyer für Toleranz und für sein Kernanliegen – die Liebe. «Wir sind alle anders, aber glaub mir, wir sitzen im gleichen Schlitten», singt Müslüm. Auch der Seitenhieb auf die SVP fehlt nicht: Herr Mörgeli heisst der Nachbar von Samichlaus Müslüm, der sich als Hobbypolizist gebärdet und so die Harmonie zwischen Schweizern und Ausländern gefährdet.

Als politischen Künstler sieht sich der 31-jährige Berner Komiker Semih Yavsaner trotz allem nicht. Er habe sich ursprünglich lediglich für die Erhaltung der Kulturinstitution Reitschule einsetzen wollen, sagt Yavsaner, und das sei dann ungewollt politisch geworden. Trotzdem wird im Gespräch deutlich, dass es dem 31-jährigen Komiker mit der Kunstfigur Müslüm um mehr als Klamauk geht: Müslüm, sagt Yavsaner, das sei die Geschichte vom Underdog, der die Arroganten in die Falle tappen lässt. Der dadurch, dass er den Klischees entspricht, Vorurteile aufdeckt. Der Angstmacherei mit dem Ruf nach Liebe begegnet. «Ich versuche, ein Gegenpol zu sein», sagt Yavsaner.

Die Plattform, über die er seit dem Erfolg von «Erich, warum bisch du nid ehrlich» verfügt, will Yavsaner nutzen, um Alternativen aufzuzeigen zu einer Politik, die wenig mit der Realität zu tun hat, wie sie der Sohn türkischer Einwanderer kennt. «Es gibt nicht nur den Ivan aus der SVP-Kampagne, sondern eben auch Semih», sagt Yavsaner. Und als Samichlaus Müslüm ist dessen Kernanliegen immer wieder die Liebe, die er gerade jetzt – nach der Ausschaffungsinitiative und in der Vorweihnachtszeit – wieder schmerzlich vermisst. Voraussichtlich im April wird Müslüm seine Botschaft in Albumlänge verbreiten.

Info: Das Video zur neuen Müslüm-Single «Samichlaus» findet sich ab heute auf www.müslüm.ch

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