Am 2. August 1952 trat das in Neuenburg gebaute Motorschiff Romandie I seine viel beachtete offizielle Einweihungsfahrt nach Solothurn an. Mit der Romandie I wurde die lange Jahre aufgegebene Aare-Schifffahrt wieder aufgenommen.

1960 verkaufte die Firma Koelliker aus Neuenburg, die 1966 in der fusionierten Bielersee Schifffahrt (BSG) aufging, die Romandie I. Fortan verkehrte das rund 20 Meter lange, für 130 Personen ausgerichtete Motorschiff auf dem Hallwilersee. Dort avancierte das zur «Seetal» umgetaufte Schiff «zum Liebling des Publikums». Das Zitat ist im Internet auf der Homepage des Vereins «Kulturschiff.ch» nachzulesen.

Der in Biel domizilierte Verein hat Ende Oktober 2009 die Romandie I von der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee erworben. Nun soll das Schiff ab diesem Sommer wieder auf den Juragewässern kreuzen.

Bern und Solothurn als Geldgeber

Das von den Käufern ausgearbeitete Sanierungs- und Betriebskonzept muss gut sein. Die Regierungsräte der Kantone Bern und Solothurn überzeugte es jedenfalls: Im November 2009 bewilligten die Berner «an die Modernisierung des 1952 erbauten, historisch bedeutenden Motorschiffs» 232000 Franken aus dem Lotteriefonds. Drei Wochen später folgten die Solothurner mit einem Beitrag von 50000 Franken. «Das Schiff muss innen komplett ausgehöhlt und neu aufgebaut werden. Ebenfalls muss die Schiffstechnik auf den neusten Stand gebracht werden», heisst es im Solothurner Regierungsbeschluss. Die gesamten Investitionskosten würden sich auf 695000 Franken belaufen. Der einzigartige Charakter des Schiffes werde beibehalten.

Vorgesehen war, dass die Romandie I ab diesem Frühling «als Mietschiff in fünf Kantonen, auf drei Seen, zwei Kanälen und auf der Aare» verkehrt. «Das Schiff ist noch nicht ganz fertig. Es liegt im Bieler Hafen. Derzeit erhält es von Spezialisten den letzten Schliff. Ab Mitte Juni werden wir bereit sein», erklärt Patrick Bucher, der den Verein Kulturschiff nach Aussen vertritt.

Der «gemeinnützige und nicht gewinnorientierte Verein» habe eine Firma mit dem Betrieb des Schiffes beauftragt, sagt Bucher. Details zum Konzept möchte er derzeit noch nicht verraten. Auch nicht, wer hinter dem Verein steht. «Es sind Leute aus dem ganzen Kanton Bern.»

Für exklusive Kundschaft?

Auch der Geschäftsführer der Bielersee Schifffahrt (BSG), Thomas Erne, wüsste gerne mehr: «Ich kenne Bucher, und wir reden ab und zu miteinander.» Soviel er wisse, werde die Romandie I für eine exklusive Kundschaft eingerichtet. «Konkurrenz ist nie schlecht. Aber wir sind für die breite Bevölkerung da», erklärt Erne die unterschiedlichen Angebote.

Übrigens: Mit dem Saisonstart ist Erne sehr zufrieden: «An den vergangen Tagen herrschte ideales Wetter für die Schifffahrt.»

www.kulturschiff.ch