Olten
Mit Stromeffizienz und erneuerbaren Energien in die Zukunft

Braucht es neue AKW? Sind Stromeffizienz und erneuerbare Energien Alternativen? Darüber gehen die Meinungen auseinander, auch an einem Podium im Oltener Bahnhofbuffet.

A0driana Gubler
Drucken
Teilen
Dem Energiepodium im Oltner Bahnhofbuffet wohnten beachtlich viele Interessierte bei. markus müller

Dem Energiepodium im Oltner Bahnhofbuffet wohnten beachtlich viele Interessierte bei. markus müller

Solothurner Zeitung

Schon der «Menschenstrom gegen Atom»-Flyer, der dem Besucher beim Betreten des Saales zugesteckt wird, verrät, dass man an diesem Donnerstagabend im Bahnhofbuffet nicht bei den Freunden der Kernkraftwerke gelandet ist. WWF AG und SO, NWA (Nie wieder Atomkraftwerke) AG und SO, SP AG und SO, Grünliberale SO, Fokus AntiAtom sowie Grüne AG und SO haben sich zusammengerauft, um eine Podiumsveranstaltung namens «Stromeffizienz und erneuerbare Energien – Wirtschaftliche Alternative zu Grosskraftwerken» auf die Beine zu stellen.

Studien und Gegenstudien

Im Zentrum der Podiumsdiskussion stand die letztjährige Studie von Infras und TNC Consulting AG, die unter anderem von WWF, Greenpeace und den Kantonen Genf und Basel-Stadt in Auftrag gegeben wurde. Die Stromwirtschaft hat errechnet, dass der Schweiz 2035 30 Terawattstunden Strom fehlen. Infras und TNC Consulting AG haben zwei Varianten zur Deckung dieses Bedarfs ausgearbeitet und verglichen: Bei der ersten würde der Mehrverbrauch an Strom mit neuen Grosskraftwerken wettgemacht werden; die zweite sieht mehr Stromeffizienz und damit Stromeinsparungen vor in Verbindung mit erneuerbaren Energien. Ulrike Saul, Verantwortliche Klima und Energie WWF Schweiz, strich Variante zwei in ihrem Referat als «beste Lösung» heraus, weil sie im Gegensatz zur Atom-Variante auf Lebenszeit gesehen rentabel sei. Zudem sei sie ökologisch sinnvoller und biete eine sicherere Stromversorgung. Und ihre wichtigste Erkenntnis: Der künftige Strombedarf lasse sich ohne neue Atom- und Gaskraftwerke decken. Alles Argumentationen, die Saul aus den Ergebnissen der Studie herausgegriffen hat.

Lukas Gutzwiller vom Bundesamt für Energie, einer der vier Diskussionsgäste, relativierte den Gehalt der Studie jedoch unterschwellig: «Wir vom Bundesamt haben eine eigene Studie machen lassen, die eine längere Zeitdauer und mehr Geld erforderte und von einer breiteren Expertengruppe durchgeführt worden war. Wir haben eigene Ergebnisse.»

Diskurs um politischen Willen

In der nachfolgenden Diskussion sprachen Moderatorin Daniela Püntener von Radio 32, Lukas Gutzwiller (Grüne BE), Marcus Diacon, Amt für Umwelt und Energie Basel, Josef Jenni (EVP BE), Solarpionier, und Urs Steiner (FDP BL), Geschäftsführer Elektra Baselland auf die Punkte Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit der Energieträger und den fehlenden politischen Willen gegenüber erneuerbaren Energien an. Eine faktenlastige und kontroverse Diskussion wollte sich nicht so recht einstellen.

Es gab dennoch einige bemerkenswerte Voten. Zum politischen Willen, meinte Gutzwiller etwa: «In den letzten fünf Jahren ist energiepolitisch einiges passiert, beispielsweise mit dem Gebäudesanierungsprogramm. Aber natürlich muss aus grüner Sicht noch mehr passieren.» Jenni sind diesbezüglich vor allem die Bürgerlichen ein Dorn im Auge: «Sie haben noch nicht gecheckt, dass wir mit den Grosskraftwerken wirtschaftlich auf dem Holzweg sind.» Dem hielt der Baselbieter FDPler Steiner entgegen: «In den nächsten Jahrzehnten brauchen wir die Grosskraftwerke mit Sicherheit noch.» Nicht so aus Sicht des Baslers Marcus Diacon («Kernkraftwerke sind nicht wirtschaftlich») und des Berners Jenni: «Kernkraftwerke sind nicht zu verantworten gegenüber den kommenden Generationen. Unabhängig davon, dass wir den Strom brauchen.»

Abstimmungen im Bahnhofbuffet

Zum Schluss zog Moderatorin Püntener die 2013/14 bevorstehenden Abstimmungen vor: Neue Kernkraftwerke – Ja oder Nein? Die vier Teilnehmer sollten ihre Meinung äussern. Diacon und Jenni stimmten dagegen, Steiner dafür. Und Gutzwiller blieb neutral, weil er die Meinung des Bundesrates vertrete, die derzeit noch nicht gemacht ist. Man kann sich aber denken, wie der Bundesbeamte, der sich in der Diskussion plötzlich als Grüner Politiker outete, persönlich abgestimmt hätte.

Aktuelle Nachrichten