Bucheggberg
Mit dem fahrenden Laden unterwegs

Seit Mitte Januar ist im Bucheggberg ein fahrender Einkaufswagen unterwegs. Damit kann dort stundenweise eingekauft werden. Wir zeigen was.

Rahel Meier
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Solothurner Zeitung

Betrieben wird der Wagen von Franz Bieri. Er führt seit 2005 den Denner-Satelliten Markthof in Lengnau, ist aber bereits seit 1991 als selbstständiger Unternehmer tätig. Bieri betreibt schon seit Jahren vom Markthof aus einen Heim-Lieferservice. «Dieser wird vor allem von älteren, nicht mehr so mobilen Menschen benützt.» Er sei immer wieder darauf angesprochen worden, dass es in den kleineren Dörfern keine Einkaufsmöglichkeit mehr gebe. Deshalb hat Bieri die Initiative ergriffen und einen Einkaufswagen, wie man ihn noch von früher her kennt, eingerichtet. «Ich habe einiges investiert. Und es ist gut angelaufen.»

Gefahren wird der Wagen von Norbert Löwe. Er ist eher zufällig zu diesem Job gekommen, da seine Frau schon seit Jahren im Markthof arbeitet. «Aber eigentlich komme ich aus einer ganz anderen Branche.» Löwe hat sich voll in seine neue Aufgabe hineingekniet. «Ich habe mir genau überlegt, was ich im fahrenden Eikaufswagen brauche. Ich habe die Routen zusammengestellt und mit den Gemeinden und den Restaurants Kontakt aufgenommen, damit ich einen Platz habe, an dem ich das Fahrzeug hinstellen kann.»

Das Angebot ist vielfältig: Mehl, Mayonnaise, Schokolade, Waschmittel, Toilettenpapier, Mineralwasser, Hunde- und Katzenfutter. Aber auch Bier, Zigaretten und Heftchen können erstanden werden. Da im Denner in Lengnau Frischwaren geführt werden, und es auch eine Frisch-Metzgerei hat, gibt es auch im fahrenden Wagen frisches Brot, frisches Gemüse und Früchte, Milchprodukte und Fleisch. Das Sortiment wird laufend an die Kundenwünsche angepasst. «Kein Produkt im Wagen ist teurer als im Laden», so Löwe. Auch Aktionen würden an die Kundschaft weitergegeben.

Bestellungen aufgeben

Der Laden fährt die Gemeinden Rüti, Arch, Nennigkofen, Biezwil, Gossliwil, Bibern, Gächliwil, Tscheppach, Buchegg, Mühledorf und Aetigkofen an. Aber auch in Romont, Vauffelin und Plagne ist der Wagen anzutreffen. Ebenso in den bergwärts gelegenen Quartieren in Grenchen und neu auch in Staad. «Wir gehen überall dorthin, wo wir willkommen sind», erklärt Bieri.

Der Wagen bedient die Dörfer in der Regel zweimal pro Woche. So kann die Kundschaft auch Bestellungen mit etwas spezielleren Wünschen aufgeben – das nächste Mal wird geliefert. Rund 45 Minuten lang steht der Wagen jeweils in einem Ort. Rund 15 Minuten braucht Norbert Löwe dann von einer Ortschaft zur anderen. «Das Fahrzeug kann nur mit 40 fahren», meint er dazu. «Das ist aber gar nicht so schlecht. Wäre ich schneller unterwegs und müsste abrupt bremsen, würde im Wagen alles durcheinandergeschüttelt.»

Unterschiedliche Reaktionen

Die Reaktionen auf das Angebot sind unterschiedlich. In Nennigkofen wurden die Behörden überrascht, finden die Idee aber positiv und machen deshalb auf ihrer Homepage auf das neue Angebot aufmerksam. «Wir haben keinen Dorfladen mehr», begründet Gemeindepräsident Herbert Schluep. Tatsächlich äussert sich die Kundschaft vor Ort erfreut. «Ich kann hier die Artikel für den täglichen Bedarf einkaufen», meint eine Kundin, die gerade aus dem Wagen kommt. Dabei kann sie erst noch gemütlich schwatzen, weil zufällig auch noch ihre Schwester vorbeikommt. Norbert Löwe hat den Umgang mit seiner Kundschaft gerne. «Es macht einfach Freude, weil die meisten Leute gerne hierher kommen.» 90 Prozent seiner Kundschaft sei weiblich, der grösste Teil im Pensionsalter, so Löwe. Darum ist es für ihn selbstverständlich, auch mal beim Tragen zu helfen oder gar ein Pack Mineralwasser schnell nach Hause zu bringen.

Verena Meyer (Gemeindepräsidentin Mühledorf) hat eher Angst, dass der Einkaufswagen die Bäckerei im Dorf konkurrenziert. «Immerhin führt die Bäckerei auch noch einige Lebensmittel, und ich möchte natürlich, dass dieser Laden bestehen bleibt.»

Sabine Anderegg (Gemeindepräsidentin Kyburg-Buchegg) begrüsst das neue Angebot. Der Verkaufswagen entspreche sicher einem Bedürfnis, da der öffentliche Verkehr in Kyburg-Buchegg so schlecht sei, dass Personen ohne private Mobilität auf ein solches Angebot angewiesen seien. In der Gemeinde gibt es aber auch noch eine Käserei, die zweimal die Woche morgens und zweimal abends geöffnet ist und am Samstag den ganzen Tag.