Egerkingen
«Mimi» Bischofberger ist die beste Lehrmeisterin

Der Gasthof Kreuz in Egerkingen sorgt einmal mehr für positive Schlagzeilen. Das von drei Fachverbänden lancierte Projekt «Zukunftsträger» hat Irmgard Bischofberger, genannt Mimi, zur besten Lehrmeisterin der Schweiz gekürt.

Erwin von Arb
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Tanja Hänni, Michaela Studer, Jessica Bucher, Corinne Knüsel und Fabienne Kiefer (v. l.) tragen ihre Chefin Mimi alias Irmgard Bischofberger auf Händen. HR

Tanja Hänni, Michaela Studer, Jessica Bucher, Corinne Knüsel und Fabienne Kiefer (v. l.) tragen ihre Chefin Mimi alias Irmgard Bischofberger auf Händen. HR

Solothurner Zeitung

«Unsere Chefin ist die Lehrmeisterin des Jahres, weil sie die geborene Gastgeberin ist, weil sie ein Vorbild ist, weil sie uns gut vorbereitet, weil sie uns hilft, weil sie uns die Chance gibt, zu lernen, weil wir sie gern haben, weil sie uns zuhört, weil sie wie unsere zweite Mutter ist.»

Mit diesen sowie 15 weiteren nicht minder respekt- und liebevollen Empfehlungen schafften es fünf im «Kreuz» in der Ausbildung befindliche Hotelfachfrauen (Hofa), die Jury des von der Bäcker-, der Metzger- und der Gastrobranche lancierten Wettbewerbs um den besten Lehrmeister des Jahres auf sich aufmerksam zu machen.

Genügt hätte eine einfache Postkarte oder eine Online-Anmeldung. Doch die Lernenden Michaela Studer, Anja Hänni, Jessica Bucher, Fabienne Kiefer und Corinne Knüsel sandten einen 28 Seiten starken Einband ein.

Auch der Chef «ist super»

Dass es diesmal nicht um den in den Medien omnipräsenten Patron Louis Bischofberger geht, finden die sechs jungen Frauen in Ordnung: «Unser Chef ist super.» Gross ist die Freude bei der 56-jährigen Mimi Bischofberger: «Ich war völlig überrascht und habe mich natürlich sehr über das Engagement meiner Lehrlinge gefreut. Den Preis empfinde ich als Wertschätzung und Zeugnis für meine Arbeit.»

Louis Bischofberger ist der Überzeugung, dass seine Mimi den Preis mehr als verdient hat. Zu schätzen wisse er insbesondere ihre Beharrlichkeit und die von ihr ausgehende Ruhe. «Um mich herum ist das eine beachtliche Leistung», meint der 55-Jährige augenzwinkernd.

Louis war Mimis Stift

Mimis Beharrlichkeit dürfte denn auch mit ein Grund sein für den seit nunmehr 21 Jahren anhaltenden Erfolg der Bischofbergers im «Kreuz» in Egerkingen. Kennen gelernt hat sich das Paar im Jahr 1973 im Hotel Palace Montreux, wo Mimi als gelernte Köchin den damaligen Stift Namens Louis Bischofberger unter ihre Fittiche nahm. Mimi bemerkt bald, dass Louis beim Kochen ein besonderes Händchen hatte und vor Kreativität nur so sprühte. Noch viel wichtiger sei für sie damals gewesen, dass Louis Ziele und Visionen hatte. «Ein Mann ohne Perspektiven wäre für mich nie infrage gekommen, ich wollte Karriere in der Gastrobranche machen», so Mimi.

Note 5,31 im Durchschnitt

Zehn bis zwölf Ausbildungsplätze bietet das «Kreuz» im Durchschnitt an. Dort lernen zu dürfen, ist offenbar ein Privileg, stehen doch Auszubildende aus dem «Kreuz» bei den Lehrabschlussprüfungen seit Jahren regelmässig zuoberst auf dem Podest. Allein Mimi Bischofberger hat bis im Jahr 2010 rund 100 Lehrlinge in den Sparten Servicefachangestellte, Hotelfachangestellte/Hotelfachfrau, Gastronomiefachangestellte und Direktionsassistent/in erfolgreich ausgebildet. Bemerkenswert ist dabei der Notendurchschnitt, der über alle Bereiche stolze 5,31 beträgt. 20-mal holten Mimis Lehrlinge bei Abschlussprüfungen den 1.Rang, 9 belegten den 2., 5 den 3. Rang.

Wie sind solche Erfolge zu erreichen? Dies fängt bereits bei der Rekrutierung an, wie Mimi Bischofberger verrät. Ohne Schnupperwoche geht nichts, ein Welschlandjahr ist Pflicht. Nicht nur der Sprache, sondern auch der Lebenserfahrung wegen. Weiter wird auf gepflegtes Auftreten sowie ein fröhliches und ausgeglichenes Wesen geachtet.

Alle dürfen sich aktiv an Kreation beteiligen

Wer einmal im «Kreuz» angekommen ist, fühlt sich bald als Mitglied einer grossen Familie, wo gemeinsam und offen diskutiert wird. Bei der Kreation von neuen Speisen oder Ideen dürfen sich alle aktiv beteiligen. Kein Geheimnis wird ferner aus den Umsatzzahlen gemacht. «Das schafft Vertrauen und fördert die Eigenverantwortung eines jeden», ist Mimi Bischofberger überzeugt.

Info: Die «Lehrmeister des Jahres 2011» werden am Donnerstag, 26. Mai, in Zürich ausgezeichnet. Die Erstplatzierten erhalten ein Preisgeld von je 10000 Franken, das nur zweckgebunden im Betrieb eingesetzt werden darf. Sachpreise im Gesamtwert von 8000 Franken stehen für die Lernenden bereit.