«Es sieht eher aus wie in einem Bergwerk als wie in einer Kirche», räumt auch Stadtpfarrer Paul Rutz, «Hausherr» der St. Ursen-Kathedrale leicht fatalistisch ein. Denn auf den kilometerlangen Gerüsten, die das ganze Kirchenschiff bis unter die Kuppel ausfüllen, sind täglich 20 bis 25 Mann beschäftigt, den Russ des fatalen Brandanschlag vom 4. Januar zu beseitigen und gleichzeitig alles fachgerecht zu restaurieren.

«Wir arbeiten von unten nach oben und von Westen nach Osten. Denn wir müssen die Orgel möglichst rasch frei haben», erklärt St.-Ursen-Architekt Pius Flury. «Am 30. September 2012 soll die Kirche wieder eingeweiht werden», nennt Kirchgemeindepräsident Karl Heeb den wohl wichtigsten Termin.

Es steht noch vieles an

Doch vorher ist noch einiges zu tun. Pius Flury listet auf: Brandreinigunsarbeiten im Schiff unterhalb des Kranzgesimses, Befestigungskontrolle, Reparaturen und Risssanierungen am Stuck, Reinigungs-, Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an den Fenstern, die Installation für Starkstrom, Akustikanlagen und die Beleuchtung sowie für die Heizung und Lüftung.

Im Januar sollen erste Gerüstteile wieder abgebaut werden. «Dann», so Fluri, «beginnen Arbeiten an den Bodenbelägen und unteren Wandoberflächen.» Zuletzt gehts an die Reinigung und Restaurierung der künstlerischen Ausstattung und des Orgelgehäuses.

Wer kauft einen Engel?

Bleibt das liebe Geld. 3,5 Mio. Franken brauchts für die Beseitigung der Brandschäden, was durch die Versicherungen abgedeckt ist. Doch zusammen mit der Totalrestaurierung kommen Kosten von rund 8 Mio. Franken zusammen. Regierungsrat Walter Straumann, gleichzeitig als Präsident des Vereins Pro Kathedrale St. Urs und Viktor, versucht, noch die Summe von 1,845 Mio. Franken aufzutreiben. Denn soviel fehlt immer noch, auch wenn man den Beitrag der Römisch-katholischen Synode und die Finanzierung durch die Kirchgemeinde selbst einrechnet.

«Bisher hat unsere Spendenaktion gegen 260000 Franken eingebracht», betont Straumann. Doch habe man zuerst die Höhe der benötigten Mittel kennen müssen, um eine neue Spendenoffensive lancieren zu können, betonen er und Karl Heeb. So wurde eine professionell gemachte Broschüre erstellt und vor allem eine Homepage eingerichtet, die ab sofort verfügbar ist (www.prokathedrale-so.ch).

Kernstück ist jedoch die Online-Aktion «Kaufen Sie einen Engel.» 308 Objekte, von der Rosette für 500 bis zum Altarbild für Tausende von Franken, können «gekauft» werden. Die ersten sind schon weg, denn offenbar kommt diese Art «Sakralsponsoring» besonders gut an...