Gewalt
Messerangriff: Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Gefängnis

Ein Drogendealer steht am Amtsgericht Solothurn unter Anklage. Der Grund: Er soll einen Mann mit einem Klappmesser verletzt haben. Nun fordert der Staatsanwalt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung acht Jahre Gefängnis gegen den Angeklagten.

Hans Peter Schläfli
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Messerangriff

Messerangriff

Solothurner Zeitung

Das Revier von Bilal V.* erstreckte sich vom «Aaremürli» vor der Solothurner «Billard&Bar» bis zum Drogenumschlagplatz der Schwarz-
afrikaner beim Gewerbeschulhaus. Über viele Jahre hatte er hier kiloweise Marihuana und rechte Mengen Kokain verkauft. Immer wieder wurde er dabei von der Polizei erwischt. Die vielen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz und massive Verstösse gegen die Strassenverkehrsordnung gestand der 32-jährige Türke aus Zuchwil gemäss Anklage. So sitzt Bilal V. bereits zum vorzeitigen Strafvollzug im Gefängnis und er wurde gestern in Handschellen ins Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt geführt.

«Eine hinterhältige Attacke»

Den schwerwiegendsten Vorwurf bestritt Bilal V. aber vehement. Am 21. Januar 2007 hatte ein kräftiger Mann, von dem zunächst nur der Vorname bekannt war, vor der «Latino Bar» in Solothurn einen 26-jährigen Mann zweimal mit einem Klappmesser in den Arm und einmal ins Bein gestochen. Dabei wurde das Opfer von einem deutlich kleineren Mann festgehalten. Als der Mann aus dem Balkan fliehen wollte, fiel der Täter auch noch von hinten über ihn her und stach ihm in die Brust. «Es war nur eine glückliche Fügung des Schicksals, dass er mit dem Messer auf einen Knochen stach, es hätte viel schlimmer kommen können», sagte Staatsanwalt Jan Gutzwiller in seinem Plädoyer. Er beschrieb diese Tat als «hinterhältige Attacke, bei der das Opfer hätte getötet werden können.»

Gutzwiller war es auch, der Jahre später bei Ermittlungen im Drogenmilieu diese Messerstecherei mit Bilal V. in Verbindung brachte: Sowohl Vorname als auch die vom Opfer abgegebene Beschreibung stimmten. Bei einer Gegenüberstellung wurde V. vom Opfer erkannt. Der kleinere Mann, der das Opfer in den Schwitzkasten genommen hatte, wurde als dessen Schweizer Kumpel Hans B.* identifiziert. Denn der kräftige Bilal V. und der deutlich kleinere Hans B. fielen in Solothurn als eine Art «Batman und Robin des Bösen» auf.

Drohungen mit Klappmesser

Von einer Messerstecherei vor der «Latino Bar» wollte Bilal V. partout nichts wissen. Er habe den Mann nur kurz im Schwitzkasten gehalten, um einen Streit zu schlichten. Er sei dann davongerannt, und wie das Opfer später zu seinen Stichwunden gekommen ist, wisse er nicht.

Das berüchtigte Duo war auch in den Morgenstunden des 21. Februars, dem Fasnachtsdienstag des Jahres 2007, in Solothurn unterwegs. Vor dem «Löwen» gerieten sie in eine Schlägerei. Der Sicherheitsangestellte Agron H.* versuchte mit zwei Kollegen, die beiden prügelnden Gruppen zu trennen, und er rief die Polizei. Als sich Bilal V. aus dem Staub machen wollte, folgte ihm der erfahrene Türsteher. Vor dem «Kreuz» bedrohte ihn der Angeklagte mit einem Messer. Da traf auch schon die Polizei ein.

Kumpel wurde verurteilt

Bilal V. gestand, den mit einem Schlagstock ausgerüsteten Agron H. das offene Klappmesser gezeigt zu haben. Doch während das Opfer von einer Distanz von 2 bis 3 Metern und einer echten Gefahr sprach, behauptete der Angeklagte, 30 bis 40 Meter entfernt gewesen zu sein und mehr symbolisch und aus Notwehr gehandelt zu haben. Bilal V. machte während des Plädoyers der Anklage, zu seiner Rechtsanwältin gewandt, mehrfach eine «Vogel»-Geste und sagte, «das stimmt nicht».

Sein Kumpel Hans B. wurde vor kurzem zu acht Jahren Freiheitsentzug verurteilt – er hatte unter anderem jemanden angeschossen. Nun forderte der Staatsanwalt für Bilal V. wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, einfacher Körperverletzung, mehrfacher Drohung, mehrfachen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und einer Reihe anderer Straftaten (12 Seiten Anklageschrift!) ebenfalls acht Jahre Gefängnis.

Die Verteidigung plädierte auf Freispruch in den Punkten der versuchten vorsätzlichen Tötung, der Körperverletzung und der Drohung. Für die eingestandenen Verbrechen forderte sie eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, begleitet von einer Therapie. Das Urteil folgt in den nächsten Tagen.

*Namen von der Redaktion geändert