Urnenbestattung
Mehr Platz auf den Friedhöfen

Immer mehr Menschen ziehen eine Urnenbestattung einer Erdbestattung vor. Das bedeutet, dass auf Friedhöfen vorhandene freie Flächen kaum mehr genutzt werden. Ausgereifte Pläne für diese gibt es nicht, aber man will den Raum grosszügiger nutzen.

Angelica Schorre
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Das Urnengrabfeld auf dem Friedhof St. Katharinen in Solothurn. Dieser Friedhof ist schon seit langem parkähnlich gestaltet.

Das Urnengrabfeld auf dem Friedhof St. Katharinen in Solothurn. Dieser Friedhof ist schon seit langem parkähnlich gestaltet.

Solothurner Zeitung

Auf dem Friedhof St. Katharinen in Solothurn fanden letztes Jahr 7 Erdbestattungen und 131 Urnenbeisetzungen statt; auch in Langenthal machen von den etwa 150 Beisetzungen jährlich die Erdbestattungen keine 10 Prozent mehr aus. «Die Urnenbeisetzungen erfolgen zu einem grossen Teil auf dem Gemeinschaftsgrab oder in einer Nische der Urnenwand. Aus diesem Grund verfügt der Friedhof Langenthal bereits heute über viele freie Rasenflächen, auf denen zum Teil grosse Bäume stehen», bestätigt Stefan Oberli, Leiter der Friedhofgärtnerei Langenthal.

Seit ein paar Jahren würden sie Urnengräber in freier Anordnung anbieten. Das heisst, dass diese Gräber nicht mehr in Reih und Glied angeordnet, sondern in einem grosszügigen Abstand zum Nachbargrab in einer Rasenfläche platziert sind. Stefan Oberli: «Bei dieser Grabart beträgt der Platzbedarf gegenüber einem normalen Urnenreihengrab das Vielfache. Da der Friedhof bereits heute parkähnlich gestaltet ist und auch in Zukunft für die neuen Grabarten genügend Platz vorhanden sein muss, existieren keine Pläne für eine Umgestaltung.»

Urnengräber im Vorteil

Ebenfalls keine Umnutzungspläne in zum Beispiel eigentliche Parkanlagen existieren für den Friedhof Katharinen in Solothurn. Stadtschreiber Hansjörg Boll: «Allerdings ist die Gestaltung meines Erachtens nach auch heute schon ziemlich parkähnlich.»

Das Gleiche gilt für den Friedhof Aarwangen. «Es bestehen keine konkreten Pläne, aber wir gestalten den vorhandenen Platz lockerer, parkähnlicher. Das bedeutet weniger Reihengräber», sagt auch Peter Gerber, Leiter Gemeindebetriebe. Auch für den Friedhof Grenchen liegen keine Umnutzungspläne vor. Und in Zukunft wird es auf den Friedhöfen noch mehr Platz geben. Dann nämlich, wenn nach abgelaufener Grabruhe Reihen von Erdbestattungsgräbern aufgehoben werden.

In der Regel beträgt diese Grabruhe, die auch für Urnengräber gilt, mindestens 20 Jahre (Solothurn, Grenchen, Zuchwil, Oberdorf, Aarwangen, Oensingen). Auf dem Friedhof Langenthal dauert die Grabruhe für Einzelgräber mindestens 25 Jahre.

Wird einem Erdbestattungsgrab später eine Urne beigegeben, verlängert sich die Grabruhe in der Regel nicht. Für Familiengräber dauert diese länger: zum Beispiel etwa 60 Jahre in Grenchen und 40 Jahre in Langenthal. Auf Antrag kann die Grabruhe bei Familiengräbern verlängert werden. In Gemeinschaftsurnengräbern gibt es keine Mindestbelegdauer.

Die Aufhebung von Grabreihen geschieht meistens auf Gemeinderatsbeschluss und wird drei Monate vorher im betreffenden amtlichen Publikationsorgan veröffentlicht, vereinzelt werden Hinterbliebene auch schriftlich benachrichtigt.

Angehörige haben so die Möglichkeit, sich bei der Friedhofsgärtnerei oder den betreffenden Behörden zu melden und Grabstein sowie Pflanzen abzuholen. Meldet sich niemand, können Grabsteine an interessierte Künstler weitergegeben werden.

Aber nicht überall: In Grenchen zum Beispiel sieht man davon ab, da die Möglichkeit besteht, dass der Bildhauer den Grabstein kaum verändert wiederverwendet und Angehörige den ursprünglichen Grabstein wiedererkennen. Hat niemand Interesse an Grabstein und Pflanzen, werden die Grabsteine zu Kies geschreddert, die Pflanzen verwendet oder kompostiert.

Nach 20 oder 25 Jahren kann man annehmen, dass noch sterbliche Überreste in den Gräbern vorhanden sind. Was passiert mit diesen? Dazu der Leiter der Friedhofsgärtnerei Langenthal, Stefan Oberli: «Falls in ein paar Jahren auf der gleichen Fläche wieder ein Grabfeld entsteht, werden dort nur Urnen beigesetzt.

So ist gewährleistet, dass auf einem ehemaligen Erdbestattungsfeld frühestens nach 60 Jahren wieder Erdbestattungen erfolgen. Nach dieser Zeit kommen beim Aushub höchst selten sterbliche Überreste zum Vorschein.»

Bei der Aufhebung von Urnengräbern werden die Urnen ausgegraben und die Asche an der gleichen Stelle in die Erde geschüttet. «Die leeren Urnen werden entsorgt», gemäss Oberli. Da aber seit etwa 15 Jahren nur noch verrottbare Urnen verwendet werden, entfalle bei diesen Gräbern das Ausgraben der Urnen.

In Aarwangen werden, so Peter Gerber, die Gräber aufgeschüttet, sodass man bei einer neuen Nutzung nicht so tief graben muss. Laut Friedhofsreglement werden in Grenchen Urnen- und Aschenreste aus ausgehobenen Gräbern in einem Sammelgrab beigesetzt.

Und für den Friedhof St. Katharinen gilt laut Reglement: «Überreste von Leichen und Urnen einer aufgehobenen Friedhofabteilung verbleiben an ihrem bisherigen Ruheort, sofern sie nicht aus zwingenden Gründen in der gemeinsamen Grabstätte beigesetzt werden müssen. Urnen werden den berechtigten Angehörigen auf Wunsch übergeben.»

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