Frankenstärke

Mathys-CEO Faisst: «Wechselkurs macht uns zu schaffen»

Mathys-CEO Arne-C. Faisst zeigt die neu entwickelte Gelenkpfanne aus einem Polymer-Monoblock.  Hanspeter Bärtschi Mathys-CEO Arne-C. Faisst zeigt die neu entwickelte Gelenkpfanne aus einem Polymer-Monoblock.  Hanspeter Bärtschi Mathys-CEO Arne-C. Faisst zeigt die neu entwickelte Gelenkpfanne aus einem Polymer-Monoblock.  Hanspeter Bärtschi

Mathys-CEO Arne-C. Faisst zeigt die neu entwickelte Gelenkpfanne aus einem Polymer-Monoblock. Hanspeter Bärtschi Mathys-CEO Arne-C. Faisst zeigt die neu entwickelte Gelenkpfanne aus einem Polymer-Monoblock. Hanspeter Bärtschi Mathys-CEO Arne-C. Faisst zeigt die neu entwickelte Gelenkpfanne aus einem Polymer-Monoblock. Hanspeter Bärtschi

Der Bettlacher Orthopädie-Hersteller Mathys schliesst das erste Semester mit einem währungsbereinigten Wachstum von 8.9 % ab. Im Interview mit der az sagt der CEO Arne-C.Faisst, was er gegen den starken Franken zu tun gedenkt.

Sie haben schon im zweiten Halbjahr 2010 unter der Wechselkursentwicklung gelitten. Hat sich die Situation noch verschlimmert?

Arne-C. Faisst: Das kann man wohl sagen. Während wir die Währungsschwankungen des Euros in den letzten Jahren relativ gut durch Produktivitätssteigerungen wettmachen konnten, kommt jetzt die Schwäche des Dollars dazu.

Was heisst das?

Das bedeutet, dass insbesondere unsere amerikanischen Konkurrenten im Aufwind sind. Diese geben ihre Währungsgewinne direkt als Preisnachlass an die Märkte weiter. Wir geraten somit von zwei Seiten unter Druck.

Wie schlägt sich das konkret in den Zahlen nieder?

Unser Umsatzwachstum von beachtlichen 8,9 Prozent wird durch Währungseffekte praktisch ganz aufgefressen.

Mit welcher Strategie reagieren Sie?

Wir versuchen, so viel Rohmaterial wie möglich im Ausland einzukaufen und so ebenfalls vom günstigen Euro zu profitieren. In der Marktbearbeitung setzen wir auf Länder mit einem stabilen Gesundheitswesen und Wachstumspotenzial. Die Entwicklung in China verläuft erfreulich und in Japan ist die Registrierung demnächst abgeschlossen.

Der grösste Teil der Wertschöpfung geschieht aber in der Schweiz. Inwiefern können oder müssen Sie ins Ausland ausweichen?

Unsere Produktion in Deutschland wird sicher an Bedeutung gewinnen. Wir sind allerdings in einem hoch spezialisierten Segment tätig und wollen Produktion und Engineering nahe beisammen halten. Wir können nicht kurzfristig die Produktion aus Bettlach wegverlagern. Das wollen wir auch nicht.

Glauben Sie, dass sich der Franken wieder abschwächt?

Das kann ich nicht definitiv beurteilen. Ich kann höchstens hoffen, dass der Zyklus sich auch wieder mal wendet.

Immer mehr Unternehmer melden sich zu Wort und fordern erneute Interventionen der Nationalbank oder ein Eingreifen der Politik. Unterstützen Sie diese Vorstösse?

Ich finde es dringend nötig, dass das Thema aktiv von der Politik wie auch von der Nationalbank aufgegriffen wird und dass Lösungen erarbeitet werden. Zudem ist es wichtig, dass eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Situation der Exportindustrie stattfindet, da ein grosser Teil der Schweizer Volkswirtschaft betroffen ist.

Was machen Sie, wenn sich nichts bewegt oder die Situation noch drastischer wird.

Wir sind keine Finanzunternehmung, sondern sind in der Realwirtschaft tätig. Also versuchen wir, durch bessere Produkte weiterhin Marktanteile zu gewinnen. Wir haben beispielsweise letztes Jahr eine neue Technologie für Hüftgelenke lanciert, die dank ihrer Langlebigkeit eine zweite so genannte Revisionsoperation überflüssig macht. Das Produkt wurde vom Markt gut aufgenommen.

Wie ist Ihr Ausblick fürs zweite Halbjahr?

Wir rechnen grundsätzlich mit guten Wachstumschancen, denn wir investieren jährlich 7 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung. Im gegenwärtigen Marktumfeld ist allerdings auch im zweiten Halbjahr damit zu rechnen, dass wir trotz mehr verkauften Produkten keine wesentliche Umsatzsteigerung ausweisen.

Mit dem Verkauf von Synthes wird die Solothurner Medtech-Landschaft umgepflügt. Was bedeutet das für Sie?

Die Übernahme von Synthes durch Johnson&Johnson will ich nicht kommentieren. Ich gehe aber nicht davon aus, dass dieser Schritt für uns negative Auswirkungen haben wird.

Warum?

Wir sind ein kleiner Anbieter, aber in unserer Marktnische führend. Ein Zusammenschluss von zwei grösseren Anbietern, die in diesem Segment keine direkte Konkurrenz sind, ist für uns nicht bedrohlich.

Sie sind wie gesagt eine vergleichsweise kleine Firma. Müssen Sie sich nicht mittelfristig an einen grösseren Partner anlehnen?

Warum? Glauben Sie, dass ein grosser Konzern kundennäher ist? Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall.

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