Lärmschutz
Massiv weniger Bahnlärm

Die SBB bauen in Oensingen auf 800 Meter Länge Lärmschutzwände auf. Die Betroffenen sind vom Projekt mehrheitlich erfreut.

Armand Rindlisbacher
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Solothurner Zeitung

Die Eisenbahn entlastet zwar die Strasse, verursacht aber auch Lärm. Oft liegt dieser schon heute über dem Grenzwert oder wird laut Lärmprognose für das Jahr 2015 bald einmal überschritten sein. Deshalb bauen die SBB im Rahmen des Lärmsanierungsprogrammes des Bundes jetzt in Oensingen Lärmschutzwände von etwa 800 Meter Länge.

Weniger Lärm, dafür Schatten

Gottfried Tschumi, der am Bifangweg direkt an der Bahnlinie einen Bauernhof betreibt, zeigt sich glücklich darüber, dass der Bund gegen den Bahnlärm nun endlich auch in Oensingen aktiv geworden ist. «Die Lärmverminderung ist – vor allem bei Güterzügen – massiv», erklärt er auf Anfrage. «Gesamthaft gesehen empfinde und schätze ich die Reduktion der Lärmbelastung auf etwa drei Viertel gegenüber der Situation vor der Sanierung.» Und dies, obwohl die neue Wand noch zwei Lücken aufweist, die eine auf einer Brücke, die andere für eine Fluchttüre. «Das ist ein sehr positives und nicht unbedingt erwartetes Ergebnis», schildert Tschumi. Aber wo Sonne ist, gebe es eben auch Schatten. Etwas weniger Aussicht und der Schattenwurf der neuen Lärmschutzwand seien die Gegenseite und in Kauf zu nehmende Nachteile solcher Projekte.

Alle Punkte ermittelt

Die Lärmbelastung durch die Eisenbahn wurde in den letzten Jahren systematisch erfasst, so auch in Oensingen. Fachleute haben alle Punkte ermittelt, an denen der Bahnlärm heute oder in den kommenden Jahren ein kritisches Ausmass erreicht. Das Konzept hat gezeigt, dass alleine durch Massnahmen an der Quelle (Sanierung des Rollmaterials) die Einhaltung der Immissionsgrenzwerte nicht zu erreichen ist und deshalb weitergehende Sanierungsmassnahmen mit Lärmschutzwänden oder Dämmen notwendig sind.

Auf der Nordseite der Linie Solothurn–Olten, zwischen der Aspstrasse und dem Bifanggebiet (GFH-Gebäude) werden nun weitere Lärmschutzmassnahmen realisiert. Die neuen Lärmschutzwände lassen sich grob in zwei Abschnitte zuteilen: West, Aspstrasse bis Autobahnzubringer; Ost, Zeughaus bis Bifang. Im Abschnitt Mitte, Staadacker-Mühlefeld, besteht bereits eine Lärmschutzwand beziehungsweise ein Damm von etwa 400 Meter Länge. Diese wurden vor Jahren durch eine aus Landbesitzern hervorgegangene private Gesellschaft erstellt und vorfinanziert. Auf der Länge des ebenfalls an die Bahnlinie anstossenden Zeughausareals verzichten die SBB dagegen vorläufig auf zusätzliche Schutzmassnahmen, zumindest solange dieser Militärbetrieb bestehen bleibt.

Bis Ende Jahr abschliessen

Die Lärmschutzelemente haben eine Höhe bis 2 Meter über Schienenoberkante und sind aus Beton, Farbe anthrazitgrau. Im Bereich von Unter-führungen entstehen spezielle Brückenkonstruktionen, und es werden aus Gewichtsgründen Aluminium-wände verbaut. Die SBB geben die Kosten einer Standardlärmschutz-wand mit zirka 2200 Franken pro Laufmeter an. Finanziert wird die Lärmsanierung der Eisenbahnen durch den Bund, und zwar aus Mitteln der FinöV-Vorlage vom Herbst 1998. Mit den Bauarbeiten wurde Mitte August begonnen, und sie sollten – Wetterpech vorbehalten – bis Ende Jahr abgeschlossen sein.