Das meldete die Staatskanzlei Solothurn nach dem Anmeldeschluss von gestern Montag um 17 Uhr. Vor vier Jahren gab es im Kanton 13 Listen mit 81 Kandidaturen, vor acht Jahren erst 11 Listen mit 75 Kandidaturen.

Im Vergleich zum Massenansturm auf die sieben Solothurner Nationalratssitze nimmt sich das Kandidatenfeld für die zwei Ständeratssitze bescheiden aus: Dort bleibt es bei den fünf bereits bekannten Kandidaturen.

Alle greifen nach einem CVP-Sitz

In der zu Ende gehenden Legislaturperiode 2007 bis 2011 verteilen sich die sieben Solothurner Nationalratsmandate wie folgt: 2 SVP, 2 CVP, 1 FDP, 1 SP, 1 Grüne.

Sechs der sieben Nationalratsmitglieder treten wieder an: Roland Borer und Walter Wobmann von der SVP, Pirmin Bischof von der CVP, Kurt Fluri von der FDP, Bea Heim von der SP und Brigit Wyss von den Grünen. Sie alle haben gute Wiederwahlchancen.

Heftig umstritten ist dagegen der Sitz der zurücktretenden CVP-Nationalrätin Elvira Bader – nicht nur wegen des Rücktritts, sondern weil der zweite CVP-Sitz vor vier Jahren lediglich ein knapp errungener «Wackelsitz», war.

SVP neu mit Auslandschweizern

Dieses Ringen erklärt die Listen- und Kandidatenflut: SVP, FDP und SP treten mit je drei Listen an, die CVP gar mit deren vier. Alle vier Parteien haben eine Liste ihrer Jungpartei. Die SVP präsentiert als Neuheit eine Liste mit vier Auslandschweizern («SVP International»), die CVP probiert es mit einer Liste «60+»: vier Personen im Alter von 62 bis 78 Jahren.

Auch die Grünen stellen drei Listen; sie möchten vor allem verhindern, dass ihre 2007 gewählte Nationalrätin Brigit Wyss das gleiche Schicksal ereilt wie die erste Solothurner Grüne im Nationalrat, Marguerite Misteli, die 1995 nach nur vier Jahren in Bern das Mandat wieder abgeben musste.

Vier Listenblöcke – ein Favorit

Noch wichtiger als die eigenen «Sonderlisten» der Parteien sind die Listenverbindungspartner: Kleinparteien, die im Kanton Solothurn kaum Chancen auf ein Mandat haben, aber ihr Wählerpotenzial einem der «Grossen» nutzbar machen. So sind es vier Listenverbindungsblöcke, die um die sieben Sitze kämpfen:

• SVP, Junge SVP, SVP International und EDU

• FDP (2 Listen), Jungfreisinnige und BDP

• CVP (2 Listen), Junge CVP, CVP 60+, Grünliberale und EVP

• SP (2 Listen), Juso, Grüne (2 Listen und Junge Grüne.

Die «attraktivsten» Listenverbindungspartner hat sich die CVP gesichert: Die EVP steuerte schon vor vier Jahren 1,76 Prozent Wähleranteil bei, was entscheidend war, dass die CVP damals ihren zweiten Sitz gewann. Diesmal kommen für die CVP noch die Grünliberalen (GLP) dazu, denen sogar 3 bis 5 Prozent zuzutrauen sind.

Diese Marke dürfte für die erstmals antretende, im Kanton Solothurn mit der FDP verbundene Widmer-Schlumpf-Partei BDP unerreichbar bleiben. Auch der Beitrag der konservativ-freikirchlichen EDU für die SVP dürfte unbedeutend sein.

Ausserhalb dieser vier Listenverbindungen stehen noch zwei Exotenlisten: Die Tierpartei Schweiz mit sechs Kandidaturen, darunter der Grenchner First Lady Barbara Banga, und eine Liste «parteifrei.ch» mit drei Namen. Beide werden mit der Sitzverteilung nichts zu tun haben.

Wenig Hoffnung für die FDP

Aus heutiger Sicht hat die CVP mit Abstand die besten Karten, in der kommenden Legislaturperiode wieder zwei Solothurner Nationalräte stellen zu können. Die SVP wird ihre zwei Sitze problemlos bestätigen können, für die Verbindung SP-Grüne dürfte es erneut nur für zwei Sitze reichen, vermutlich wiederum je einen für beide Parteien.

Den Schwarzen Peter – nämlich das Ergebnis, das nur zu einem einzigen Nationalratssitz verhilft – dürfte damit erneut die FDP ziehen: Der generelle Gegenwind und ein zu wenig zugkräftiger Listenpartner machen es für die Solothurner Freisinnigen fast unmöglich, den erhofften zweiten Nationalratssitz zu erreichen. Umso mehr sind sie dazu verdammt, ihren Ständeratssitz zu verteidigen.