Geschlechterkonflikt
«Lokaler Filz» bei Solothurner Filmtagen: War das der wahre Grund für den Abgang von Anita Hugi?

Das Bundesamt für Kultur kürzt den Solothurner Filmtagen bereits gesprochene Gelder im Umfang von 20'000 Franken. Angeblich geht es um einen Machtkampf und Generationen-, Geschlechter- und Modernisierungskonflikte.

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Was ist los bei den Solothurner Filmtagen?

Was ist los bei den Solothurner Filmtagen?

SZ

Die Solothurner Filmtage kommen nach dem Abgang von Anita Hugi nicht zur Ruhe. Wie die Wochenzeitung «Die Zeit» in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, hätten die Solothurner Filmtage künftig 460'000 Franken vom Bundesamt für Kultur (BAK) erhalten sollen, 20'000 Franken mehr als bisher. Gemäss Recherchen der «Zeit» wird daraus nun nichts.

In diesen Tagen habe das BAK entschieden, lediglich die bestehende Leistungsvereinbarung um ein Jahr zu verlängern. Im Frühling werde es neu beurteilen, wie es weitergehen soll. Laut dem Übergangspräsidenten der Filmtage, Thomas Geiser, sei die öffentliche Unterstützung «in keiner Weise» infrage gestellt.

Thomas Geiser, Präsident der Solothurner Filmtage.

Thomas Geiser, Präsident der Solothurner Filmtage.

KEYSTONE

Eine Warnung an die Solothurner Filmtage

Gemäss der «Zeit» ist der Entscheid des BAK jedoch eine Warnung an die Filmtage und ihre Führung nach den Negativschlagzeilen der letzten Monate. Zur Erinnerung: Im Frühling stellte sich der damalige Präsident der Filmtage, Felix Gutzwiller nicht mehr zur Wiederwahl. Zwei weitere Vorstandsmitglieder traten zurück. Im August wurde zudem bekannt, dass sich die Filmtage von ihrer Direktorin und Leiterin Anita Hugi trennen.

Das BAK habe diesen Sommer den Schweizer Filmfestivals klargemacht, dass das Thema «Good Governance» ein wichtiger Bestandteil der neuen Leistungsvereinbarungen sein würde, schreibt die «Zeit». Demnach soll die strategische von der operativen Ebene eines Festivals getrennt und die künstlerische Unabhängigkeit respektiert und eingehalten werden. Einzelne Personen sollen sich also nicht selbst in bestimmte Gremien wählen oder sich selbst kontrollieren oder beaufsichtigen können.

Zudem verlangt das BAK, so die «Zeit», dass sich die Solothurner Filmtage hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses neu aufstellen. Falls nötig, müsse es eine entsprechende Revision der Statuten in die Wege leiten.

Gutzwiller sieht ein «Strukturproblem»

Gemäss der «Zeit» spielt sich in Solothurn «ein Machtkampf» ab. «Generationen-, Geschlechter- und Modernisierungskonflikte» würden sich überlagern. Laut Felix Gutzwiller sind «unterschiedliche Vorstellungen über die Themen Innovation und Zukunft» das Hauptproblem. Auch von einem «Strukturproblem» ist die Rede. Thomas Geiser bestreitet diese Vorwürfe. Unterschiedliche Vorstellungen gebe es in jedem kreativen Team und diese würden konstruktiv und offen diskutiert.

Felix Gutzwiller bei der Eröffnung 54. Solothurner Filmtage 2019.

Felix Gutzwiller bei der Eröffnung 54. Solothurner Filmtage 2019.

Hanspeter Bärtschi

Wie es im Artikel der «Zeit» heisst, wisse das BAK schon lange von Strukturproblemen bei den Filmtagen. Bereits unter der vorherigen Direktorin seien die Beschränkung der Amtszeit, die Rolle der Gründergeneration und die Männerdominanz ein Thema gewesen.

Laut Thomas Geiser wird das Thema angegangen. Der Artikel bemerkt, dass sich Geiser aber trotz einer 2018 beschlossenen Amtszeitbeschränkung auf zwölf Jahre zum Übergangspräsidenten habe wählen lassen – nach 17 Jahren im Amt.

Die «Zeit» vermutet, dass dabei ein Legat in der Höhe von 1,2 Millionen Franken eine Rolle spielte, das den mit 60'000 Franken dotierte «Prix de Soleure» mitfinanziert. Der Stifter des Preises sei aber nur Insidern bekannt. Felix Gutzwiller sagt, er habe gehört, dass Geiser bei diesem Legat eine Rolle spiele. Geiser selbst äussert sich nicht dazu. Gemäss der «Zeit» hört man aus dem Umfeld des Festivals: Wenn Geiser aus dem Vorstand austreten müsse, seien die Filmtage um eine Million Franken ärmer.

Personelle Verflechtungen

Der Artikel erwähnt zudem «Überschneidungen» zwischen Vorstand und Geschäftsleitung, die «sehr lange Amtsdauer» einiger Mitglieder in den beiden Gremien und «seltsame familiäre Verbandelungen» bei den Filmtagen. So seien Geiser und Rainer Portmann, der Sohn des Gründers der Filmtage, seit 17 Jahren im Vorstand. Teil der Geschäftsleitung sei auch die die Tochter des ehemaligen Filmtagedirektors Ivo Kummer.

Ivo Kummer, ehemaliger Filmtage-Chef und jetziger Chef der Abteilung Kino beim BAK.

Ivo Kummer, ehemaliger Filmtage-Chef und jetziger Chef der Abteilung Kino beim BAK.

KEYSTONE

Die jurassische SP-Ständerätin Elisabeth Baume-Schneider, die im Frühling aus dem Vorstand der Filmtage zurückgetreten ist, lässt verlauten, dass die Verbindungen zwischen manchen Leuten, die schon lange in Solothurn sind, für sie schwierig zu verstehen gewesen seien: «Für die Filmtage ist es eine Herausforderung, mit Leuten von aussen zusammenzuarbeiten.» Laut Geiser entbehre diese Aussage «jeder faktischen Grundlage».

In diesem Zusammenhang wird auch der Abgang von Anita Hugi zum Thema. Sie habe «ein hohes Tempo eingeschlagen», sagt Felix Gutzwiller. «Sie wollte Probleme beheben, das Management in den Griff bekommen.»

Anita Hugi wurde 2021 als Direktorin der Solothurner Filmtage abgesägt.

Anita Hugi wurde 2021 als Direktorin der Solothurner Filmtage abgesägt.

KEYSTONE

Dazu gehöre auch die personelle Entflechtung von Vorstand und Geschäftsstelle und eine Amtszeitbeschränkung, schreibt die« Zeit». Für Geiser und Portmann seien diese Forderungen eine direkte Bedrohung, sagt Gutzwiller: «Sie würden Machtverlust bedeuten».

Thomas Geiser entgegnet dem, es sei der neu zusammengesetzte Vorstand gewesen, der diese Entflechtung in die Wege geleitet habe.

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