Wahlen 2011/SO
«Listen bis zum Exzess» und verlierende Junge

Kleinparteien So viele Kleinparteien wie noch nie sind zu den Wahlen angetreten. Gelohnt hat sich dies für keine: Sie liefern Stimmen für andere, der Wähleranteil ist zersplittert, die Jungparteien haben Wähler verloren. Doch um die Stimmenanteile geht es nicht überall.

Lucien Fluri
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Werbung der einzelnen Parteien im Kanton Solothurn

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Solothurner Zeitung

Ein Wähleranteil von einem Prozent muss nicht traurig machen: «Wir sind stolz, dass wir die wählerstärkste Jungpartei sind», sagt Cyrill Bolliger von den jungen Grünen. Mit 1,36 Prozent hat die Partei unter den Jungparteien am besten abgeschnitten – vor der Jungen SVP, die 1,15 Prozent erreichte.

Sämtliche Jungparteien haben Wähleranteile verloren. Die Juso haben 3585 Wähler weniger als 2007, die Junge SVP und die Jungfreisinnigen haben sogar die Hälfte ihrer Stimmen verloren. Mit einem Wähleranteil von gerade noch 0,57 Prozent bilden die Jungfreisinnigen neu das Schlusslicht unter den jungen Parteien. «Ich habe gemischte Gefühle. Es macht nachdenklich», sagt Kevin Schmid von den Jungfreisinnigen. Einzig die Junge CVP konnte sich in etwa halten.

Basis für Kantonsratswahlen

Trotz Wahlverlusten: Egal, welche Jungpartei man fragt, alle zeigen sich grundsätzlich zufrieden. «Man sammelt Erfahrungen, was Wahlkampf bedeutet», sagt Pascal Walter von der Jungen CVP. «Es ist Aufbauarbeit für die Kantonsratswahlen», ergänzt SVP-Wahlkampfleiter Roman S. Jäggi. Walter widerspricht, dass die Partei mit einem Prozent Stimmenanteil marginal sei: «Dieses Prozent holt die Mutterpartei nicht.» Als teilweise problematisch für Jungparteien bezeichnet Alice Roth von den Juso die fehlende Kontinuität, denn innerhalb von vier Jahren hätten einige zur Mutterpartei gewechselt.

«Der Kuchen wird nicht grösser»

Mit Tierpartei, EDU und Parteifrei sind im Kanton drei neue Kleinparteien zu den Wahlen angetreten – und haben Stimmenanteile im Prozentbereich geholt. «Es gab Listen bis zum Exzess», kritisiert Roman S. Jäggi – und spricht etwa die CVP Liste 60 plus an. «Der Kuchen wird nicht grösser, der Wähler ist verwirrt. Das bringt nicht», sagt Jäggi. Mitgemacht hat da auch die SVP, die mit der Liste SVP International einen Stimmenanteil von 0,35 Prozent holte. Darauf, so Jäggi, habe die Kantonalpartei aber keinen Einfluss, denn die SVP International organisiere sich unabhängig von der Kantonalpartei. «Es macht kein Sinn, wenn kleine Parteien nicht in einer Listenverbindung sind», argumentiert auch Eric Schenk von der EVP. Seine Partei freut sich, dass der zweite Sitz der Listenpartnerin CVP gehalten wurde.

Unbeeindruckte Kleinparteien

Unbeeindruckt von der Kritik zeigen sich die Kleinparteien. Für Christoph Pfluger von Parteifrei verhält die Idee der Parteiunabhängigkeit nach wie vor – auch mit 1,34 Prozent Stimmenanteil: «Die Mehrheit der Leute hat genug vom Parteienknatsch.» Zufrieden ist Pfluger mit dem persönlichen Resultat von 4000 Stimmen.

Zufrieden zeigen sich auch EDU-Wahlkampfleiter Stefan Jaus und Barbara Banga, deren Tierpartei 0,98 Prozent Wähleranteil holte. «Es ist ein guter Grundstock, um die Partei bekannt zu machen». Die Tierpartei will jetzt eine Kantonalpartei gründen.

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